Das Wasser im Waschbecken steht, und der erste Griff geht zur Flasche mit dem Rohrreiniger. Genau dieser Griff macht die Sache oft schlimmer: Die chemische Reaktion entwickelt Hitze, die Kunststoffrohre verformen kann, und wenn die Verstopfung bleibt, steht die Lauge im Rohr - dort, wo als Nächstes jemand den Siphon aufschraubt.
Dabei sitzt der Pfropfen in den meisten Fällen an einer Stelle, an die man ohne Fachbetrieb hinkommt: im Geruchsverschluss unter dem Becken oder in den ersten Rohrmetern dahinter. Die Frage ist nur, wie man das feststellt, bevor man anfängt.
Zuerst feststellen, wie weit die Verstopfung reicht
Der entscheidende Test dauert zwei Minuten: Lassen Sie nacheinander an mehreren Stellen Wasser ab.
| Beobachtung | Wahrscheinliche Lage | Wer macht es |
|---|---|---|
| Nur ein Becken läuft langsam ab | Geruchsverschluss oder Anschlussleitung | selbst zu beheben |
| Dusche und Waschbecken im selben Bad betroffen | gemeinsame Sammelleitung im Geschoß | selbst versuchen, sonst Fachbetrieb |
| Mehrere Räume oder Stockwerke betroffen, WC gurgelt | Fallstrang | Fachbetrieb |
| Wasser tritt am tiefsten Punkt aus, etwa im Keller | Grundleitung oder Kanalanschluss | Fachbetrieb, gegebenenfalls Kanalbetreiber |
Gurgelnde Geräusche an einem Ablauf, während anderswo Wasser läuft, sind das klassische Zeichen dafür, dass die Verengung hinter dem Zusammenschluss mehrerer Leitungen liegt. Steigt Abwasser in Kellerabläufen oder in der Waschküche hoch, geht es nicht mehr um eine Verstopfung im Haus, sondern um Rückstau aus dem Kanal - dann sofort kein Wasser mehr laufen lassen.
Die Reihenfolge, die ohne Chemie auskommt
- Sieb und sichtbare Ablagerung entfernen. Bei Dusche und Badewanne steckt der Pfropfen oft direkt unter dem Ablaufgitter: Haare, verbunden mit Kalkseife.
- Saugglocke ansetzen. Wichtig ist, den Überlauf mit einem feuchten Tuch zuzuhalten, sonst entweicht der Druck nach oben statt ins Rohr. Mehrere kräftige Stöße wirken besser als dauerhafter Druck.
- Geruchsverschluss öffnen. Kübel darunter stellen, Verschraubungen von Hand lösen, Inhalt entnehmen, Dichtungen ansehen und beim Zusammenbau richtig einlegen. Danach dicht nachziehen, aber nicht mit Werkzeug überdrehen - Kunststoffgewinde reißen leicht.
- Rohrspirale einsetzen. Sie erreicht die ersten Meter hinter dem Anschluss. Drehen statt drücken, sonst schiebt man den Pfropfen nur weiter.
- Reinigungsöffnung nutzen. In vielen Häusern gibt es am Fallstrang oder an der Grundleitung ein Putzstück. Wer es öffnet, sollte wissen, wie viel Wasser dahinter steht.
Was gerade bei Hausmitteln oft übersehen wird: Purer Essig greift Gummidichtungen an, sie werden spröde. Auch für Fliesenfugen ist Essigsäure ungeeignet - die niederösterreichische Umweltberatung rät in ihren Tipps zur Bad- und WC-Reinigung ausdrücklich davon ab und empfiehlt für Kalk stattdessen Zitronensäure.
Warum chemische Rohrreiniger das Problem verlagern
Chemische Abflussreiniger lösen den Pfropfen selten vollständig. Was bleibt, ist eine Restverengung - und eine Leitung voller Lauge. Drei Punkte sprechen dagegen:
- Materialschaden: Die Reaktion mit Wasser erzeugt Hitze. Kunststoffrohre können sich verformen, Dichtungen werden angegriffen.
- Gefahr bei der nächsten Maßnahme: Wer nach dem erfolglosen Einsatz den Siphon öffnet oder mit der Saugglocke arbeitet, hat es mit Spritzern einer stark ätzenden Flüssigkeit zu tun.
- Abwasser: Die Stoffe landen in der Kläranlage, obwohl das Problem mechanisch zu lösen gewesen wäre.
Was die Verstopfung überhaupt verursacht
Im Bad sind es Haare in Verbindung mit Seifenresten, in der Küche erstarrendes Fett, im WC alles, was kein Toilettenpapier ist. Die Stadt Wien listet in ihrem Hinweis, dass Abfall nicht ins WC gehört, ausdrücklich Essensreste, Kosmetik- und Hygieneartikel, Zigarettenstummel und Katzenstreu auf - dazu Feuchttücher, die trotz Werbeaussagen im Restmüll zu entsorgen sind, weil sie sich nicht zersetzen. Auch die Umweltberatung weist auf dieses Problem hin.
Beim Speisefett ist der Mechanismus simpel: Flüssig eingeleitet, erstarrt es an der kalten Rohrwand und fängt dort alles Weitere ab. In Wien gibt es dafür an allen Mistplätzen und Problemstoffsammelstellen kostenlos den orangen Drei-Liter-Behälter für Altspeiseöl; Pfannen wischt man vor dem Spülen mit Papier aus. Andere Gemeinden sammeln Altspeiseöl über eigene Behälter am Altstoffsammelzentrum.
Wo die eigene Zuständigkeit endet
Die Grenze verläuft nicht dort, wo die Wohnung aufhört, sondern am Übergang zum öffentlichen Kanal. Für den Hauskanal - alles von den Abläufen bis zum Anschluss - sind Grundstücks- beziehungsweise Hauseigentümer selbst verantwortlich. In der Abwassergebühr ist die Reinigung der Hauskanalanlage nicht enthalten, wie Wien Kanal für sein Gebiet festhält. Auch die periodische Prüfung auf Rückstausicherheit liegt beim Eigentümer.
Praktisch heißt das: Der kommunale Betrieb rückt bei einem Gebrechen im öffentlichen Netz aus - in Wien über eine kostenlose 24-Stunden-Hotline -, verrechnet aber Leistungen am privaten Hauskanal nach Zeitaufwand, Fahrzeug und Gerät. Wer also anruft, sollte vorher wissen, ob das Problem vor oder hinter dem Anschluss liegt. Das ist auch der Grund, warum sich der Test aus dem ersten Abschnitt auszahlt: Er beantwortet genau diese Frage.
Wenn der Notdienst kommt
Der Markt für Notdienste ist der Punkt, an dem aus einem 20-Euro-Problem eine vierstellige Rechnung wird. Die Arbeiterkammer nennt in ihrer Warnung vor unseriösen Handwerksbetrieben klare Erkennungszeichen: auffällig niedrige Einstiegspreise in der Onlinesuche bei später weit höherer Rechnung, Druck zur sofortigen Barzahlung, wenige oder auffällig gleichförmige Bewertungen.
- Vor dem Auftrag einen schriftlichen Kostenvoranschlag verlangen, samt Anfahrt, Stundensatz und Zuschlägen für Nacht und Wochenende.
- Vorgedruckte Auftragsformulare vor der Unterschrift lesen und nicht benötigte Passagen streichen.
- Doppelverrechnung - etwa Arbeitsstunden und laufende Meter gleichzeitig - ist unzulässig.
- Bei Nötigung oder Bedrohung die Polizei rufen. Nach der Bezahlung einer überhöhten Rechnung ist das Geld schwer zurückzuholen.
- Vorsorge: Die Nummer eines Installateurs aus der Umgebung im Telefon speichern, bevor der Fall eintritt. Manche Haushaltsversicherungen vermitteln Betriebe aus ihrem Partnernetz.
Mietwohnung: wer zahlt die Reinigung
Im Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes zählen Wasser-, Gas- und Elektroleitungen sowie die Sanitäranlagen zur Erhaltungspflicht der Vermieterseite. Die Arbeiterkammer hält dazu zwei Punkte fest, die häufig falsch verstanden werden: Diese Pflichten lassen sich im Mietvertrag nicht wirksam auf Mieterinnen und Mieter überwälzen - solche Klauseln sind nichtig. Und selbst wenn der Schaden von der Mietpartei verursacht wurde, muss zunächst die Vermieterseite reparieren; die Kosten kann sie sich anschließend im Weg des Schadenersatzes holen. Bleibt sie untätig, führt der Weg zur Schlichtungsstelle, in Wien zur MA 50.
Vorbeugen ist billiger als jeder Notdienst
Ein Haarsieb in Dusche und Badewanne kostet wenige Euro und verhindert den häufigsten Fall überhaupt. In der Küche gehört Fett in den Restmüll oder in die Altspeiseölsammlung, nie in den Ausguss. Ins WC gehört Toilettenpapier - sonst nichts. Und wer im Altbau wohnt, in dem die Grundleitung noch nie gespült wurde, plant diese Arbeit besser ein, statt auf den Rückstau zu warten. Wie es weitergeht, wenn tatsächlich Wasser austritt, beschreibt der Beitrag zum Wasserschaden im Haus. Bei bodengleichen Duschen lohnt beim Umbau der Blick auf die Zugänglichkeit des Ablaufs, wie im Beitrag zur bodengleichen Dusche beschrieben, und bei einer Badsanierung im Bestand ist der Tausch alter Leitungen ohnehin Thema.
Häufig gestellte Fragen zum verstopften Abfluss
Was hilft am schnellsten bei einem verstopften Abfluss?
Die Saugglocke, wenn dabei der Überlauf mit einem feuchten Tuch zugehalten wird. Bringt das nichts, folgt der Geruchsverschluss unter dem Becken: Kübel darunter, Verschraubung lösen, Inhalt entfernen. Beides erreicht die Stelle, an der die Verstopfung in den meisten Fällen sitzt.
Sind chemische Rohrreiniger schädlich für die Rohre?
Sie können es sein. Die Reaktion mit Wasser entwickelt Hitze, die Kunststoffrohre verformen kann, und die Mittel greifen Dichtungen an. Bleibt die Verstopfung bestehen, steht zusätzlich eine ätzende Flüssigkeit im Rohr - ein Risiko für jeden, der danach den Siphon öffnet.
Woran erkenne ich, dass die Verstopfung nicht in meiner Wohnung liegt?
Wenn mehrere Abläufe gleichzeitig betroffen sind, das WC gurgelt, während anderswo Wasser läuft, oder Abwasser am tiefsten Punkt des Hauses austritt. Dann sitzt das Problem im Fallstrang oder in der Grundleitung, und es braucht einen Fachbetrieb.
Dürfen Feuchttücher ins WC, wenn sie als spülbar beworben werden?
Nein. Feuchttücher sind reißfest und zersetzen sich im Abwasser nicht ausreichend. Sie gehören in den Restmüll, unabhängig von der Aufschrift. Dasselbe gilt für Hygieneartikel, Katzenstreu, Zigarettenstummel und Essensreste.
Wie schütze ich mich vor überhöhten Notdienst-Rechnungen?
Schriftlichen Kostenvoranschlag mit Anfahrt, Stundensatz und Zuschlägen verlangen, vorgedruckte Auftragsformulare vor der Unterschrift lesen und nicht Benötigtes streichen. Doppelverrechnung von Arbeitsstunden und laufenden Metern ist unzulässig. Bei Druck zur Barzahlung oder Drohungen die Polizei rufen.
Wer zahlt die Rohrreinigung in einer Mietwohnung?
Im Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes gehören Wasserleitungen und Sanitäranlagen zur Erhaltungspflicht der Vermieterseite, und diese Pflicht lässt sich vertraglich nicht abwälzen. Auch bei einem von der Mietpartei verursachten Schaden muss die Vermieterseite zunächst reparieren und kann sich die Kosten danach als Schadenersatz holen.
Wohin mit altem Speiseöl?
In die Altspeiseölsammlung, nicht in den Ausguss. In Wien gibt es dafür an allen Mistplätzen und Problemstoffsammelstellen kostenlos einen orangen Drei-Liter-Behälter, andere Gemeinden sammeln über das Altstoffsammelzentrum. Pfannen vor dem Spülen mit Papier auswischen.
