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Rückstauklappe und Revisionsschacht - Schutz vor Rückstau aus dem Kanal

Der häufigste Irrtum beim Rückstauschutz steckt in der Rückstauklappe selbst. Sie gilt vielen als die Lösung für den Keller - dabei ist sie laut Regelwerk die Ausnahme. Ein Rückstauverschluss darf nur dort eingebaut werden, wo die Ablaufstelle selten benutzt wird, wo im Rückstaufall auf ihre Benutzung verzichtet werden kann und wo keine wesentlichen Sachwerte betroffen wären. Für einen ausgebauten Keller mit Heizung, Waschmaschine und Lager trifft keine dieser drei Bedingungen zu. Dort ist die Hebeanlage der Regelfall.

Der zweite Punkt: Ob überhaupt gesichert werden muss, hängt an einer Linie, die nicht am Haus liegt, sondern auf der Straße.

Die Rückstauebene bestimmen

Maßgeblich ist nicht der Kellerboden, sondern der Kanal davor. Nach dem Merkblatt des Amtes der NÖ Landesregierung zur Sicherung gegen Rückstau aus Kanalsystemen gilt: Die maßgebliche Rückstauebene liegt auf Höhe des nächsten gegen die Fließrichtung liegenden Kanalschachtes oder Einlaufgitters, zuzüglich 15 Zentimeter.

Alles, was darunter liegt - Bodenablauf, Waschbecken, WC, Duschtasse -, kann bei Rückstau überflutet werden. Verantwortlich für die Sicherung ist der Liegenschaftseigentümer, nicht die Gemeinde. Bei stark geneigtem Gelände lohnt die genaue Ermittlung, weil Kuppen und Senken die Linie verschieben.

Warum es überhaupt zum Rückstau kommt

Eine Übersicht über Schutzmöglichkeiten und typische Schadensbilder bietet auch die Broschüre zum Schutz vor Rückstau aus dem öffentlichen Kanal. Kein Kanal wird so dimensioniert, dass er jedes außergewöhnliche Regenereignis sofort abführt - das wäre wirtschaftlich nicht darstellbar. Dazu kommen weitere Auslöser: Überlastung durch unplanmäßige Einleitung, Querschnittsverengungen, Verstopfungen, der Ausfall eines Pumpwerks oder Rückstau aus einem Gewässer. Steigt der Wasserspiegel im Straßenkanal, sucht sich das Abwasser den nächstniedrigen Weg - und das ist der ungesicherte Bodenablauf im Keller.

Hebeanlage oder Rückstauverschluss

Hebeanlage Rückstauverschluss
Funktion pumpt das Abwasser über die Rückstauebene in den Kanal schließt die Leitung gegen zurückdrückendes Wasser
Nutzung während des Rückstaus weiterhin möglich nicht möglich, die Ablaufstelle ist gesperrt
Zulässig für alle Ablaufstellen nur selten benutzte Stellen ohne wesentliche Sachwerte
Fäkalienhaltiges Abwasser Regelfall nur Typ 3 nach ÖNORM EN 13564-1
Aufwand Strom, Platz, Wartung gering, dafür begrenzter Schutz

Verlangt werden doppelt wirkende Verschlusssysteme, die selbsttätig schließen und zusätzlich von Hand betätigt werden können - die Typen 2, 3 und 5. Für fäkalienhaltiges Abwasser ist ausschließlich Typ 3 zulässig: ein fremdenergiebetriebener selbsttätiger Verschluss mit unabhängigem Notverschluss. Den technischen Rahmen setzt die Hauskanalnorm, deren Überarbeitung das Fachmedium in seiner Darstellung zur ÖNORM B 2501 zusammenfasst.

Eine Regel wird bei Umbauten regelmäßig verletzt: Abwässer, die oberhalb der Rückstauebene anfallen, müssen auch im Rückstaufall ungehindert abfließen können. Wer den ganzen Hauskanal hinter einen einzigen Verschluss legt, sperrt im Ernstfall auch Küche und Bad im Erdgeschoß - und verlagert das Problem nach oben.

Bei der Planung zusammenfassen

Sinnvoll ist, die Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene von vornherein so anzuordnen, dass eine einzige Sicherung genügt. Nachträglich ist das teuer, weil Leitungen im Boden liegen. Wer neu baut oder den Keller ausbaut, klärt das mit dem Installateur vor dem Betonieren der Bodenplatte - die Grundlagen dazu im Beitrag zum Keller planen.

Für Regenwasser gilt eine eigene Regel: Niederschlagswasser von Flächen unterhalb der Rückstauebene darf dem Kanal nur über eine automatisch arbeitende Hebeanlage zugeführt werden. Wer stattdessen versickert, umgeht das Thema - dazu der Beitrag zur Regenwassernutzung mit Zisterne.

Der Revisionsschacht

Der Revisions- oder Reinigungsschacht ist die Zugangsstelle zum Hauskanal - dort wird gespült, kamerabefahren und im Ernstfall geortet, wo die Verstopfung sitzt. Er gehört an eine zugängliche Stelle, nicht unter die Terrasse und nicht unter das spätere Hochbeet. Ein Schacht, den man nur mit dem Presslufthammer erreicht, ist im Schadensfall wertlos.

Zwei praktische Punkte: Der Deckel sollte zur Fläche passen - befahrbar, wo Autos stehen - und die Lage gehört in die Bestandsunterlagen. Wer das Haus kauft und keine Pläne bekommt, sollte den Verlauf einmal aufnehmen lassen, bevor er den Garten gestaltet.

Wartung ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung

Rückstauverschlüsse und Hebeanlagen sind bewegliche Technik in einem aggressiven Medium. Dichtungen verhärten, Klappen setzen sich mit Fett zu, Schwimmerschalter verkleben. Eine Sicherung, die seit zehn Jahren niemand geöffnet hat, ist im Ereignisfall eine Vermutung, kein Schutz.

Das hat unmittelbar mit der Versicherung zu tun: Schäden durch Rückstau sind nur gedeckt, wenn die entsprechende Klausel im Vertrag steht - und Versicherer prüfen, ob eine funktionsfähige, gewartete Sicherung vorhanden war. Fehlt sie oder wurde sie nicht gewartet, kann die Leistung gekürzt oder verweigert werden. Was die Polizzen sonst abdecken und wo ihre Grenzen liegen, steht im Beitrag zur Haushaltsversicherung.

Praktisch heißt das: jährliches Intervall vereinbaren, Protokolle aufheben, und nach jedem Ereignis kontrollieren. Die Kombination aus baulichem Schutz und Deckung behandelt der Beitrag zum Hochwasserschutz am Eigenheim; was nach einem Wassereintritt zuerst zu tun ist, der Beitrag zum Wasserschaden im Haus.

Häufig gestellte Fragen zu Rückstau und Rückstauklappe

Wie wird die Rückstauebene ermittelt?

Sie liegt auf Höhe des nächsten gegen die Fließrichtung liegenden Kanalschachtes oder Einlaufgitters, zuzüglich 15 Zentimeter. Alle Entwässerungsgegenstände unterhalb dieser Linie sind gefährdet und müssen gesichert werden. Bei stark geneigtem Gelände ist die Ebene unter Berücksichtigung von Kuppen und Senken zu ermitteln.

Reicht eine Rückstauklappe für den Keller?

Nur in engen Grenzen. Ein Rückstauverschluss ist zulässig, wenn die Ablaufstelle selten benutzt wird, im Rückstaufall auf ihre Benutzung verzichtet werden kann und keine wesentlichen Sachwerte betroffen wären. Für einen ausgebauten Keller mit Heizung, Waschmaschine oder Lagergut trifft das nicht zu - dort ist die Hebeanlage vorgesehen.

Was ist der Unterschied zwischen Hebeanlage und Rückstauverschluss?

Die Hebeanlage pumpt das Abwasser aktiv über die Rückstauebene in den Kanal - die angeschlossenen Ablaufstellen bleiben auch während des Rückstaus benutzbar. Der Rückstauverschluss schließt lediglich die Leitung; solange er geschlossen ist, kann die Ablaufstelle nicht verwendet werden.

Welcher Typ Rückstauverschluss ist vorgeschrieben?

Verlangt werden doppelt wirkende Systeme, die selbsttätig schließen und zusätzlich händisch betätigt werden können - die Typen 2, 3 und 5 nach ÖNORM EN 13564-1. Für fäkalienhaltiges Abwasser ist ausschließlich Typ 3 zulässig: mit fremdenergiebetriebenem selbsttätigem Verschluss und einem davon unabhängigen Notverschluss.

Wer ist für die Rückstausicherung verantwortlich?

Der Liegenschaftseigentümer. Er hat alle Entwässerungsgegenstände unterhalb der maßgeblichen Rückstauebene zu sichern. Dabei muss gewährleistet bleiben, dass oberhalb der Rückstauebene anfallende Abwässer auch während eines Rückstaus ungehindert in den Kanal abfließen können.

Zahlt die Versicherung bei einem Rückstauschaden?

Nur wenn die Rückstauklausel im Vertrag enthalten ist - und Versicherer prüfen, ob eine funktionsfähige, gewartete Sicherung vorhanden war. Fehlt sie oder wurde die Wartung versäumt, kann die Leistung gekürzt oder verweigert werden. Wartungsintervall vereinbaren und Protokolle aufbewahren.

Wohin gehört der Revisionsschacht?

An eine dauerhaft zugängliche Stelle - nicht unter Terrasse, Hochbeet oder Gartenhaus. Über ihn wird der Hauskanal gespült und mit der Kamera befahren. Der Deckel muss zur Nutzung der Fläche passen, befahrbar dort, wo Fahrzeuge stehen, und die Lage gehört in die Bestandsunterlagen.