Ein langsam tropfender Wasserhahn verliert rund 36 Liter am Tag. Ein rinnender Spülkasten kommt auf etwa 700 Liter in 24 Stunden - das sind die Zahlen, mit denen Wiener Wasser rechnet. Beides sind Reparaturen, die mit Hausmitteln und einer halben Stunde Zeit zu erledigen sind, wenn man weiß, welches Bauteil kaputt ist.
Und genau das ist der Punkt: Ein tropfender Auslauf hat eine völlig andere Ursache als eine Pfütze am Sockel der Armatur. Die Diagnose entscheidet, ob es eine Kartusche, ein Dichtring oder ein Anschlussschlauch ist.
Wo es tropft, sagt Ihnen, was zu tun ist
| Beobachtung | Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| Tropfen aus dem Auslauf bei geschlossener Armatur | Kartusche (Einhebelmischer) oder Ventiloberteil (Zweigriffarmatur) | Bauteil tauschen |
| Wasser sammelt sich am Sockel der Armatur | O-Ringe am drehbaren Auslauf oder lose Verschraubung | Dichtringe tauschen, Verschraubung nachziehen |
| Nässe im Unterschrank | Anschlussschläuche oder Eckventil | Verschraubung prüfen, Schläuche ersetzen |
| Strahl spritzt unregelmäßig, Druck lässt nach | verkalkter Strahlregler | abschrauben und entkalken |
| Es rinnt dauernd ins WC-Becken | Füll- oder Ablaufventil im Spülkasten | Ventil reinigen oder tauschen |
Der Spülkasten ist dabei der teuerste Fall, weil er unbemerkt bleibt: Der Wasserfilm an der Beckenrückwand fällt oft monatelang niemandem auf. Wie ein Spülkasten aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag zu WC und Spülkasten.
Einhebelmischer: die Kartusche tauschen
- Wasser absperren - üblicherweise an den beiden Eckventilen unter dem Waschtisch. Danach die Armatur öffnen, damit das Restwasser abläuft und der Druck weg ist.
- Abdeckkappe abnehmen. Sie sitzt meist seitlich am Hebel und markiert mit Rot und Blau die Temperaturseiten. Darunter liegt eine Madenschraube, in der Regel für einen Innensechskantschlüssel.
- Hebel abziehen, danach die Abdeckhaube und die Überwurfmutter oder den Klemmring lösen.
- Kartusche entnehmen und als Muster mitnehmen. Verbreitet sind Durchmesser von 35 und 40 Millimetern, aber die Bauformen unterscheiden sich - ohne das alte Teil wird der Einkauf zum Glücksspiel.
- Neue Kartusche einsetzen, dabei auf die Führungszapfen und die Einbaulage achten. Dichtungen dünn mit einem für Trinkwasser geeigneten Armaturenfett behandeln, keinesfalls mit Öl.
- Langsam aufdrehen und die Verschraubungen bei Druck kontrollieren.
Bei Zweigriffarmaturen ist es dasselbe Prinzip mit anderem Bauteil: Dort sitzt hinter jedem Griff ein Ventiloberteil, das entweder eine klassische Dichtscheibe oder eine Keramikdichtung hat. Auch hier gilt: altes Oberteil als Muster mitnehmen, Gewindegröße und Bauhöhe müssen stimmen.
Strahlregler: die Zwei-Minuten-Reparatur
Lässt der Druck nach oder spritzt der Strahl, ist fast immer der Strahlregler am Auslauf verkalkt. Er wird abgeschraubt - bei versenkten Ausführungen mit dem beiliegenden Schlüssel, sonst mit einem Gummi als Griffhilfe, damit die Oberfläche nicht leidet -, zerlegt und eingelegt. Zum Entkalken eignet sich Zitronensäure; pure Essigessenz greift Dichtungen an und ist deshalb die schlechtere Wahl.
Vor dem Zerlegen ein Foto machen: Die Reihenfolge von Sieb, Gummidichtung und Einsatz ist beim Zusammenbau nicht mehr offensichtlich. Ein moderner Strahlregler mischt Luft bei und senkt den Verbrauch laut Stadt Wien um etwa ein Drittel, ohne dass der Strahl schwächer wirkt - das ist der seltene Fall, in dem eine Reparatur gleich zur Sparmaßnahme wird.
Reparieren oder tauschen
Für die Reparatur spricht fast immer die Wirtschaftlichkeit, solange Ersatzteile verfügbar sind. Für den Tausch sprechen:
- Korrosion oder poröse Anschlussschläuche - die häufigste Ursache für Wasserschäden im Unterschrank.
- Keine Ersatzteile mehr, weil die Bauform aus dem Programm ist.
- Hoher Durchfluss. Ältere Armaturen lassen deutlich mehr Wasser durch als nötig. Bei Duschköpfen liegt der Unterschied laut klimaaktiv zwischen 5 bis 7 Litern pro Minute bei sparsamen Modellen und über 18 Litern bei Wellnessbrausen.
- Falscher Wasserdruck im Haus. Empfohlen werden 2,5 bis 3,5 bar; darüber steigt der Verbrauch, und Armaturen verschleißen schneller.
Beim Tausch immer die Anschlussschläuche mit erneuern und die Eckventile mitprüfen - ein festsitzendes Eckventil ist der Grund, warum aus einer geplanten halben Stunde ein Installateurstermin wird. Wer ohnehin umbaut, sieht sich die Kombination aus Waschtisch und Armatur gleich gemeinsam an; für die Dusche gilt dasselbe bei Regenduschen und Armaturen.
Was das Tropfen tatsächlich kostet
Rechnen wir die Wiener Zahlen hoch: 36 Liter pro Tag ergeben rund 13 Kubikmeter im Jahr, der rinnende Spülkasten mit 700 Litern pro Tag kommt auf etwa 255 Kubikmeter. Beim Wasserpreis ist das ärgerlich, aber verkraftbar - richtig teuer wird es, wenn Warmwasser tropft. Dann zahlt man zusätzlich für die Energie, mit der dieses Wasser erwärmt wurde, und die macht bei der Warmwasserbereitung den größeren Teil der Kosten aus. Welche Systeme dahinterstehen, beschreibt der Beitrag zur Warmwasserbereitung.
Weitere Ansatzpunkte im Haushalt listet die Stadt Wien in ihren Tipps zum Wassersparen: Ein Vollbad braucht bis zu 200 Liter, sechs Minuten Duschen rund 70; moderne Spülkästen kommen mit 6 bis 8 Litern pro Spülung aus, alte mit 14.
Wenn es in der Mietwohnung tropft
Wasserleitungen und Sanitäranlagen zählen im Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes zur Erhaltungspflicht der Vermieterseite. Die Arbeiterkammer hält dazu zwei Punkte fest, die im Streitfall den Ausschlag geben: Diese Pflicht lässt sich im Mietvertrag nicht wirksam auf die Mietpartei überwälzen, und selbst bei einem verschuldeten Schaden hat zunächst die Vermieterseite zu reparieren und kann sich die Kosten anschließend als Schadenersatz holen.
Praktisch heißt das: Den Defekt schriftlich melden, Datum festhalten, Fotos machen. Passiert nichts, führt der Weg zur Schlichtungsstelle, in Wien zur MA 50. Selbst reparieren mag verlockend sein, verschiebt aber die Beweislage - und bei einem Wasserschaden aus einer eigenmächtig getauschten Armatur wird die Frage nach der Verantwortung unangenehm.
Das Werkzeug, das dafür reicht
Für die beschriebenen Arbeiten braucht es keine Installateursausrüstung: ein Satz Innensechskantschlüssel, eine Wasserpumpenzange mit Schutzbacken oder einem Tuch als Kratzschutz, ein Schraubendreher, ein flaches Gefäß und ein Tuch für das Restwasser. Dazu Zitronensäure zum Entkalken und ein Armaturenfett, das für Trinkwasser zugelassen ist.
Was nicht dazugehört: Gewalt. Sitzt eine Überwurfmutter fest, hilft Geduld und ein Entkalkungsbad an der zugänglichen Stelle mehr als eine größere Zange - ein abgerissenes Eckventil verwandelt eine kleine Reparatur in einen Notfall mit abgesperrter Hauptleitung.
Kalk als Ursache dahinter
In Regionen mit hartem Wasser sind Kartuschen, Ventiloberteile und Strahlregler Verschleißteile mit kurzer Lebensdauer. Wer alle paar Monate dasselbe Bauteil tauscht, behandelt das Symptom. Ob eine Enthärtung sinnvoll ist, welche Härtegrade im Ortsnetz vorliegen und was die Anlagen im Betrieb kosten, ist im Beitrag zu Hausbrunnen und Wasserenthärtung beschrieben.
Häufig gestellte Fragen zum tropfenden Wasserhahn
Wie viel Wasser verliert ein tropfender Wasserhahn?
Ein langsam tropfender Hahn kommt nach Angaben von Wiener Wasser auf rund 36 Liter pro Tag, das sind etwa 13 Kubikmeter im Jahr. Ein rinnender Spülkasten verliert deutlich mehr: etwa 700 Liter in 24 Stunden. Bei Warmwasser kommen die Energiekosten für die Erwärmung dazu.
Warum tropft ein Einhebelmischer?
In den allermeisten Fällen ist die Kartusche verschlissen - das Bauteil, das Menge und Temperatur regelt. Kalkablagerungen und Abrieb an den Keramikscheiben führen dazu, dass sie nicht mehr dicht schließt. Getauscht wird die komplette Kartusche, nicht einzelne Dichtungen darin.
Kann ich die Kartusche selbst tauschen?
Ja, mit Innensechskantschlüssel und etwas Geduld. Wichtig ist, vorher an den Eckventilen abzusperren, die Armatur zum Druckabbau zu öffnen und die alte Kartusche als Muster mitzunehmen. Beim Einbau auf Führungszapfen und Einbaulage achten, danach langsam aufdrehen und auf Dichtheit prüfen.
Womit entkalkt man einen Strahlregler?
Am besten mit Zitronensäure. Pure Essigessenz greift Gummidichtungen an und macht sie spröde. Vor dem Zerlegen ein Foto machen, damit die Reihenfolge von Sieb, Dichtung und Einsatz beim Zusammenbau stimmt.
Wann lohnt sich der Tausch der ganzen Armatur?
Wenn keine Ersatzteile mehr erhältlich sind, wenn Anschlussschläuche oder Gehäuse korrodiert sind oder wenn der Durchfluss unnötig hoch ist. Beim Tausch gehören neue Anschlussschläuche dazu, und die Eckventile sollten mitgeprüft werden - festsitzende Ventile sind der häufigste Grund für Verzögerungen.
Welcher Wasserdruck ist normal?
Empfohlen werden 2,5 bis 3,5 bar. Liegt der Druck deutlich darüber, steigen Verbrauch und Verschleiß an Dichtungen und Kartuschen, und Geräusche in den Leitungen nehmen zu. Abhilfe schafft ein Druckminderer nach dem Hausanschluss.
Warum tropft die Armatur nach dem Reparieren immer noch?
Meist stimmt die Diagnose nicht: Tropft es weiterhin aus dem Auslauf, war die Kartusche nicht die Ursache oder das neue Teil sitzt verkantet. Kommt das Wasser vom Sockel, sind es die O-Ringe des drehbaren Auslaufs. Nässe im Unterschrank stammt dagegen von Schläuchen oder Eckventil.
