Silikonfugen sind Verschleißteile. Der Österreichische Fliesenverband nennt sie ausdrücklich Wartungsfugen: Sie müssen regelmäßig kontrolliert und bei sichtbaren Mängeln sofort erneuert werden, und sie fallen nicht unter die Gewährleistung für die übrigen Fliesenarbeiten. Wer das weiß, ärgert sich weniger über die schwarze Fuge in der Dusche und plant den Tausch alle paar Jahre einfach ein.

Die Arbeit selbst ist keine Hexerei. Sie scheitert fast immer an denselben drei Punkten: altes Silikon nicht vollständig entfernt, Untergrund nicht trocken oder fettfrei, Fuge falsch dimensioniert.

Wann eine Silikonfuge erneuert werden muss

Drei Befunde sprechen für den Tausch:

  • Schwarze Punkte, die sich nicht wegputzen lassen. Sitzt der Schimmel nur an der Oberfläche, hilft ein Reiniger. Bleiben die Flecken, ist der Pilz ins Material eingewachsen. Dann hilft nur noch ausschneiden.
  • Abriss an einer Flanke. Löst sich die Fuge von Fliese, Wanne oder Duschtasse, läuft Wasser dahinter. Das ist der gefährlichste Mangel, weil man ihn oft erst am Fleck an der Decke darunter bemerkt.
  • Hart, rissig, ausgewaschen. Eine Fuge, die beim Draufdrücken nicht mehr nachgibt, kann Bewegungen nicht mehr aufnehmen und reißt beim nächsten Mal.

Dass Schimmel auch bei hochwertigem Material auftritt, ist kein Ausführungsfehler. Sanitärsilikone sind meist fungizid ausgerüstet, die pilzhemmenden Zusätze werden aber an der Oberfläche mit der Zeit verbraucht und ausgewaschen. Der Fliesenverband hält in seinem Merkblatt zur Wartungsfuge fest, dass sich Schimmel dort, wo Fugen wiederholt Feuchtigkeit, Wärme und Seifenresten ausgesetzt sind, auf Dauer kaum verhindern lässt. Schnell abtrocknen lassen und gut lüften verzögert ihn deutlich.

Ein Punkt aus demselben Merkblatt wird oft missverstanden: Fugendichtstoffe haben keine abdichtende Funktion. Die eigentliche Abdichtung im Bad liegt unter den Fliesen. Die Silikonfuge hält Spritzwasser von der Anschlussstelle fern und nimmt Bewegungen auf. Ist sie undicht, gelangt Wasser an die Abdichtungsebene, und ob diese noch intakt ist, entscheidet über einen Wasserschaden.

Das richtige Material

Fugenmasse Eigenschaften Einsatz
Sanitärsilikon dauerelastisch, wasserbeständig, meist fungizid, nicht überstreichbar Dusche, Wanne, Waschtisch, Küchenrückwand, alle Nassbereiche
Neutralvernetzendes Silikon riecht kaum, greift empfindliche Untergründe nicht an Naturstein, Metall, Spiegel
Acryl überstreichbar, haftet gut auf Putz, nur begrenzt elastisch, nicht dauerhaft wasserfest trockene Innenfugen, etwa zwischen Wand und Türzarge oder Fensterrahmen

Für das Bad heißt das: Sanitärsilikon nach ÖNORM EN 15651-3, der Produktnorm für Fugendichtstoffe im Sanitärbereich. Normales Silikon aus dem Bauregal oder Acryl haben in der Dusche nichts verloren. Bei Naturstein wie Marmor oder Kalkstein ist ein Silikon nötig, das ausdrücklich für Naturstein freigegeben ist, sonst können sich dunkle Ränder im Stein bilden.

Die Farbe muss nicht weiß sein. Fast jede Fugenfarbe ist als Silikon erhältlich, passend zur Zementfuge. Ein farbiges Silikon zeigt beginnenden Schimmel aber genauso wie ein weißes, nur später.

Altes Silikon vollständig entfernen

Neues Silikon haftet auf altem nicht dauerhaft. Eine Fuge, die einfach über die alte gezogen wird, löst sich nach kurzer Zeit wieder, und darunter wächst der Schimmel weiter. Das Entfernen ist deshalb der wichtigste Arbeitsschritt.

  1. Ausschneiden. Mit einem Cutter oder einem Fugenmesser die Fuge an beiden Flanken entlang aufschneiden und den Strang herausziehen. Bei Acrylwannen und emaillierten Wannen flach ansetzen und mit Kunststoffschaber arbeiten, um die Oberfläche nicht zu zerkratzen.
  2. Reste lösen. Dünne Silikonfilme lassen sich mit einem Silikonentferner aus dem Fachhandel anlösen und nach der Einwirkzeit abschaben. Reste in der Zementfuge mit einem schmalen Schaber oder einer harten Bürste herauskratzen.
  3. Entfetten. Die Flanken mit Spiritus oder einem Reiniger, den der Silikonhersteller vorgibt, gründlich abwischen. Seifenreste und Badöl verhindern die Haftung.
  4. Schimmel behandeln. Ist der Untergrund verfärbt, mit einem Schimmelentferner behandeln, gut ausspülen.
  5. Trocknen lassen. Die Fuge muss vollständig trocken sein, im Zweifel über Nacht. Bei Duschen und Wannen bedeutet das: einen Tag nicht benutzen, die Tür offen lassen, lüften.

Wer Silikon von Fliesenflächen entfernen muss, etwa nach einem missglückten Versuch, arbeitet am besten, solange es noch frisch ist, mit Spiritus und einem Tuch. Ausgehärtetes Silikon wird mit einer Klinge flach abgezogen und der Film mit Silikonentferner gelöst.

Die neue Fuge ziehen

Bevor die Kartusche aufgeschnitten wird, kommt die Vorbereitung, die den Unterschied zwischen einer Profifuge und einer Wurst aus Silikon ausmacht:

  • Badewanne füllen. Eine Wanne gibt unter dem Gewicht von Wasser und Person etwas nach. Wird sie leer verfugt, reißt die Fuge beim ersten Vollbad. Deshalb die Wanne vor dem Verfugen mit Wasser füllen und erst nach dem Aushärten ablassen. Für Duschtassen gilt dasselbe Prinzip: belastet verfugen.
  • Hinterfüllen. Ist die Fuge tiefer als breit, kommt eine runde Schaumstoffschnur hinein. Die Fuge soll nur an den beiden Flanken haften, nicht am Grund. Haftet sie an drei Seiten, kann sie Bewegungen nicht aufnehmen und reißt.
  • Abkleben. Malerkrepp links und rechts der Fuge im gewünschten Abstand ergibt saubere Kanten. Das Band wird gleich nach dem Glätten abgezogen, bevor sich eine Haut bildet.

Dann die Kartuschenspitze schräg anschneiden, etwas schmäler als die Fuge, und die Masse in einem gleichmäßigen Zug einbringen. Lieber etwas zu viel als Lücken. Geglättet wird mit einem Fugenglätter oder dem angefeuchteten Finger. Als Glättmittel dient Wasser mit einem Spritzer Spülmittel, aber sparsam: Glättmittel, das auf die Flanken läuft, bevor die Masse anliegt, verhindert die Haftung.

Gängige Sanitärsilikone bilden laut ihren technischen Datenblättern nach etwa 10 bis 15 Minuten eine Haut und härten bei Raumklima rund 2 bis 3 Millimeter pro Tag durch. Eine normale Badfuge ist damit nach etwa einem Tag belastbar, eine tiefe Fuge braucht länger. Bis dahin die Dusche nicht benutzen und gut lüften, aber nicht mit dem Föhn trocknen.

Wie breit eine Fuge mindestens sein muss, hängt von der zu erwartenden Bewegung ab. Der Fliesenverband nennt für elastische Fugenmassen eine zulässige Gesamtverformung von etwa 20 bis 25 Prozent der Fugenbreite. Eine zu schmale Fuge an einer beweglichen Stelle wie dem Wannenrand ist deshalb nach kurzer Zeit überdehnt.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Fehler Folge Abhilfe
neues Silikon über altes gezogen Fuge löst sich, Schimmel wächst darunter weiter altes Silikon vollständig entfernen
Untergrund feucht oder seifig Abriss an einer Flanke entfetten, über Nacht trocknen lassen
Wanne leer verfugt Riss beim ersten Vollbad Wanne vor dem Verfugen füllen
Fuge haftet auch am Grund Riss bei Bewegung Hinterfüllschnur einlegen
zu viel Glättmittel Masse haftet nicht an den Flanken Glättmittel sparsam und erst nach dem Einbringen
Acryl im Nassbereich Fuge wird weich, verfärbt sich, löst sich im Bad nur Sanitärsilikon

Zeigt sich nach dem Erneuern bald wieder Schimmel, liegt die Ursache meist nicht an der Fuge, sondern am Raumklima. Wie sich Feuchtigkeit im Bad in den Griff bekommen lässt, beschreibt der Beitrag zu Schimmel in der Wohnung. Ein Abzieher für die Duschwand nach jedem Duschen nimmt den Fugen viel Feuchtigkeit ab.

Wer die Silikonfugen in der Mietwohnung erneuern muss

Viele Mietverträge enthalten eine Klausel, wonach der Mieter die elastischen Fugen in Bad, WC und Küche zu warten hat. Eine solche Klausel hat der Oberste Gerichtshof 2009 für unwirksam erklärt (OGH 6 Ob 81/09v). Die Begründung:

  • Der Begriff „Wartung“ ist intransparent, weil offen bleibt, was der Mieter konkret tun soll.
  • Die fachgerechte Erneuerung einer Fuge ist keine Bagatellreparatur, die ein Mieter selbst vornehmen kann.
  • Die Abnützung durch den gewöhnlichen Gebrauch hat der Mieter nach § 1109 ABGB nicht zu vertreten, sie ist durch die Miete abgegolten.
  • Führt eine schadhafte Fuge zu einer Funktionsbeeinträchtigung, etwa einer undichten Dusche, geht es um die Wiederherstellung der Brauchbarkeit, und die kann nicht auf den Mieter abgewälzt werden.

Was der Mieter trotzdem schuldet, ist der pflegliche Gebrauch: Fugen sauber halten, nach dem Duschen lüften und Schäden rasch melden. Wer eine gerissene Fuge monatelang ignoriert, bis Wasser in die Decke darunter läuft, riskiert, für den Folgeschaden einstehen zu müssen. Den Mangel deshalb schriftlich melden, mit Foto und Datum. Der Ablauf bei einem eingetretenen Schaden steht im Beitrag zum Wasserschaden im Haus.

Im Eigenheim und in der Eigentumswohnung stellt sich die Frage nicht: Die Fugen sind Sache der Eigentümer. Nach einer Badsanierung lohnt ein Blick in den Werkvertrag, denn Wartungsfugen sind von der Gewährleistung für die Verfugung in der Regel ausgenommen. Ein Abriss kurz nach der Übergabe kann trotzdem ein Ausführungsfehler sein, etwa wenn die Fuge zu schmal oder dreiseitig verklebt ist.

Selbst machen oder machen lassen

Eine Dusche oder eine Badewanne neu zu verfugen, ist für geübte Heimwerker an einem Nachmittag zu schaffen, plus Trockenzeit. Wer es zum ersten Mal macht, übt am besten an einer unauffälligen Stelle oder auf einem Stück Karton, bis Einbringen und Glätten in einem Zug gelingen.

Einen Fachbetrieb, typischerweise einen Fliesenleger, braucht es, wenn hinter der Fuge bereits Wasser in Wand oder Boden gelaufen ist, wenn Fliesen hohl klingen oder lose sind, oder wenn die Abdichtung unter den Fliesen beschädigt sein könnte. Dann ist die Fuge das Symptom und nicht die Ursache. Wer ohnehin über eine Erneuerung des Bads nachdenkt, findet im Beitrag zum fugenlosen Bad eine Variante mit deutlich weniger Fugen, und im Beitrag zur bodengleichen Dusche die Anschlussdetails, an denen die meisten Fugen sitzen.

Häufig gestellte Fragen zu Silikonfugen

Kann man neues Silikon auf altes Silikon auftragen?

Nein. Silikon haftet auf ausgehärtetem Silikon nicht dauerhaft. Die neue Fuge löst sich nach kurzer Zeit, und Schimmel unter der alten Schicht wächst weiter. Das alte Silikon muss vollständig entfernt werden, auch dünne Reste an den Flanken.

Wie bekomme ich altes Silikon am besten weg?

Den Strang mit Cutter oder Fugenmesser an beiden Flanken aufschneiden und herausziehen. Dünne Reste mit einem Silikonentferner anlösen und abschaben, danach mit Spiritus entfetten. Bei Acryl- und Emailwannen mit Kunststoffschaber arbeiten, damit die Oberfläche keine Kratzer bekommt.

Wie bekomme ich eine schöne Silikonfuge hin?

Links und rechts der Fuge abkleben, die Masse in einem gleichmäßigen Zug einbringen, mit einem Fugenglätter oder dem angefeuchteten Finger glätten und das Klebeband sofort abziehen. Glättmittel sparsam verwenden, damit es nicht unter die Masse läuft und die Haftung verhindert.

Wie lange muss Silikon trocknen, bevor ich duschen kann?

Gängige Sanitärsilikone bilden nach 10 bis 15 Minuten eine Haut und härten rund 2 bis 3 Millimeter pro Tag durch. Bei einer normalen Badfuge ist die Dusche nach etwa 24 Stunden wieder nutzbar. Bei tiefen Fugen und kühlem Raumklima länger warten.

Lässt sich Schimmel aus Silikonfugen entfernen?

Nur, solange er an der Oberfläche sitzt. Lassen sich die schwarzen Punkte mit einem Schimmelreiniger nicht entfernen, ist der Pilz ins Material eingewachsen. Dann muss die Fuge ausgeschnitten und erneuert werden, nachdem der Untergrund behandelt und getrocknet ist.

Muss der Mieter die Silikonfugen erneuern?

Eine Vertragsklausel, wonach der Mieter elastische Fugen zu warten hat, hat der OGH 2009 für unwirksam erklärt. Die normale Abnützung ist durch die Miete abgegolten, die fachgerechte Erneuerung ist keine Bagatellreparatur. Der Mieter muss die Fugen aber pfleglich behandeln und Schäden rasch melden.

Wie oft sollte man Silikonfugen erneuern?

Eine feste Frist gibt es nicht. Der Fliesenverband spricht von Wartungsfugen, die regelmäßig zu prüfen und bei sichtbaren Mängeln sofort zu erneuern sind. In stark genutzten Duschen ist das oft nach einigen Jahren der Fall, an trockenen Stellen wie dem Waschtisch deutlich später.

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