104 von 2.095 österreichischen Gemeinden sind als Radonschutzgebiet ausgewiesen - dort liegt der Vorhersagewert für die Radonkonzentration über 300 Becquerel pro Kubikmeter. Betroffen sind vor allem 37 Gemeinden in Oberösterreich, 30 in Niederösterreich und 26 in Tirol, dazu vier in Salzburg, je drei in Kärnten und der Steiermark und eine in Vorarlberg.
Als Radonvorsorgegebiet gilt darüber hinaus jede Gemeinde des Landes. Für Bauherren heißt das: Die Frage ist nicht, ob Radon ein Thema ist, sondern wie viel Aufwand am konkreten Standort nötig ist. Und dieser Aufwand ist im Neubau klein, in der Nachrüstung dagegen teuer.
Was Radon ist und warum es zählt
Radon ist ein radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran im Boden entsteht. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos, steigt aus dem Untergrund auf und dringt über undichte Stellen in erdberührten Bauteilen ins Gebäude ein - über Risse, Fugen, Rohr- und Kabeldurchführungen, Bodenabläufe oder ungedichtete Kellertüren.
Gefährlich ist nicht das Gas selbst, sondern seine Zerfallsprodukte. Sie lagern sich an Staubpartikel an, werden eingeatmet und können die Zellschichten der Lungenbläschen schädigen. Die nachgewiesene gesundheitliche Folge langfristig erhöhter Radonbelastung ist Lungenkrebs. Grundlagen und aktuelle Daten dazu stellt die AGES zum Thema Radon bereit.
Warum die Konzentration in dichten Häusern steigt
Ein Effekt wird regelmäßig übersehen: Wer die Gebäudehülle dichter macht, senkt den natürlichen Luftwechsel - und damit steigt bei gleichem Radoneintritt die Konzentration im Raum. Nach einem Fenstertausch oder einer Fassadendämmung können Messwerte deshalb höher liegen als vorher, ohne dass sich am Untergrund irgendetwas geändert hat.
Das ist kein Argument gegen thermische Sanierung, sondern eines für eine kontrollierte Lüftung. Wie sich der Luftwechsel technisch lösen lässt, zeigt der Beitrag zu Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Wer ohnehin Fenster tauscht, sollte eine Messung vor und nach der Maßnahme einplanen.
Der Referenzwert und die Gebietseinteilung
Der österreichische Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter als Jahresmittelwert. Er ist kein Grenzwert im Sinne einer sofortigen Nutzungsuntersagung, sondern jener Wert, ab dem Maßnahmen zu setzen sind.
| Kategorie | Definition | Umfang |
|---|---|---|
| Radonvorsorgegebiet | Grundvorsorge bei Neubauten | alle Gemeinden Österreichs |
| Radonschutzgebiet | Vorhersagewert über 300 Bq/m³ | 104 von 2.095 Gemeinden |
Welche Einstufung für ein konkretes Grundstück gilt, lässt sich über die interaktive Radonkarte der AGES per Ortsname oder Postleitzahl abfragen. Die vollständige Gemeindeliste führt das Ministerium zu den Radonschutzgebieten.
Wichtig ist die Reichweite dieser Karte: Sie beschreibt eine Vorhersage auf Gemeindeebene, keine Messung an Ihrer Adresse. Innerhalb derselben Gemeinde können die Werte je nach Untergrund, Bauweise und Nutzung stark auseinanderliegen. Ein Blick auf die Bodenverhältnisse gehört deshalb schon in die Bodenuntersuchung vor dem Bau.
Was das Baurecht verlangt
Die rechtliche Grundlage bilden das Strahlenschutzgesetz und die Radonschutzverordnung, die auch die Pflichten an Arbeitsplätzen regelt - eine Zusammenfassung aus betrieblicher Sicht bietet die Wirtschaftskammer.
Für das Wohngebäude ist die OIB-Richtlinie 3 maßgeblich: Aufenthaltsräume in Radonschutz- und Radonvorsorgegebieten sind so herzustellen, dass kein gesundheitsgefährdender Radoneintritt aus dem Untergrund möglich ist. Als ausreichend gilt, wenn der Referenzwert von 300 Bq/m³ eingehalten wird. Die bautechnische Umsetzung beschreibt die ÖNORM S 5280-2 zu bautechnischen Vorsorgemaßnahmen bei Gebäuden.
Vorsorge beim Neubau: klein im Aufwand, groß in der Wirkung
Im Neubau lässt sich Radonschutz mit überschaubarem Aufwand mitplanen. Die Maßnahmen bauen aufeinander auf:
- Durchgehende Bodenplatte: Erdberührte Bauteile aus Beton der Expositionsklasse XC1 oder höher, ohne durchgehende Fugen und Risse.
- Konvektionsdichte Durchführungen: Jedes Rohr und jedes Kabel, das die Bodenplatte durchstößt, ist ein potenzieller Eintrittspfad und gehört fachgerecht abgedichtet.
- Radondrainage: Eine Rohrleitung in der Sauberkeitsschicht unter der Bodenplatte, die abgesaugte Bodenluft über Dach führt.
- Abluftführung: Empfohlen wird ein Vollwandrohr mit mindestens 12,5 Zentimeter Durchmesser, das über Dach geführt wird - etwa im Installationsschacht. Der Kamineffekt erzeugt den nötigen Unterdruck ohne Ventilator.
- Nachrüstbarkeit: Zeigt eine spätere Messung erhöhte Werte, wird die Drainage mit einem Ventilator aktiviert. Ohne vorbereitete Leitung ist genau das der teure Fall.
Eine praxisnahe Darstellung der Ausführungsvarianten bietet die Broschüre Radon - Vorsorgemaßnahmen bei Neubauten der nationalen Fachstelle. Wer einen Keller plant, sollte die Abdichtung von Anfang an mitdenken - die Anforderungen überschneiden sich weitgehend mit denen beim Keller abdichten und beim Keller planen.
Die Eintrittspfade im Detail
Radon folgt dem Druckunterschied zwischen Boden und Gebäude. Im Winter wirkt das Haus wie ein Kamin: Warme Luft steigt auf, entweicht oben, und im untersten Geschoss entsteht ein leichter Unterdruck, der Bodenluft nachzieht. Die häufigsten Schwachstellen sind deshalb dort zu finden, wo das Gebäude den Boden berührt.
- Risse und Arbeitsfugen in Bodenplatte und erdberührten Wänden, besonders im Übergang Wand-Boden.
- Rohr- und Kabeldurchführungen für Wasser, Kanal, Strom und Fernwärme - jede unverschlossene Manschette ist ein offener Weg.
- Bodenabläufe und Pumpensümpfe, die direkt mit dem Erdreich in Verbindung stehen.
- Ungedichtete Kellerabgänge, über die belastete Kellerluft ins Wohngeschoss zieht.
- Erdberührte Räume mit Naturboden, etwa alte Gewölbekeller oder Lagerräume ohne Betonsohle.
Daraus ergibt sich eine praktische Reihenfolge für den Bestand: zuerst die Verbindung zwischen Keller und Wohngeschoss trennen, dann die Eintrittspfade im Keller schließen, erst danach über technische Lösungen mit Ventilator nachdenken. Diese Reihenfolge ist auch die günstigste.
Radon beim Hauskauf
Beim Kauf eines Bestandsobjekts gibt es keinen verpflichtenden Radonnachweis, wie ihn der Energieausweis für die Energieeffizienz darstellt. Liegt das Objekt in einem Radonschutzgebiet, ist eine Messung dennoch sinnvoll - und zwar vor dem Kaufvertrag, nicht danach.
Der Zeitfaktor ist dabei das Problem: Eine belastbare Messung braucht Monate, ein Kaufprozess selten so lange. Zwei Wege bleiben. Entweder Sie verlangen vom Verkäufer eine bereits vorliegende Messung, oder Sie führen eine orientierende Kurzmessung durch und behalten sich eine Nachbesserung vertraglich vor. Wo Werte über dem Referenzwert bekannt sind, gehören die Sanierungskosten in die Kaufpreisverhandlung - der Aufwand liegt in aller Regel im niedrigen vierstelligen Bereich und ist damit gut bezifferbar.
Messen: der einzige Weg zur Gewissheit
Weder Karte noch Bauweise ersetzen die Messung. Verwendet werden passive Detektoren, die in den Aufenthaltsräumen der untersten bewohnten Ebene aufgestellt und nach der Expositionszeit zur Auswertung eingeschickt werden. Maßgeblich ist der Jahresmittelwert, weil die Konzentration jahreszeitlich schwankt: Im Winter liegt sie wegen des stärkeren thermischen Auftriebs und des geringeren Lüftens meist höher als im Sommer.
Für Privathaushalte gibt es kostenlose Messaktionen, die zweimal jährlich über das zuständige Ministerium angeboten werden. Drei Punkte entscheiden über die Aussagekraft:
- Richtiger Raum: gemessen wird dort, wo tatsächlich gewohnt oder geschlafen wird, nicht im ungenutzten Lagerkeller.
- Ausreichende Dauer: Kurzmessungen über wenige Tage taugen zur Orientierung, nicht zur Beurteilung gegen den Referenzwert.
- Normales Nutzungsverhalten: Wer während der Messung dauerlüftet, misst nicht den Alltag, sondern den Ausnahmezustand.
Sanierung im Bestand
Liegt der Jahresmittelwert über 300 Bq/m³, richtet sich die Maßnahme nach der Ursache. Die Spanne der Kosten ist groß: Einfache Eingriffe bleiben oft unter 1.000 Euro, aufwendige Lösungen können bis etwa 15.000 Euro erreichen.
| Maßnahme | Wirkprinzip | Aufwand |
|---|---|---|
| Abdichten von Fugen und Durchführungen | Eintrittspfade schließen | gering |
| Dichte Kellertür, Abtrennung des Kellers | Ausbreitung ins Wohngeschoss verhindern | gering bis mittel |
| Gezielte Lüftung des Kellers | Konzentration verdünnen | mittel |
| Unterboden-Absaugung mit Ventilator | Unterdruck unter der Bodenplatte | mittel bis hoch |
| Neue Abdichtungsebene über der Bodenplatte | Eintritt flächig sperren | hoch |
Nach jeder Maßnahme gehört eine Kontrollmessung dazu - erst sie zeigt, ob die Wirkung ausreicht. Bei Verdachtsfällen ist eine Beratung durch zertifizierte Fachpersonen sinnvoll, deren Verzeichnis über die nationale Fachstelle geführt wird.
Förderung am Beispiel Oberösterreich
Einzelne Bundesländer unterstützen Vorsorge und Sanierung finanziell. In Oberösterreich gibt es für den Einbau einer Radondrainage im Neubau eine Pauschale von 500 Euro, für bautechnische Sanierungen werden 50 Prozent der anrechenbaren Kosten bis maximal 5.000 Euro je Wohneinheit gewährt, wobei eine Beratung verpflichtend vorgesehen ist. Details dazu führt das Land Oberösterreich zu Radonvorsorge und -sanierung. In anderen Bundesländern sind Umfang und Bedingungen unterschiedlich - die Anfrage bei der Landesstelle lohnt vor der Beauftragung.
Häufig gestellte Fragen zu Radon
Ab welchem Wert muss ich handeln?
Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter als Jahresmittelwert. Wird er überschritten, sind Maßnahmen zur Senkung der Konzentration zu setzen und deren Wirksamkeit anschließend durch eine Kontrollmessung zu belegen.
Wie finde ich heraus, ob meine Gemeinde betroffen ist?
Über die interaktive Radonkarte der AGES lässt sich nach Ortsname oder Postleitzahl abfragen, ob eine Gemeinde als Radonschutzgebiet ausgewiesen ist. Insgesamt betrifft das 104 von 2.095 Gemeinden. Als Radonvorsorgegebiet gilt jede Gemeinde Österreichs.
Was kostet eine Radonmessung?
Für Privathaushalte werden zweimal jährlich kostenlose Messungen über das zuständige Ministerium angeboten. Gemessen wird mit passiven Detektoren, die postalisch zugestellt, im Wohnraum aufgestellt und danach zur Auswertung zurückgeschickt werden.
Welche Maßnahmen verlangt das Baurecht beim Neubau?
Die OIB-Richtlinie 3 fordert, dass Aufenthaltsräume in Radonschutz- und Radonvorsorgegebieten so errichtet werden, dass kein gesundheitsgefährdender Radoneintritt möglich ist. Die technische Umsetzung folgt der ÖNORM S 5280-2, etwa über konvektionsdichte erdberührte Bauteile oder eine Radondrainage.
Kann eine Sanierung die Radonwerte verschlechtern?
Ja. Eine dichtere Gebäudehülle senkt den natürlichen Luftwechsel, wodurch die Konzentration bei gleichbleibendem Eintritt steigt. Nach Fenstertausch oder Fassadendämmung ist eine Messung deshalb sinnvoll, ebenso eine Lösung für den Luftwechsel.
Was kostet eine Radonsanierung?
Die Spanne reicht von unter 1.000 Euro für einfaches Abdichten von Fugen und Durchführungen bis zu etwa 15.000 Euro für aufwendige Lösungen wie eine neue Abdichtungsebene. Eine Unterboden-Absaugung liegt dazwischen und ist oft die wirksamste Einzelmaßnahme.
Gibt es Förderungen für Radonschutz?
Ja, allerdings auf Landesebene und unterschiedlich ausgestaltet. In Oberösterreich etwa gibt es 500 Euro Pauschale für eine Radondrainage im Neubau und 50 Prozent der anrechenbaren Sanierungskosten bis maximal 5.000 Euro je Wohneinheit, verbunden mit einer verpflichtenden Beratung.
