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Blower Door Test - Luftdichtheitsprüfung im Neubau und Altbau

Eine Heizung allein macht kein warmes Haus. Wenn die Gebäudehülle undicht ist, zieht die teuer erzeugte Warmluft durch Fugen am Dachanschluss, hinter der Fussleiste oder an der Steckdose nach draussen. Bei modernen, gut gedämmten Gebäuden macht dieser unkontrollierte Luftwechsel inzwischen einen grossen Teil der gesamten Wärmeverluste aus. Der Blower Door Test misst genau das - und zeigt, wo nachgebessert werden muss.

Was ist ein Blower Door Test?

Der Blower Door Test - auf Deutsch Luftdichtheitsprüfung oder Differenzdruckmessung - ist ein Messverfahren, das feststellt, wie luftdicht die Hülle eines Gebäudes wirklich ist. Ein kalibrierter Ventilator wird in eine Aussentür eingespannt und erzeugt einen definierten Unter- oder Überdruck von 50 Pascal zwischen Innen- und Aussenluft. Das entspricht in etwa dem Druck einer Windstärke von rund 30 km/h, der dauerhaft auf das Gebäude einwirkt.

Aus dem dabei gemessenen Luftvolumenstrom lässt sich berechnen, wie oft das komplette Luftvolumen im Inneren pro Stunde durch Leckagen ausgetauscht wird. Dieser Wert heisst n50-Wert und ist die zentrale Kennzahl der Luftdichtheitsprüfung. Der Name Blower Door stammt vom Hersteller des ursprünglichen Messsystems aus den USA und hat sich als Gattungsbegriff durchgesetzt.

Wie funktioniert die Messung technisch?

Das Messsystem besteht aus drei Komponenten: einem verstellbaren Rahmen mit luftdichter Kunststoffplane, die in die Türöffnung eingespannt wird, einem elektrisch angetriebenen Ventilator mit regelbarer Drehzahl und einem Präzisionsmanometer samt Datenlogger. Der Prüfer wechselt in mehreren Stufen zwischen Unter- und Überdruck und nimmt dabei eine Messreihe auf, die in der Regel fünf bis zehn Druckpunkte zwischen 10 und 60 Pascal umfasst.

Die Messung im Überdruck ist genauso wichtig wie die im Unterdruck. Folienüberlappungen oder schlecht verklebte Stösse dichten bei Unterdruck manchmal automatisch ab, weil die Folie angesaugt wird. Bei Überdruck werden sie auseinandergedrückt und offenbaren ihre wahre Qualität. Wer nur eine Richtung misst, übersieht Leckagen systematisch.

Der n50-Wert - was er bedeutet

Der n50-Wert gibt an, wie oft pro Stunde das gesamte Luftvolumen eines Gebäudes bei 50 Pascal Druckdifferenz durch die Hülle ausgetauscht wird. Ein n50-Wert von 1,5 bedeutet: Unter Prüfdruck wird die Luft 1,5-mal pro Stunde komplett ausgetauscht - allein durch Undichtheiten. Im realen Betrieb mit normalem Winddruck ist der Wert deutlich niedriger, der Messwert dient als standardisiertes Vergleichsmass.

Je kleiner der Wert, desto dichter das Gebäude. Ein unsanierter Altbau erreicht oft Werte zwischen 4 und 8, ein durchschnittlicher Neubau heute etwa 1,0 bis 1,5 und ein zertifiziertes Passivhaus muss unter 0,6 liegen. Zusätzlich zum volumenbezogenen n50 gibt es den flächenbezogenen q50-Wert, der den Leckagestrom auf die Hüllfläche bezieht und vor allem bei grossen Gebäuden aussagekräftiger ist.

Grenzwerte in Österreich nach OIB-Richtlinie 6

Die OIB-Richtlinie 6 in der Fassung 2019 legt für Österreich verbindliche Höchstwerte fest. Für Neubauten ohne mechanische Lüftungsanlage darf der n50-Wert 3,0 pro Stunde nicht überschreiten. Mit kontrollierter Wohnraumlüftung sinkt der zulässige Wert auf 1,5 pro Stunde, weil eine Lüftungsanlage bei einer undichten Hülle nicht korrekt arbeiten kann.

Bei Passivhäusern liegt die Anforderung nochmals deutlich tiefer. Nach den Kriterien des Passivhaus-Instituts muss n50 bei 0,6 pro Stunde oder darunter liegen. Für Sanierungen zum EnerPHit-Standard wird mit n50 = 1,0 gerechnet. Die Anforderungen gelten jeweils für einzelne Einfamilien- oder Doppelhäuser, für jede Wohneinheit in Mehrfamilienhäusern und für jeden Brandabschnitt in Nichtwohngebäuden.

Wer eine Wohnbauförderung oder die klimaaktiv-Deklaration beantragt, muss den Nachweis über ein Messprotokoll erbringen. In manchen Bundesländern wird der Test für mechanisch belüftete Häuser mit Förderansuchen zur Pflicht, die Kosten werden dann teilweise gegengerechnet.

Wann ist der Blower Door Test Pflicht?

Eine pauschale Pflicht zur Luftdichtheitsprüfung gibt es in Österreich nicht. Praktisch wird sie aber in mehreren Situationen unumgänglich:

  • Bei Gebäuden mit kontrollierter Wohnraumlüftung - der eingehaltene n50-Wert muss im Energieausweis dokumentiert sein
  • Beim Antrag auf Landesförderung für den Neubau oder die Sanierung, je nach Bundesland unterschiedlich
  • Für die klimaaktiv-Deklaration in Silber, Gold oder als Passivhaus
  • Für die Passivhaus- oder EnerPHit-Zertifizierung
  • Bei Förderungen des Bundes wie dem Sanierungsbonus für umfassende thermische Sanierungen

Auch ohne formale Pflicht macht die Messung Sinn. Sie ist der einzige objektive Nachweis, dass die luftdichte Ebene der geplanten Qualität entspricht. Bauherren, die später Mängel reklamieren wollen, stehen ohne Messprotokoll schlecht da.

Der richtige Zeitpunkt - Bauzustand vs. fertiges Gebäude

Technisch werden zwei Verfahren nach ÖNORM B 9972 unterschieden, die das nationale Anwendungsdokument zur EN ISO 9972 darstellt. Verfahren 1 misst das fertige Gebäude im Nutzungszustand und ist für Fördernachweise und Zertifizierungen zwingend. Verfahren 3 dient zur Qualitätssicherung während der Bauphase, wenn die Luftdichtheitsebene fertig, aber noch nicht verkleidet ist.

Für Bauherren ist der bauzeitliche Test Gold wert. Ist die Dampfbremsfolie im Dach zwar verlegt, aber noch nicht mit Gipskarton verkleidet, lassen sich Leckagen mit einem Klebestreifen beheben. Eine Stunde Arbeit, ein paar Euro Material. Wird derselbe Fehler erst am fertigen Haus entdeckt, muss der Innenausbau teilweise zurückgebaut werden - und die Rechnung landet im vier- bis fünfstelligen Bereich. Die Zwischensparrendämmung muss raus, die Folie neu verklebt, die Verkleidung neu angebracht werden.

Wer das Budget knapp hat, bucht trotzdem die Doppelmessung. Der erste Test bei Rohbaufertigstellung der luftdichten Ebene, der zweite am fertigen Gebäude für den offiziellen Nachweis. Was beim ersten Termin aufgedeckt wird, spart meist ein Vielfaches der Messkosten.

Leckageortung an einer Steckdose mit Nebelgenerator beim Blower Door Test

Ablauf einer Messung Schritt für Schritt

Ein typischer Termin dauert bei einem Einfamilienhaus zwei bis vier Stunden, je nach Komplexität des Gebäudes und ob eine Leckagesuche inkludiert ist. Der Ablauf:

  1. Vorbereitung: Alle Aussentüren und Fenster werden geschlossen, Innentüren geöffnet. Lüftungsanlagen, Kamine und Abluftöffnungen werden abgedichtet oder abgeschaltet. Der Rauchfang wird mit einem Blasebalg verschlossen, damit die Messung nicht über den Kamin läuft.
  2. Vorlaufmessung: Der Prüfer ermittelt den natürlichen Druckunterschied ohne laufenden Ventilator. Dieser Wert dient als Referenz.
  3. Unterdruckmessung: Der Ventilator saugt Luft aus dem Gebäude ab. Bei mehreren Druckstufen zwischen 25 und 60 Pascal wird der Luftvolumenstrom gemessen.
  4. Leckageortung: Während anhaltendem Unterdruck von 50 Pascal strömt überall dort Luft nach innen, wo die Hülle undicht ist. Der Prüfer geht mit einem Anemometer, einem Nebelgenerator oder einer Thermografiekamera die kritischen Bereiche ab und dokumentiert jede gefundene Leckage.
  5. Überdruckmessung: Anschliessend wird die Luftrichtung umgekehrt. Die Messreihe von Unter- und Überdruck wird gemittelt.
  6. Protokoll: Der n50-Wert wird berechnet und mit Messdaten, Wetterbedingungen, Gebäudevolumen und Leckagedokumentation in einem Prüfbericht nach ÖNORM festgehalten.

Bei Wind über 6 m/s oder sehr grossen Temperaturdifferenzen zwischen innen und aussen kann die Messung verfälscht werden. Erfahrene Prüfer lehnen in solchen Fällen die Messung ab oder dokumentieren die Bedingungen sorgfältig.

Typische Leckagen und wo sie auftreten

Über Jahre hinweg tauchen bei Messungen immer wieder dieselben Schwachstellen auf. Wer sie kennt, kann die Bauausführung gezielt kontrollieren:

  • Dachanschluss Traufe und First: Die Verklebung der Dampfbremse an Mauerwerk und Sparren ist einer der häufigsten Leckage-Ursprünge. Oft wird mit zu dünnem Kleber gearbeitet oder die Folie reisst an Ecken.
  • Steckdosen und Schalter an Aussenwänden: Standard-Hohlraumdosen sind prinzipiell undicht. Wer hier keine luftdichten Dosen verwendet oder nachträglich abklebt, hat an jeder Aussenwand-Steckdose eine kleine Leckage.
  • Rohr- und Kabeldurchführungen: Sanitärrohre, Abluftleitungen, Elektroleerrohre und Rauchfangöffnungen werden häufig unzureichend abgedichtet. Jede Durchführung braucht eine saubere Manschette oder eine Klebeverbindung mit der Dampfbremse.
  • Fenster- und Türanschlüsse: Montageschaum ist kein Luftdichtheitsmaterial. Der innere Anschlussfugen-Streifen ist der wichtigste Teil des Fenstereinbaus, wird aber oft vergessen oder mangelhaft verklebt.
  • Kellerdecke und Bodenplatte: Die Anschlussfuge zwischen Bodenplatte und aufgehendem Mauerwerk wird im Neubau selten kontrolliert, entwickelt sich aber gerne zur durchgehenden Leckage-Linie.
  • Dachflächenfenster: Die Foliendetails rund um Dachfenster sind handwerklich anspruchsvoll. Bei eiliger Ausführung entstehen Lücken, die im Winter mit Kondenswasser auf sich aufmerksam machen.

Untersuchungen in Bestandsquartieren zeigen, dass die grössten Leckagen häufig in den oberen Geschossdecken entstehen - also dort, wo warme Luft durch den thermischen Auftrieb ohnehin am stärksten drückt.

Leckagesuche mit Nebel und Thermografie

Der n50-Wert allein sagt nur, wie dicht das Gebäude insgesamt ist. Wo die Undichtheiten sitzen, zeigt die Leckageortung. Drei Methoden sind dabei üblich:

Mit einem Anemometer misst der Prüfer die Luftgeschwindigkeit an verdächtigen Stellen. Das Gerät reagiert schon auf Strömungen, die mit der Hand nicht mehr spürbar sind. Der Nebelgenerator erzeugt einen dichten, ungiftigen Theaternebel, der an Leckagen sichtbar ausströmt oder eingesaugt wird. Das ist die spektakulärste Methode und eignet sich gut zur Dokumentation.

Die Thermografiekamera zeigt bei entsprechendem Temperaturunterschied zwischen innen und aussen jede einströmende Kaltluft als deutlich sichtbaren blauen Strahl. Die Kombination aus Unterdruck im Gebäudeinneren und Thermografie macht auch versteckte Leckagen sichtbar, die mit blossem Auge und selbst mit Nebel nicht aufzufinden wären.

Thermografiekamera zeigt Kaltluftleckage an einem Dachsparren

Dauer einer Messung

Für ein Einfamilienhaus mit rund 150 Quadratmetern Wohnfläche kalkulieren erfahrene Prüfer zwei bis vier Stunden. Davon entfallen etwa 30 bis 45 Minuten auf den Aufbau und die Vorbereitung, 30 Minuten auf die eigentliche Messreihe und der Rest auf die Leckagesuche. Bei grösseren Gebäuden, Mehrparteienhäusern oder Bestandsobjekten mit komplexer Geometrie kann ein Termin auch sechs bis acht Stunden dauern.

Ohne Leckageortung ist die Messung nach etwa 90 Minuten erledigt. Genau das sollte man aber nicht buchen. Der n50-Wert allein ohne Angabe der problematischen Stellen hilft dem Bauherrn im Mangelfall wenig.

Kosten in Österreich

Für ein Einfamilienhaus im Normalumfang liegen die Kosten für den Blower Door Test je nach Anbieter und Region zwischen 300 und 600 Euro. Eine vollständige Messung mit Leckageortung, Thermografieunterstützung und detailliertem Protokoll kostet 500 bis 1.000 Euro.

Die Preisunterschiede haben mehrere Gründe. Anfahrtsweg, Gebäudegrösse, Mehrfachmessungen im Bauverlauf und die Tiefe der Dokumentation wirken sich stark aus. Ein Termin mit bauzeitlicher Kurzmessung und späterem Nachweistest kostet insgesamt etwa 600 bis 900 Euro und ist fast immer sein Geld wert. Für grössere Objekte, Mehrparteienhäuser und Gewerbebauten gelten individuelle Kalkulationen.

Ein Vergleich lohnt sich. Manche Anbieter rechnen pauschal, andere pro Quadratmeter oder pro Wohneinheit. Wer die Messung für eine klimaaktiv-Deklaration oder für das Passivhaus-Zertifikat braucht, sollte einen Prüfer mit entsprechender Zertifizierung beauftragen. Die Akkreditierung durch eine anerkannte Stelle ist ein Qualitätsmerkmal, das bei späteren Fördernachweisen Rückfragen erspart.

Vorteile einer luftdichten Gebäudehülle

Luftdichtheit ist keine akademische Disziplin, sondern hat handfeste Vorteile. Bei modernen, gut gedämmten Häusern entfällt der grösste Teil der Wärmeverluste nicht mehr auf Wand und Fenster, sondern auf Lüftungsverluste durch Undichtheiten. Eine saubere Luftdichtheitsebene senkt die Heizkosten spürbar - der Effekt ist messbar und wird im Energieausweis durch einen reduzierten Lüftungswärmebedarf abgebildet.

Wichtiger noch ist der Bauteilschutz. Wenn warme, feuchte Innenraumluft durch eine Leckage in die kalte Dämmebene strömt, kondensiert das Wasser im Dachaufbau oder in der Aussenwand. Über Wochen und Monate entsteht dort ein Feuchtigkeitsproblem, das Dämmstoff zerstört, Holzkonstruktionen schimmeln lässt und Bauschäden verursacht. Die luftdichte Ebene verhindert genau diesen Feuchtetransport. Sie ist nicht primär für den Energieverbrauch da, sondern für den langfristigen Schutz der Bauteile.

Dazu kommen weichere Faktoren. Eine dichte Hülle reduziert Zugerscheinungen an Fussböden und Fensterbänken, verbessert den Schallschutz gegen aussen und verhindert, dass Gerüche von draussen oder aus Nachbarwohnungen ins Haus eindringen. In Kombination mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung ergibt sich ein konstant gutes Raumklima ohne Stosslüften.

Dampfbremse, Dampfsperre und Luftdichtheitsebene - der Unterschied

Die Begriffe werden auf der Baustelle oft durcheinandergeworfen, bezeichnen aber verschiedene Funktionen. Eine Dampfbremse ist eine Folie, die den Durchgang von Wasserdampf stark reduziert, aber nicht vollständig verhindert. Sie lässt eine kontrollierte Diffusion zu, die für den Austrocknungsprozess im Dachaufbau wichtig sein kann. Eine Dampfsperre hingegen verhindert den Dampfdurchgang praktisch vollständig und wird nur in Sonderfällen eingesetzt, etwa bei Flachdächern mit Blechdeckung.

Die Luftdichtheitsebene ist etwas anderes: Sie ist die funktionelle Schicht im Bauteil, die den Luftstrom blockiert. In vielen Konstruktionen übernimmt die Dampfbremse auch die Funktion der Luftdichtheitsebene, weil sie durchgehend verklebt wird. In massiven Aussenwänden aus Ziegel oder Beton ist der Innenputz die luftdichte Ebene - Voraussetzung ist, dass er lückenlos bis zur Rohdecke hochgezogen wird. Wer hier die Details der Dampfbremse und Dampfsperre nicht versteht, produziert beim Einbau fast zwangsläufig Leckagen.

Normen und rechtliche Grundlagen

In Österreich gelten für die Luftdichtheitsmessung mehrere Normen parallel. Die zentrale Grundlage ist die ÖNORM B 9972, das nationale Anwendungsdokument zur ÖNORM EN ISO 9972. Die europäische EN ISO 9972 hat die frühere EN 13829 abgelöst, viele Protokolle verweisen aber weiterhin auf die ältere Norm, weil sich in der Praxis wenig geändert hat.

Die OIB-Richtlinie 6 in der Fassung 2025 legt die konkreten Grenzwerte für Neubauten und umfassende Sanierungen fest und wird über die bauordnungsrechtlichen Verweise in den Landesgesetzen verbindlich. Für Passivhäuser und EnerPHit-Sanierungen gelten zusätzlich die Zertifizierungskriterien des Passivhaus Austria, die Messung muss dabei nach ISO 9972 Verfahren 1 erfolgen.

Für klimaaktiv-deklarierte Gebäude schreibt der Kriterienkatalog 2025 im Kapitel D.4 die Luftdichtheitsmessung als qualitätssichernde Massnahme vor. Die Anforderungen werden dort zusammen mit Schadstoffmessungen und thermografischen Kontrollen nach EU-Taxonomie geregelt. Wer die Messung in diesem Rahmen beauftragt, sollte vorher mit dem Prüfer klären, dass das Protokoll alle geforderten Angaben enthält.

Mängel beheben - realistische Zahlen

Wenn der erste Test eine Überschreitung des Zielwerts ergibt, stellt sich die Frage nach den Nachbesserungskosten. Die hängen massiv davon ab, wann gemessen wird.

Vor dem Estrich und Innenausbau: Eine übersehene Foliennaht am Dachanschluss lässt sich mit Spezialkleber in 30 Minuten beheben. Materialkosten unter 50 Euro. Eine schlecht abgedichtete Rohrdurchführung kostet ein Butylband und eine halbe Stunde Arbeit. Die bauzeitliche Messung wird dadurch oft zum günstigsten Sanierungsschritt überhaupt.

Nach dem Innenausbau: Dieselbe Foliennaht erfordert nun den Rückbau der Gipskartonverkleidung, meist auch der Dämmung. Mit 1.500 bis 4.000 Euro muss man pro behobene Stelle rechnen, bei komplexeren Detailpunkten auch deutlich mehr. Wer den ersten Test erst kurz vor der Fertigstellung macht und dann die Grenzwerte verfehlt, steht vor einer unangenehmen Wahl: Entweder hohe Nachbesserungskosten akzeptieren oder auf Förderungen verzichten, die an den Nachweis gebunden sind.

Die einfache Rechnung: Eine zusätzliche bauzeitliche Messung kostet etwa 300 Euro. Ein einziger behobener Fehler vor dem Ausbau spart das Fünf- bis Zehnfache davon. Die Wirtschaftlichkeit der Doppelmessung ist in fast jedem Fall gegeben.

Luftdichtheit und Energieausweis

Im österreichischen Energieausweis fliesst die Luftdichtheit über den Lüftungswärmebedarf in die Gesamtberechnung ein. Wird kein Messwert nachgewiesen, rechnen die Programme mit einem pauschalen Standardwert, der deutlich schlechter ist als ein real gemessener guter Wert. Eine saubere Blower Door Messung verbessert also automatisch die Kennzahlen im Energieausweis, ohne dass sich am Gebäude selbst etwas ändert.

Für Häuser mit kontrollierter Wohnraumlüftung ist die Dokumentation im Energieausweis ohnehin erforderlich. Die Eingabe des n50-Werts führt zu einer realistischeren Berechnung des Heizwärmebedarfs. Mehr zu den Details rund um Pflichten, Berechnungsverfahren und Gültigkeitsdauer finden Sie im Beitrag zu den Kosten und Pflichten des Energieausweises.

Altbau und Sanierung - was der Test leisten kann

Im unsanierten Altbau zeigt ein Blower Door Test meist katastrophale Werte. n50 von 6 bis 10 ist keine Seltenheit. Das Problem liegt selten an einer einzelnen grossen Leckage, sondern an der Summe vieler kleiner Undichtheiten: porose Fugen im Mauerwerk, undichte Fensterrahmen, fehlende Dampfbremsen unter der Dachschalung, offene Rohranschlüsse.

Bei einer umfassenden Sanierung ist der Blower Door Test ein wichtiges Werkzeug zur Planung. Die Leckageortung zeigt, wo die grössten Lücken sind und in welcher Reihenfolge Massnahmen am meisten bringen. Nach der Sanierung beweist die Messung, dass die geplanten Verbesserungen tatsächlich umgesetzt wurden. Bei Förderungen wie dem Sanierungsbonus oder bestimmten Landesförderungen ist der Nachweis sowieso Pflicht.

Bei Teilsanierungen ist der Test weniger aussagekräftig. Wer nur die Fenster tauscht und sonst nichts macht, wird den n50-Wert zwar leicht verbessern, aber unter die Grenzwerte für Neubauten kommt man damit nicht. Die Kombination aus Dachsanierung, Fenstertausch und Bauteilen mit neuer Dampfbremse ist nötig, um wirklich dichte Werte zu erreichen.

Worauf Bauherren beim Prüfer achten sollten

Nicht jeder, der ein Blower Door Gerät besitzt, arbeitet gleich gut. Bei der Auswahl lohnen sich ein paar Fragen: Wie lange macht der Prüfer diese Arbeit schon? Welche Zertifizierungen hat er? Liefert er einen detaillierten Bericht mit Fotos und Empfehlungen oder nur eine Zahl? Begleitet er die Leckagesuche selbst oder überlässt er sie einem Helfer?

Gute Prüfer nehmen sich Zeit für die Einschulung des Bauherrn während des Termins. Sie erklären während der Messung, wo die kritischen Stellen sitzen, und geben konkrete Handwerkstipps zur Behebung. Ein Prüfbericht, der Fotos der Leckagen, ihre Lage im Gebäude und konkrete Sanierungsempfehlungen enthält, ist für die Kommunikation mit Baufirmen deutlich wertvoller als ein nacktes Messprotokoll.

Für grössere Objekte, Passivhäuser oder klimaaktiv-zertifizierte Gebäude ist eine Akkreditierung des Prüfers nach ÖNORM EN ISO/IEC 17020 oder eine vergleichbare Qualifikation ein Pluspunkt. Das IBO - Österreichische Institut für Bauen und Ökologie bietet beispielsweise akkreditierte Luftdichtigkeitsmessungen in Kombination mit bauphysikalischen Untersuchungen an. Die Kosten sind dafür nicht zwingend höher, die spätere Anerkennung der Messung durch Förderstellen und Zertifizierer aber abgesichert.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Blower Door Test in Österreich?

Für ein Einfamilienhaus liegen die Kosten zwischen 300 und 600 Euro für die reine Messung und 500 bis 1.000 Euro inklusive Leckageortung und detailliertem Protokoll. Die Preisspanne hängt von Anfahrtsweg, Gebäudegrösse, Umfang der Dokumentation und ob eine Zertifizierung nach Passivhaus- oder klimaaktiv-Kriterien gebraucht wird.

Ist der Blower Door Test in Österreich Pflicht?

Eine generelle Pflicht existiert nicht, in der Praxis wird der Test aber für Gebäude mit kontrollierter Wohnraumlüftung, für Landes- und Bundesförderungen, für die klimaaktiv-Deklaration und für die Passivhaus-Zertifizierung verlangt. Die OIB-Richtlinie 6 legt verbindliche Grenzwerte fest, deren Einhaltung je nach Bundesland unterschiedlich nachgewiesen werden muss.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Messung?

Ideal ist eine Doppelmessung: Der erste Test, sobald die Luftdichtheitsebene fertig, aber noch nicht verkleidet ist - dann lassen sich Leckagen einfach und günstig beheben. Der zweite, offizielle Test nach Fertigstellung liefert den Nachweis für Förderungen und Energieausweis. Wer nur einmal misst, riskiert hohe Nachbesserungskosten, falls der Grenzwert nicht erreicht wird.

Welcher n50-Wert gilt in Österreich als gut?

Nach OIB-Richtlinie 6 darf n50 bei Gebäuden ohne Lüftungsanlage höchstens 3,0 und mit mechanischer Lüftung höchstens 1,5 pro Stunde betragen. Passivhäuser müssen unter 0,6 liegen. Ein durchschnittlicher österreichischer Neubau erreicht heute Werte zwischen 1,0 und 1,5, ein gut gebautes Niedrigenergiehaus zwischen 0,8 und 1,2.

Wie lange dauert eine Blower Door Messung?

Für ein Einfamilienhaus mit etwa 150 Quadratmetern dauert die vollständige Messung inklusive Leckageortung zwei bis vier Stunden. Ohne Leckageortung ist nach 90 Minuten Schluss - das ist aber nicht empfehlenswert, weil dann nur die Zahl, nicht aber die Lage der Undichtheiten bekannt ist. Bei grösseren Gebäuden kann der Termin auch sechs bis acht Stunden beanspruchen.

Kann man einen Blower Door Test auch im Altbau machen?

Ja, im unsanierten Altbau liefert die Messung zuverlässig einen Ausgangswert, der meist zwischen 4 und 8 liegt. Sinnvoller ist der Einsatz zur Sanierungsplanung: Die Leckageortung zeigt, wo die grössten Lücken sind, und nach Abschluss der Arbeiten beweist eine zweite Messung den Erfolg der Massnahmen. Für manche Sanierungsförderungen ist der Nachweis sogar Pflicht.

Was passiert, wenn der Grenzwert nicht erreicht wird?

Liegt der Messwert über dem geforderten Grenzwert, müssen die Leckagen abgedichtet und anschliessend nachgemessen werden. Je nach Bauphase reicht das von günstigen Klebearbeiten an der Folie bis zu kostspieligen Rückbauten der Innenverkleidung. Bei Fördernachweisen ohne bestandenen Test droht der Entzug der Förderzusage - deshalb lohnt sich eine frühe Zwischenmessung, bevor alle kritischen Stellen verbaut sind.