Die meisten Haushaltsversicherungen decken Hochwasser mit 3.000 bis 10.000 Euro. Das ist kein Tippfehler und auch kein Billigtarif, sondern der Standard. Wer nach einer Überschwemmung Möbel, Geräte und Kellerausstattung ersetzen muss, liegt schnell beim Mehrfachen davon - und erfährt erst im Schadensfall, dass die Polizze zwar Elementarschäden nennt, aber eben nur bis zu dieser Grenze.
Der zweite Punkt, an dem Geld verloren geht, steht noch weiter vorn: bei der Versicherungssumme. Wer sie zu niedrig ansetzt, bekommt nicht etwa den Schaden bis zur Summe ersetzt, sondern von jedem Schaden nur einen Anteil.
Haushalt oder Eigenheim - zwei Polizzen, zwei Aufgaben
Die Trennlinie verläuft zwischen dem Gebäude und dem, was darin steht. Für Eigentümer eines Hauses braucht es beides.
| Eigenheimversicherung | Haushaltsversicherung | |
|---|---|---|
| Versichert | das Gebäude: Mauern, Dach, Leitungen, fest Verbautes | den Inhalt: Möbel, Geräte, Kleidung, Kellerausstattung |
| Typischer Schaden | abgedecktes Dach, Rohrbruch in der Wand | durchnässte Möbel, gestohlene Elektronik |
| Wer braucht sie | Eigentümer | Eigentümer und Mieter |
| Enthält meist | Gebäudehaftpflicht | Privathaftpflicht |
Die Zuordnung folgt der Darstellung der Konsumentenschutzstelle zum Versicherungsschutz bei Hochwasser- und Sturmschäden. Praktisch heißt das: Nach einem Sturm zahlt die eine Polizze das Dach, die andere den Wasserschaden an den Möbeln darunter. Wer nur eine hat, trägt die andere Hälfte selbst. Welche Verträge in der Bauphase davor nötig sind, steht im Beitrag zu den Versicherungen beim Hausbau und zur Bauherrenhaftpflicht.
Die Privathaftpflicht ist der unterschätzte Teil
In der Haushaltsversicherung steckt fast immer eine Privathaftpflicht - laut Arbeiterkammer für Schäden aus den Gefahren des täglichen Lebens, etwa beim Radfahren oder Skifahren, samt Abwehr unberechtigter Forderungen. Für viele Haushalte ist das der wertvollere Teil der Polizze, weil ein Personenschaden finanziell unbegrenzt sein kann, während der Hausrat eine Obergrenze hat. Beim Vergleich lohnt daher der Blick auf die Deckungssumme dieses Bausteins, nicht nur auf die Prämie.
Die Versicherungssumme: zwei Wege, ein Fallstrick
Für die Höhe der Summe gibt es zwei Systeme, und der Unterschied entscheidet darüber, ob im Schadensfall gekürzt wird. Die Arbeiterkammer Oberösterreich beschreibt beide:
- Quadratmeterversicherung: Die Summe ergibt sich aus der Wohnnutzfläche und einer Ausstattungskategorie. Ist die Fläche korrekt angegeben, verzichtet der Versicherer auf den Einwand der Unterversicherung.
- Summenversicherung: Sie nennen selbst einen Betrag, der dem Neuwert des gesamten Hausrats entsprechen soll. Liegt er darunter, greift die Unterversicherung.
Für die meisten Haushalte ist die erste Variante die sichere: Der Verzicht auf den Unterversicherungseinwand ist mehr wert als ein paar Euro Prämienunterschied. Die Bedingung dafür ist banal und wird trotzdem oft verletzt - die Wohnnutzfläche muss stimmen. Wer den ausgebauten Keller oder den Dachboden nicht mitzählt, hat den Vorteil verspielt.
Was Unterversicherung konkret kostet
Die Kürzung erfolgt anteilig, nicht erst oberhalb der Summe. Ein Rechenbeispiel:
| Größe | Wert |
|---|---|
| Tatsächlicher Neuwert des Hausrats | 100.000 Euro |
| Vereinbarte Versicherungssumme | 60.000 Euro |
| Deckungsgrad | 60 Prozent |
| Schaden nach Einbruch | 20.000 Euro |
| Entschädigung | 12.000 Euro |
Die fehlenden 8.000 Euro trägt der Haushalt selbst, obwohl der Schaden weit unter der Versicherungssumme lag. Genau darin liegt der Denkfehler: Die Summe ist keine Obergrenze für kleine Schäden, sondern der Maßstab, an dem jede Auszahlung gemessen wird.
Eine Klausel, die die Unterversicherung an den Quadratmetern statt am Verhältnis von Summe und Wert festmacht, ist nach der Rechtsprechung gröblich benachteiligend und damit unwirksam. Wer eine solche Formulierung in der Polizze findet, sollte sie prüfen lassen.
Elementarschäden: wo die Deckung endet
Sturm ist in der Regel bis zur vereinbarten Versicherungssumme gedeckt. Bei Hochwasser, Überschwemmung und Vermurung ist das anders - dort greifen Sublimits:
| Ereignis | Übliche Deckung |
|---|---|
| Sturm | in voller Höhe bis zur Versicherungssumme |
| Hochwasser im Standardpaket | etwa 3.000 bis 10.000 Euro |
| Hochwasser mit Zusatzdeckung | etwa 20.000 bis 40.000 Euro gegen Prämienzuschlag |
Ob die Erweiterung sinnvoll ist, hängt vom Standort ab - und den kann man vorab beurteilen. Die Gefahrenzonen und die Hochwasserwahrscheinlichkeit am eigenen Grundstück lassen sich abfragen, dazu der Beitrag zum Hochwasserschutz am Eigenheim. Wer im gefährdeten Bereich wohnt, für den ist die Aufstockung meist die günstigste Maßnahme überhaupt, verglichen mit baulichem Schutz.
Der häufigste Wasserschaden kommt allerdings nicht von außen, sondern aus der Leitung. Der ist als eigene Gefahr gedeckt, mit anderen Regeln - dazu der Beitrag zum Wasserschaden im Haus.
Der Katastrophenfonds springt nur ein, wo nichts versichert war
Nach großen Unwettern wird regelmäßig auf den Katastrophenfonds verwiesen. Zwei Punkte werden dabei selten mitgesagt: Abgegolten werden nur Schäden, die nicht durch eine Versicherung gedeckt sind. Und die Höhe der Beihilfe unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland; eingebracht wird der Antrag bei der Gemeinde.
Wer also die Elementardeckung aufstockt, verliert dadurch nichts - die Versicherungsleistung ersetzt lediglich einen Teil, der sonst über den Fonds gelaufen wäre, und zwar schneller und in anderer Größenordnung. Der Fonds ist eine Härtefallhilfe, kein Ersatz für eine Polizze.
Was weder Versicherung noch Fonds trägt, kann steuerlich wirken: Aufwendungen zur Beseitigung von Katastrophenschäden gelten als außergewöhnliche Belastung. Den Rahmen dazu behandelt der Beitrag zu den steuerlichen Aspekten rund um die Immobilie.
Vor dem Abschluss oder Wechsel
Sechs Punkte, die den Unterschied zwischen einer brauchbaren und einer enttäuschenden Polizze ausmachen:
- Wohnnutzfläche exakt angeben, inklusive ausgebautem Keller und Dachboden - davon hängt der Verzicht auf den Unterversicherungseinwand ab. Eine Übersicht über die Bausteine und Fachbegriffe bietet die Broschüre der Arbeiterkammer zur Haushaltsversicherung.
- Glasbruch prüfen: Er ist nicht in jedem Paket enthalten und muss ausdrücklich eingeschlossen sein.
- Elementardeckung an den Standort anpassen, statt das Standardlimit zu übernehmen.
- Grobe Fahrlässigkeit: Manche Tarife verzichten auf den Einwand, andere kürzen. Die brennende Kerze und der nicht abgedrehte Wasserhahn fallen in diese Kategorie.
- Deckungssumme der Privathaftpflicht ansehen, nicht nur den Sachteil.
- Sicherungsobliegenheiten: Nach einem Einbruch wird geprüft, ob Fenster und Türen ordnungsgemäß verschlossen waren - dazu die Beiträge zu Versicherungen gegen Einbruch und zum Nachrüsten des Einbruchschutzes.
Eine Wertliste hilft zweimal: beim Festlegen der Summe und nach dem Schaden, wenn die Versicherung wissen will, was überhaupt da war. Fotos der Räume, Rechnungen für teure Geräte und eine einfache Aufstellung genügen - abgelegt außerhalb der Wohnung oder in der Cloud, damit sie den Schaden überlebt.
Häufig gestellte Fragen zur Haushaltsversicherung
Was deckt die Haushaltsversicherung ab?
Sie versichert den Inhalt der Wohnung gegen Feuer, Sturm, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl und - sofern eingeschlossen - Glasbruch. Fast immer enthält sie zusätzlich eine Privathaftpflichtversicherung für Schäden aus den Gefahren des täglichen Lebens. Das Gebäude selbst ist nicht mitversichert, dafür ist die Eigenheimversicherung zuständig.
Was ist der Unterschied zwischen Haushalts- und Eigenheimversicherung?
Die Eigenheimversicherung deckt das Gebäude - Mauern, Dach, Leitungen und fest Verbautes. Die Haushaltsversicherung deckt den beweglichen Inhalt. Eigentümer brauchen beide, Mieter in der Regel nur die Haushaltsversicherung. Nach einem Sturm zahlt die eine das Dach, die andere die durchnässten Möbel darunter.
Was bedeutet Unterversicherung?
Liegt die Versicherungssumme unter dem tatsächlichen Wert des Hausrats, wird jede Entschädigung anteilig gekürzt. Beispiel: Bei einem Neuwert von 100.000 Euro und einer Summe von 60.000 Euro sind Sie zu 60 Prozent gedeckt - von einem Schaden über 20.000 Euro werden also nur 12.000 Euro ersetzt, obwohl der Schaden weit unter der Versicherungssumme liegt.
Wie hoch soll die Versicherungssumme sein?
Bei der Quadratmeterversicherung ergibt sie sich aus Wohnnutzfläche und Ausstattungskategorie; ist die Fläche korrekt angegeben, verzichtet der Versicherer auf den Unterversicherungseinwand. Bei der Summenversicherung muss der Betrag dem Neuwert des gesamten Hausrats entsprechen. Für die meisten Haushalte ist die Quadratmetervariante die sicherere Wahl.
Ist Hochwasser in der Haushaltsversicherung gedeckt?
Nur begrenzt. Im Standardpaket liegen die Sublimits für Hochwasser, Überschwemmung und Vermurung meist bei 3.000 bis 10.000 Euro. Gegen Prämienzuschlag lässt sich die Deckung auf etwa 20.000 bis 40.000 Euro erhöhen. Sturmschäden sind dagegen üblicherweise bis zur vollen Versicherungssumme gedeckt.
Wann zahlt der Katastrophenfonds?
Nur für Schäden, die nicht durch eine Versicherung gedeckt sind. Die Höhe der Beihilfe unterscheidet sich je Bundesland, der Antrag wird bei der Gemeinde eingebracht. Der Fonds ist eine Härtefallhilfe und kein Ersatz für eine ausreichende Elementardeckung.
Ist die Privathaftpflicht in der Haushaltsversicherung enthalten?
In der Regel ja. Sie deckt berechtigte Schadenersatzansprüche aus den Gefahren des täglichen Lebens ab, etwa beim Rad- oder Skifahren, und wehrt unberechtigte Forderungen ab. Weil Personenschäden sehr hohe Summen erreichen können, lohnt beim Vergleich der Blick auf die Deckungssumme dieses Bausteins.
