In Österreich leben rund 360 Faltenwespenarten. Zwei davon interessieren sich für den Kuchen am Gartentisch: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Alle übrigen leben unauffällig neben uns her - und ein einziges Wespenvolk fängt an einem Tag bis zu 5.000 Fliegen und andere Insekten für seine Brut.
Die zweite Zahl, die vor jeder Entscheidung stehen sollte, ist ein Datum: Im November ist das Nest leer. Wespenvölker überleben den Winter nicht, nur begattete Jungköniginnen überwintern - und zwar woanders, nie im alten Nest. Ein Nest im Rollladenkasten hat also ein Ablaufdatum, und die Frage ist meist nicht, ob es weg muss, sondern ob man die verbleibenden Wochen überbrücken kann.
Der Jahresverlauf entscheidet mehr als jede Maßnahme
| Zeitraum | Was im Nest passiert | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| April, Mai | Die Königin baut allein, das Nest ist walnussgroß | der einzige Zeitpunkt, an dem sich ein Nistplatz ohne großen Aufwand schließen lässt |
| Juni, Juli | Das Volk wächst rasch | Nest wird sichtbar, Flugbetrieb nimmt zu |
| August, September | Höhepunkt der Volksstärke | die Zeit, in der Wespen an gedeckte Tische kommen |
| Oktober | Volk zerfällt, Jungköniginnen schwärmen aus | Aktivität lässt spürbar nach |
| November | Nest wird verlassen | keine Wiederbesiedlung, das Papiernest zerfällt von selbst |
Aus dieser Abfolge folgt die einzige wirklich wirksame Vorbeugung: Wer im Frühjahr Hohlräume schließt, hat im August kein Nest. Wer im August ein großes Volk vor dem Fenster hat, hat im Wesentlichen die Wahl zwischen Aushalten und einer fachgerechten Entfernung.
Nicht jedes Nest gehört zu den zwei problematischen Arten
Wo ein Nest hängt, verrät schon viel darüber, mit welcher Art man es zu tun hat. Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe - jene beiden, die an den Esstisch kommen - bauen im Dunkeln: in verlassenen Mäuselöchern, in Hohlräumen, in entlegenen Winkeln am Dachboden. Frei sichtbare Nester an der Hausaußenseite, an hellen Stellen unter dem Dach oder in Sträuchern stammen dagegen meist von der Sächsischen Wespe, der Mittleren Wespe oder von Feldwespen. Diese Arten interessieren sich nicht für Kuchen und Grillfleisch.
Genau diese Nester werden nach Angaben der Umweltberatung bei Bekämpfungsaktionen aus Unkenntnis am häufigsten unnötig zerstört. Ein frei hängendes, gut sichtbares Nest ist also eher ein Grund, genauer hinzuschauen, als sofort zum Telefon zu greifen. Hängt es an einem Ort, an dem täglich Betrieb herrscht, hilft oft schon eine einfache Absperrung mit einem Hinweisschild - vor allem, damit Kinder wissen, warum sie dort Abstand halten sollen.
Was rechtlich gilt
Naturschutz ist in Österreich Landessache, die Regelungen unterscheiden sich also je nach Bundesland. Der Grundgedanke ist überall derselbe. Das niederösterreichische Naturschutzgesetz etwa verbietet, dass freilebende Tiere mutwillig beunruhigt, verfolgt, gefangen, verletzt oder getötet werden; auch Nist- und Brutstätten sind von Eingriffen möglichst unbeeinträchtigt zu lassen. Eine Nestentfernung ist damit nur in begründeten Fällen zulässig - vor allem bei Gefahr in Verzug, etwa bei Nestern an Kindergärten, Spielplätzen oder Pflegeheimen. Das Land Niederösterreich fasst die Frage, ob man ein Wespennest zerstören darf, in genau diesem Sinn zusammen.
Zwei Punkte kommen dazu:
- Hornissen genießen in mehreren Bundesländern besonderen Schutz. Ihre Nester werden nicht bekämpft, sondern im Bedarfsfall umgesiedelt - und dafür braucht es Fachleute und je nach Landesrecht eine Bewilligung.
- Zuständig ist die Naturschutzbehörde des Landes, erste Anlaufstelle in der Praxis meist die Gemeinde. Verstöße sind Verwaltungsübertretungen; die Strafrahmen legen die Landesgesetze fest und fallen unterschiedlich aus.
Das eigenmächtige Ausräuchern, Zumauern oder Besprühen eines Nests ist damit nicht nur gefährlich, sondern in aller Regel auch rechtswidrig.
Wann die Feuerwehr kommt und was sie verrechnet
Die Feuerwehr ist keine Schädlingsbekämpfung. Sie rückt bei Gefahr in Verzug aus, also wenn Gesundheit oder Leben konkret gefährdet sind: ein Nest über der Eingangstür oder im Wohnraum, eine nachgewiesene Insektengiftallergie im Haushalt, Nester in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Personen. Alles andere ist eine verrechenbare Leistung.
Was das kostet, hängt vom Bundesland ab, weil jede Landes-Feuerwehrorganisation eigene Tarife hat. Die oberösterreichische Feuerwehr-Tarifordnung 2026 nennt für Einsatzpersonal 34,40 Euro pro Person und Stunde sowie 67,70 Euro pro Stunde für ein Fahrzeug bis 3,5 Tonnen. Eine steirische Feuerwehr gibt für ihre Insekteneinsätze in der Regel rund 100 Euro Aufwandskosten zuzüglich Material an. Die Größenordnung für einen normalen Wespeneinsatz liegt also im niedrigen dreistelligen Bereich - deutlich unter dem, was manche Notdienstangebote im Internet suggerieren.
Der Anruf lohnt sich in jedem Fall vor der Beauftragung: Viele Feuerwehren beraten kostenlos, und nicht selten endet das Gespräch mit dem Ergebnis, dass gar kein Einsatz nötig ist.
Verhalten am Nest und am gedeckten Tisch
- Mindestens zwei Meter Abstand zum Nest halten und Erschütterungen vermeiden. Der Rasenmäher oder die Bohrmaschine direkt an der Nestwand ist der häufigste Auslöser für Abwehrverhalten.
- Nicht schlagen und nicht anpusten. Der Atem enthält Kohlendioxid, das im Nestbereich als Alarmsignal wirkt.
- Getränke abdecken oder mit Strohhalm trinken, Speisen nach dem Essen wegräumen. Stiche passieren fast immer, wenn ein Tier versehentlich gedrückt wird.
- Keine Wespensprays. Die Wiener Umweltanwaltschaft weist darauf hin, dass diese Mittel giftig und zusätzlich brennbar sind.
- Bei Allergie oder Stichen im Mund- und Rachenraum unverzüglich medizinische Hilfe holen. Das ist der Fall, in dem Zeit zählt.
Weitere Hinweise zum Umgang mit den Tieren liefern die Umweltberatung und die Wiener Umweltanwaltschaft.
Nach einem Stich
Wespenstiche sind nicht gefährlicher als Bienenstiche. Kühlen lindert zunächst den Schmerz; die Reaktion auf das Gift lässt sich nach Angaben der Wiener Umweltanwaltschaft aber besser durch Wärme verhindern. Wer wissen will, ob eine Insektengiftallergie vorliegt, klärt das mit einem Allergietest - und zwar vor der nächsten Gartensaison, nicht danach.
Zwei Situationen dulden keinen Aufschub: ein Stich bei bekannter Allergie und jeder Stich im Mund- und Rachenraum. In beiden Fällen ist unverzüglich medizinische Hilfe nötig. Das ist auch der Grund, warum in Haushalten mit Allergie andere Maßstäbe gelten - hier wird aus einem harmlosen Nest tatsächlich Gefahr in Verzug.
Vorbeugen, bevor die Königin baut
Die wirksame Arbeit fällt im April und Mai an, solange die Königin allein baut und das Nest walnussgroß ist. Kontrollieren und schließen Sie in dieser Zeit die typischen Nistplätze am Haus:
- Rollladenkästen: der Klassiker. Undichte Kastendeckel und Spalten am Gurtdurchlass sind der häufigste Zugang. Wie die Kästen aufgebaut sind, zeigt der Beitrag zu Rollläden und ihren Bauarten.
- Dachuntersichten und Traufkästen: offene Fugen, fehlende Vogelschutzgitter.
- Lüftungsöffnungen und Kellerschächte: mit engmaschigem Gitter sichern, nicht dicht verschließen, wo Lüftung gebraucht wird.
- Gartenhaus und Carport: Zwischenräume unter Dachbahnen und Verschalungen kontrollieren.
- Über den Winter mögliche Einfluglöcher baulich verschließen und Jalousiengehäuse mit Abdeckungen versehen - dann stellt sich die Frage im Sommer gar nicht.
Am Fenster hilft ein Insektenschutzgitter gegen Tiere im Wohnraum, ändert aber nichts am Nest draußen. Im Garten senken abgedeckte Biotonnen und regelmäßig aufgelesenes Fallobst den Anreiz deutlich - übrigens ohne dem Rest der Insektenwelt zu schaden, um den es beim bienenfreundlichen Garten geht. Wo häufig gegessen wird, entschärft eine gute Planung der Terrasse mit Abstand zu Mülltonnen und Obstbäumen die Lage von vornherein.
Häufig gestellte Fragen zum Wespennest
Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?
In aller Regel nicht. Die Naturschutzgesetze der Länder verbieten, freilebende Tiere mutwillig zu beunruhigen, zu verletzen oder zu töten, und schützen auch ihre Niststätten. Eine Entfernung ist nur in begründeten Fällen zulässig, etwa bei Gefahr in Verzug, und gehört in fachkundige Hände.
Was kostet die Entfernung eines Wespennests?
Rückt die Feuerwehr ohne Gefahr in Verzug aus, wird nach Tarif verrechnet. In Oberösterreich sind das 2026 laut Tarifordnung 34,40 Euro pro Person und Stunde plus 67,70 Euro für ein Fahrzeug bis 3,5 Tonnen; eine steirische Feuerwehr nennt rund 100 Euro plus Material. Die Tarife unterscheiden sich je Bundesland.
Kommt die Feuerwehr bei jedem Wespennest?
Nein, nur bei konkreter Gefährdung von Gesundheit oder Leben: Nester über Eingängen oder in Wohnräumen, nachgewiesene Insektengiftallergie im Haushalt, Einrichtungen mit schutzbedürftigen Personen. Sonst verweist sie auf Fachbetriebe - berät aber meist kostenlos, ob überhaupt etwas zu tun ist.
Wird ein altes Wespennest im nächsten Jahr wieder besiedelt?
Nein. Im November wird das Nest verlassen, nur begattete Jungköniginnen überwintern und gründen im Frühjahr an anderer Stelle ein neues Volk. Das alte Papiernest zerfällt von selbst. Sinnvoll ist nur, den Nistplatz im Frühjahr zu schließen.
Sind Hornissen gefährlicher als Wespen?
Nein. Hornissen sind deutlich weniger angriffslustig als die beiden Wespenarten, die an gedeckte Tische kommen, und die Erzählung, wonach wenige Stiche ein Pferd töten, ist widerlegt. Hornissen stehen dafür in mehreren Bundesländern unter besonderem Schutz - ihre Nester werden umgesiedelt, nicht bekämpft.
Was hilft gegen Wespen am Esstisch?
Getränke abdecken oder mit Strohhalm trinken, Speisen nach dem Essen wegräumen, ruhig bleiben und nicht nach den Tieren schlagen. Anpusten verschlimmert die Lage, weil das Kohlendioxid im Atem als Alarmsignal wirkt. Nur zwei von rund 360 heimischen Faltenwespenarten interessieren sich überhaupt für unser Essen.
Wie verhindere ich ein Nest im Rollladenkasten?
Im April und Mai, solange die Königin allein baut. Dann Kastendeckel, Gurtdurchlässe, Dachuntersichten und Lüftungsöffnungen kontrollieren und Spalten schließen oder mit engmaschigem Gitter sichern. Ab Juni ist das Volk zu groß, um den Zugang gefahrlos zu verschließen.
