Ein Fenster kann an drei Stellen undicht sein: zwischen Flügel und Rahmen, an der Verglasung und an der Fuge zwischen Rahmen und Mauerwerk. Für jede Stelle gibt es eine andere Lösung, und die häufigste Ursache für Zugluft ist keine kaputte Dichtung, sondern ein Flügel, der nicht mehr fest genug an den Rahmen gedrückt wird. Das lässt sich in zehn Minuten mit einem Inbusschlüssel beheben.

Wer gleich zum Dichtband aus dem Baumarkt greift, klebt deshalb oft an der falschen Stelle. Und bei alten Kastenfenstern kann zu viel Dichtung sogar schaden.

Zuerst finden, wo es zieht

Am besten gelingt die Suche an einem windigen, kalten Tag. Drei einfache Prüfungen reichen für die meisten Fälle:

  • Handrücken oder angefeuchteter Finger entlang aller Fugen. Kalte Luft spürt man an der feuchten Haut deutlich.
  • Papierstreifen zwischen Flügel und Rahmen einklemmen und das Fenster schließen. Lässt sich der Streifen leicht herausziehen, liegt die Dichtung an dieser Stelle nicht an. Rundum an mehreren Punkten wiederholen, besonders an den Ecken und auf der Griffseite.
  • Rauch von einem Räucherstäbchen langsam an den Fugen entlangführen. Wo er zur Seite weht oder ins Zimmer gezogen wird, strömt Luft.

Für ein ganzes Haus gibt es die professionelle Variante: Beim Blower-Door-Test wird im Gebäude ein Unterdruck erzeugt, und die Leckagen lassen sich mit Rauch oder einer Wärmebildkamera gezielt aufspüren. Wie der Test abläuft und was er kostet, beschreibt der Beitrag zum Blower-Door-Test.

Aus dem Ergebnis ergibt sich die Maßnahme:

Befund Wahrscheinliche Ursache Maßnahme
Papierstreifen rutscht an mehreren Stellen heraus, Dichtung sieht intakt aus zu wenig Anpressdruck Beschläge nachstellen
Dichtung rissig, hart, platt gedrückt oder fehlt stellenweise gealterte Dichtung Dichtung tauschen
Flügel schleift beim Schließen oder steht an einer Ecke ab Flügel hängt durch Flügel an den Scharnieren justieren
Zug kommt neben dem Rahmen aus der Laibung undichte Anschlussfuge Fuge innen neu abdichten
Zug am Glasrand, Kitt bröckelt (alte Holzfenster) Verglasung undicht Kitt erneuern lassen
Feuchtigkeit zwischen den Scheiben einer Isolierverglasung Randverbund defekt Glas tauschen, Abdichten hilft nicht

Beschläge nachstellen, bevor die Dichtung getauscht wird

Moderne Dreh-Kipp-Fenster aus Kunststoff, Holz oder Aluminium haben am Flügelrand mehrere Verriegelungszapfen, die beim Schließen hinter Schließteile am Rahmen greifen. Viele dieser Zapfen sind exzentrisch gelagert. Dreht man sie mit einem Inbusschlüssel, drücken sie den Flügel stärker oder schwächer gegen die Dichtung.

Nach einigen Jahren lässt der Anpressdruck nach, weil sich die Dichtung setzt. Dann genügt es, alle Zapfen um eine Stufe auf mehr Druck zu stellen. Wichtig ist, alle Zapfen eines Flügels gleich einzustellen, sonst verzieht sich der Flügel. Danach sollte sich der Griff spürbar, aber ohne Kraftaufwand drehen lassen. Geht er zu schwer, ist der Druck zu hoch, und Dichtung und Beschlag nutzen sich schneller ab.

Ein Flügel, der auf der Griffseite schleift oder unten am Rahmen anstößt, hängt durch. Das wird am unteren Scharnier und an der Schere oben eingestellt, meist ebenfalls mit Inbus. Wer sich das nicht zutraut, holt einen Fensterbauer für eine Wartung. Sie lohnt sich alle paar Jahre auch ohne Beschwerden, weil gängige Beschläge sonst schneller verschleißen.

Die Fensterdichtung tauschen

Bei den meisten Kunststofffenstern und bei neueren Holz- und Alufenstern sitzt die Dichtung in einer Nut im Flügel oder im Rahmen. Sie ist eingeklipst und lässt sich herausziehen. Mit einem Stück der alten Dichtung findet der Fachhandel das passende Profil, denn Form und Stärke unterscheiden sich je nach Fenstersystem. Eine zu dicke Dichtung lässt den Flügel nicht mehr schließen, eine zu dünne dichtet nicht.

Der Tausch selbst geht so:

  1. Alte Dichtung vollständig aus der Nut ziehen, an den Ecken auf Reste achten.
  2. Nut reinigen, Staub und Schmutz entfernen.
  3. Neue Dichtung ohne Zug in die Nut drücken. Gedehnt eingesetzt, zieht sie sich später zusammen und es entstehen Lücken.
  4. Die beiden Enden stumpf und ohne Spalt aneinanderstoßen lassen.
  5. Papierstreifen-Test wiederholen, gegebenenfalls die Beschläge nachstellen.

Pflege verlängert die Lebensdauer: Dichtungen aus EPDM oder Silikon einmal im Jahr reinigen und mit einem Pflegemittel für Gummidichtungen behandeln, damit sie elastisch bleiben. Lösemittelhaltige Reiniger greifen sie an.

Selbstklebende Dichtbänder aus Schaumstoff oder Gummi sind eine Notlösung für Fenster ohne Nut. Sie halten weniger lang, lösen sich mit der Zeit und lassen sich schlecht sauber wieder entfernen. Für alte Holzfenster ohne Dichtung ist eine eingefräste Dichtung die dauerhafte Lösung. Dabei fräst ein Tischler eine Nut in den Flügel und setzt eine Schlauch- oder Lippendichtung ein. Bei stark verzogenen Flügeln sind aufgeschraubte Dichtungsleisten die Alternative, weil sie sich an die Form anpassen lassen.

Kastenfenster und alte Holzfenster: innen dicht, außen nicht

In Gründerzeithäusern und vielen anderen Altbauten sind Kastenfenster verbreitet: zwei Fensterebenen hintereinander mit einem Luftraum dazwischen. Hier gilt eine Regel, die oft falsch gemacht wird. Abgedichtet wird nur die innere Ebene. Die äußeren Flügel bleiben ohne Dichtung, damit Feuchtigkeit, die aus dem Raum in den Zwischenraum gelangt, nach außen weglüften kann.

So beschreibt es das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in seiner Handreichung zur energetischen Ertüchtigung historischer Fenster: Maßnahmen für Wärmeschutz und Zugluftdichtigkeit werden fast immer auf der inneren Ebene angebracht, Abdichtungen außen brauchen eine sorgfältige bauphysikalische Planung. Wer stattdessen die äußeren Flügel dicht macht, holt sich beschlagene Scheiben, Kondenswasser auf dem Fensterbrett und auf Dauer Fäulnis im Holz.

Für die innere Ebene eignen sich eingefräste Dichtungen oder Dichtungsleisten. Zusätzlich lässt sich das innere Glas gegen ein dünnes Wärmeschutzglas tauschen, was das Kastenfenster deutlich verbessert, ohne seine Optik zu verändern. Steht das Haus unter Denkmalschutz, ist jede Änderung vorher mit dem Bundesdenkmalamt abzustimmen.

Bei alten Einfachfenstern mit Holzrahmen ist oft der Kitt am Glas die undichte Stelle. Bröckelt er, wird er entfernt und durch neuen Leinölkitt ersetzt. Das ist eine Arbeit für Tischler oder Glaser, mit Geduld aber auch für geübte Heimwerker machbar.

Die Anschlussfuge zwischen Fenster und Wand

Zieht es nicht am Flügel, sondern neben dem Rahmen aus der Laibung, ist die Fuge zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk undicht. Für diese Fuge gilt beim fachgerechten Einbau nach ÖNORM B 5320, seit November 2024 in neuer Ausgabe, ein klares Prinzip: innen luftdicht, außen schlagregendicht und in der Regel diffusionsoffener als innen. Austrian Standards hat zu Auslegungsfragen der Norm eine eigene Fachinformation veröffentlicht, die auch klarstellt: Raumseitig ist jedenfalls ein ausreichend luftdichter Anschluss herzustellen, und wo der Putz die luftdichte Ebene bildet, muss auch der Übergang vom Putz zum Fenster luftdicht sein. Feuchtigkeit aus dem Raum soll nicht in die Fuge gelangen, und was doch hineinkommt, soll nach außen austrocknen können.

Daraus folgt für die Reparatur:

  • Innen wird die Fuge luftdicht verschlossen. Bei einer sichtbaren Fuge zwischen Rahmen und Putz eignet sich überstreichbare Acryl-Dichtmasse. Ist die Laibung ohnehin offen, etwa bei einer Renovierung, sind spezielle Fensteranschlussbänder die bessere Lösung, die auf Rahmen und Mauerwerk geklebt und anschließend überputzt werden.
  • Außen muss die Fuge Regen abhalten, aber Feuchtigkeit durchlassen. Dafür gibt es vorkomprimierte Fugendichtbänder, die im Fugenspalt aufgehen. Eine rundum dicht gespritzte Silikonfuge außen ist das Gegenteil des Prinzips.
  • Bauschaum füllt und dämmt die Fuge. Als alleinige Abdichtung gilt ein Schaum laut der Fachinformation von Austrian Standards nur, wenn für genau dieses Anschlusssystem ein positiver Prüfnachweis nach ÖNORM B 5321 vorliegt. Für die Reparatur zu Hause heißt das: Schaum aus der Dose ersetzt die Abdichtung innen und außen nicht.

Liegt die undichte Stelle unter dem Putz, ist eine Reparatur aufwendig, weil die Laibung geöffnet werden muss. In diesem Fall lohnt die Überlegung, ob das Fenster ohnehin bald getauscht wird. Den Ablauf beschreibt der Beitrag zum Fenstertausch im Altbau, die aktuellen Förderungen je Bundesland stehen im Beitrag zur Förderung für den Fenstertausch.

Wer in der Mietwohnung zahlt

Für Mietwohnungen im Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes, also vor allem in Altbauten, ist die Lage durch die Rechtsprechung recht klar. Das Fachportal Wohnrecht online fasst sie so zusammen:

  • Fenster zählen zur Außenhaut des Hauses und damit zu den allgemeinen Teilen, für die der Vermieter nach § 3 MRG erhaltungspflichtig ist.
  • Bei Kastenfenstern gehören nur die äußeren Flügel zur Außenhaut. Die inneren Flügel sind Teil der Wohnung und grundsätzlich vom Mieter zu erhalten, außer es droht ein ernster Schaden am Haus oder eine erhebliche Gesundheitsgefährdung (OGH 5 Ob 197/97i).
  • Sind innere und äußere Ebene fest verbunden, wie bei einem Verbundfenster, gilt das ganze Fenster als Außenhaut (OGH 5 Ob 123/10i).
  • Voraussetzung für die Pflicht des Vermieters ist ein Mangel, etwa eingeschränkte Funktion oder Reparaturbedürftigkeit. Ist ein Tausch wirtschaftlicher als die Reparatur, kann auch der Tausch geschuldet sein.

Praktisch heißt das: den Mangel schriftlich melden, mit Fotos und Datum, und eine angemessene Frist setzen. Wer bei einer bestehenden Pflicht des Vermieters selbst reparieren lässt, kann notwendige und angemessene Kosten zurückfordern. Sicherer ist es, vorher die Zustimmung einzuholen. Außerhalb der Vollanwendung, etwa bei vielen Neubauwohnungen oder im gemieteten Einfamilienhaus, gelten andere Regeln. Dann hilft die Mietrechtsberatung der Arbeiterkammer oder der Mieterorganisationen weiter.

Nach dem Abdichten richtig lüften

Ein undichtes Fenster ist auch eine ungeregelte Lüftung. Wird es dicht, fehlt dieser Luftwechsel, und die Feuchtigkeit aus Kochen, Duschen und Atmen bleibt im Raum. Wer die Fenster abdichtet und sein Lüftungsverhalten nicht ändert, riskiert Kondenswasser an kalten Stellen und Schimmel in Ecken und Fensterlaibungen.

Die Lösung ist Stoßlüften: mehrmals täglich die Fenster für einige Minuten ganz öffnen, statt sie dauerhaft gekippt zu lassen. Ein gekipptes Fenster kühlt die Laibung aus, tauscht aber wenig Luft. Wie Schimmel entsteht und woran man zu hohe Luftfeuchtigkeit erkennt, erklärt der Beitrag zu Schimmel in der Wohnung. Wer ein Haus rundum abdichtet oder saniert, sollte über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nachdenken.

Wann Abdichten nicht mehr reicht

Abdichten behebt Zugluft. Es macht aus einem schlechten Fenster kein gutes. Vier Zeichen sprechen dafür, dass sich Aufwand in Dichtungen nicht mehr lohnt:

  • Der Rahmen ist morsch, besonders unten an der Wetterschenkelseite, wo Wasser steht.
  • Zwischen den Scheiben einer Isolierverglasung bildet sich Feuchtigkeit oder ein milchiger Belag. Der Randverbund ist undicht, die Scheibe muss getauscht werden.
  • Die Beschläge sind so ausgeschlagen, dass sich kein Anpressdruck mehr einstellen lässt, und Ersatzteile gibt es nicht mehr.
  • Es handelt sich um Einfachglas ohne zweite Ebene. Die Scheibe selbst verliert dann so viel Wärme, dass die Dichtung kaum ins Gewicht fällt.

Welcher Rahmenwerkstoff für neue Fenster in Frage kommt, vergleicht der Beitrag zu Fensterrahmen aus Kunststoff, Holz und Aluminium.

Häufig gestellte Fragen zum Fenster abdichten

Wie dichte ich Fenster gegen Zugluft ab?

Zuerst mit Papierstreifen oder Rauch prüfen, wo es zieht. Liegt die Dichtung nicht an, aber ist sie intakt, genügt das Nachstellen der Verriegelungszapfen am Flügel. Ist sie hart oder rissig, wird sie getauscht. Zieht es neben dem Rahmen, ist die Anschlussfuge zur Wand undicht und muss innen neu abgedichtet werden.

Kann ich die Fensterdichtung selbst wechseln?

Ja, bei Fenstern mit einer Nut für die Dichtung ist der Tausch einfach. Wichtig ist das passende Profil, das der Fachhandel anhand eines Stücks der alten Dichtung findet. Die neue Dichtung wird ohne Zug eingedrückt, damit sie sich später nicht zusammenzieht.

Wie dichtet man Fenster von innen ab?

Am Flügel durch nachgestellte Beschläge oder eine neue Dichtung. An der Fuge zwischen Rahmen und Wand innen mit überstreichbarer Acryl-Dichtmasse oder, bei offener Laibung, mit einem Fensteranschlussband. Die Innenseite muss immer dichter sein als die Außenseite.

Silikon oder Acryl zum Fenster abdichten?

Für die Fuge zwischen Rahmen und Putz innen eignet sich Acryl, weil es überstrichen werden kann und gut auf Putz haftet. Außen braucht die Fuge eine Abdichtung, die Regen abhält und Feuchtigkeit durchlässt, etwa ein vorkomprimiertes Fugendichtband. Eine rundum dicht gespritzte Silikonfuge außen ist bauphysikalisch falsch.

Wie dichtet man alte Kastenfenster ab?

Nur die innere Fensterebene wird abgedichtet, mit eingefrästen Dichtungen oder Dichtungsleisten. Die äußeren Flügel bleiben ohne Dichtung, damit Feuchtigkeit aus dem Zwischenraum nach außen entweichen kann. Werden beide Ebenen dicht gemacht, beschlagen die Scheiben und das Holz nimmt Schaden.

Muss der Vermieter undichte Fenster reparieren?

Im Vollanwendungsbereich des MRG gehören Fenster zur Außenhaut des Hauses, für die der Vermieter erhaltungspflichtig ist, wenn ein Mangel vorliegt. Bei Kastenfenstern gilt das nur für die äußeren Flügel, die inneren erhält grundsätzlich der Mieter. Den Mangel immer schriftlich melden und eine Frist setzen.

Reicht Bauschaum zum Abdichten der Fensterfuge?

In der Regel nicht. Bauschaum füllt die Fuge und dämmt. Als alleinige Abdichtung reicht ein Schaum nach Auslegung von Austrian Standards nur, wenn für das konkrete System ein Prüfnachweis nach ÖNORM B 5321 vorliegt. Bei einer Reparatur braucht die ausgeschäumte Fuge innen eine luftdichte und außen eine regendichte Abdichtung, etwa mit Anschluss- oder Fugendichtbändern.

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