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Kleinkläranlage in Österreich - Bewilligung, Verfahren und laufende Kosten

Ein Grundstück ohne Kanalanschluss ist kein Ausschlusskriterium, aber es verschiebt eine Frage nach vorn, die sonst erst der Installateur stellt: Wohin geht das gereinigte Abwasser? Denn die Kleinkläranlage braucht einen Vorfluter - ein Gewässer, das auch nach längeren Trockenperioden Wasser führt. Ist keines vorhanden, wird es kompliziert, denn die Versickerung ist nur in Ausnahmefällen und nach gesonderter Beurteilung zulässig.

Diese Frage gehört vor den Grundstückskauf, nicht in die Ausführungsplanung. Sie entscheidet über eine fünfstellige Summe und im ungünstigen Fall über die Bebaubarkeit.

Was eine Kleinkläranlage ist - und was nicht

Kleinkläranlage Senkgrube
Prinzip reinigt das Abwasser biologisch vor Ort sammelt es in einem dichten Behälter
Abwasser verlässt das Grundstück gereinigt über den Vorfluter per Saugwagen zur Entsorgung
Laufende Kosten Strom, Wartung, Schlammentsorgung, jährliche Probe Entleerungsfahrten, mengenabhängig
Neuerrichtung bei fehlendem Kanal der Regelfall nur in ausgewiesenen Zonen oder befristet bis zum Kanalanschluss

Die Senkgrube ist damit kein Alternativkonzept, sondern eine Übergangs- oder Sonderlösung. Nach der Darstellung des Landes Oberösterreich zu Kleinkläranlagen und Senkgruben gilt für sie eine Obergrenze von 30 Kubikmetern häuslichem Abwasser je vier Wochen, und das Speichervolumen muss zwei Monate Anfall aufnehmen. Wer die Entsorgung nachweisen muss, führt darüber Aufzeichnungen und hebt sie mindestens fünf Jahre auf.

Die Bewilligung

Eine Kleinkläranlage bedarf jedenfalls einer wasserrechtlichen Bewilligung, erteilt von der Bezirksverwaltungsbehörde als Einzelfallentscheidung. Die Länder fassen die Anforderungen jeweils eigen zusammen, etwa das Land Salzburg zu Kleinkläranlagen oder das Land Niederösterreich zu den rechtlichen Grundlagen der Abwasserentsorgung. Damit ist auch klar, warum ein Blick in den Prospekt nicht genügt:

  • Die CE-Kennzeichnung allein reicht nicht. Die Prüfung nach der europäischen Produktnorm belegt die Reinigungsleistung nur in Prozentwerten und für Kohlenstoffverbindungen - sie sagt nichts über die Ablaufkonzentrationen, die die Behörde vorschreibt.
  • Maßgeblich sind die österreichischen Bemessungsnormen: die ÖNORM B 2502-1 für technische Kleinkläranlagen und die ÖNORM B 2505 für bepflanzte Bodenfilter. Sie berücksichtigen die hiesigen Anforderungen an die Nitrifikation.
  • Verlangt wird in der Regel eine vollbiologische Reinigung mit Kohlenstoffabbau und Nitrifikation, ausgelegt auf weniger als 50 Einwohnerwerte.

Für den Ablauf des Verfahrens gilt dasselbe Muster wie bei anderen wasserrechtlichen Themen - etwa der Erdwärmebohrung, dazu der Beitrag zur Erdwärmepumpe. Und wie bei jedem Grundstücksthema lohnt die Voranfrage, bevor der Kaufvertrag unterschrieben ist, siehe den Beitrag zur Grundstücksauswahl.

Die Verfahren

  • SBR-Anlagen arbeiten in Zyklen: Befüllen, Belüften, Absetzen, Klarwasserabzug. Kompakt, elektrisch gesteuert, gut regelbar - dafür abhängig von Strom und Technik.
  • Festbett- und Wirbelbettanlagen halten die Biologie auf Trägermaterial. Sie reagieren gutmütiger auf schwankende Belastung als reine Belebungsverfahren.
  • Bepflanzte Bodenfilter, umgangssprachlich Pflanzenkläranlage, reinigen über einen durchströmten Filterkörper mit Schilfbewuchs. Sie brauchen mehr Fläche, laufen aber weitgehend ohne Technik und vertragen Betriebspausen besser.

Der Flächenbedarf ist das Hauptargument gegen den Bodenfilter, die Robustheit sein Hauptargument dafür. Wer ein Wochenendhaus betreibt oder saisonal schwankende Belegung hat, fährt damit oft besser als mit einer technischen Anlage, deren Biologie bei längerem Stillstand einbricht.

Was es kostet

Die Bandbreite ist groß, weil sie von der Ausbaugröße abhängt. Das Land Oberösterreich nennt für die Errichtung rund 10.000 Euro bei vier Einwohnerwerten bis etwa 50.000 Euro bei fünfzig Einwohnerwerten. Für ein Einfamilienhaus liegt man am unteren Ende dieser Spanne.

Dazu kommen die laufenden Positionen, die in der Kaufentscheidung oft untergehen:

Position Anmerkung
Strom Gebläse und Steuerung laufen dauerhaft
Wartung Vertrag mit Fachbetrieb, meist mehrmals jährlich
Jährliche Wasserprobe verpflichtend, belegt die Einhaltung der Ablaufwerte
Schlammentsorgung Abfuhr durch den befugten Entsorger
Reparaturen Pumpen und Gebläse sind Verschleißteile

Gegenzurechnen sind die Kanalanschluss- und Benützungsgebühren, die bei angeschlossenen Grundstücken anfallen. Die Rechnung fällt nicht automatisch zugunsten des Kanals aus - wohl aber die Verlässlichkeit, weil beim Kanal weder Technik noch Nachweise beim Eigentümer liegen.

Betrieb: was die Anlage nicht verträgt

Eine Kleinkläranlage ist ein biologischer Reaktor. Was die Bakterien schädigt, kostet Reinigungsleistung und damit die Einhaltung der Bescheidwerte:

  • Desinfektionsmittel, Rohrreiniger und größere Mengen Chlor
  • Farb-, Lack- und Lösungsmittelreste
  • Feuchttücher und Hygieneartikel, die sich nicht auflösen
  • Fett in größerer Menge
  • Medikamentenreste

Auch das Regenwasser gehört nicht hinein: Es verdünnt das Abwasser, schwemmt die Biologie aus und überlastet die Anlage bei Starkregen. Wer eine Zisterne setzt, trennt die Systeme ohnehin sauber - dazu der Beitrag zur Regenwassernutzung. Und wo Wasser aus dem eigenen Brunnen kommt, ist der Abstand zwischen Brunnen und Anlage ein eigenes Prüfthema, siehe den Beitrag zum Hausbrunnen.

Häufig gestellte Fragen zur Kleinkläranlage

Wann ist eine Kleinkläranlage zulässig?

Wenn kein Anschluss an den öffentlichen Kanal besteht und ein geeigneter Vorfluter vorhanden ist - also ein Gewässer, das auch nach längeren Trockenperioden ausreichend Wasser führt. Die Versickerung des gereinigten Abwassers ist nur in Ausnahmefällen und nach gesonderter Beurteilung möglich, etwa im Hinblick auf Grundwasserabstand und nahe Wasserversorgungsanlagen.

Welche Bewilligung braucht eine Kleinkläranlage?

Eine wasserrechtliche Bewilligung der Bezirksverwaltungsbehörde. Sie ergeht als Einzelfallentscheidung und legt unter anderem die einzuhaltenden Ablaufwerte fest. Eine CE-Kennzeichnung des Produkts genügt dafür nicht, weil sie die Reinigungsleistung nur in Prozentwerten und beschränkt auf Kohlenstoffverbindungen belegt.

Was kostet eine Kleinkläranlage?

Das Land Oberösterreich nennt für die Errichtung rund 10.000 Euro bei vier Einwohnerwerten bis etwa 50.000 Euro bei fünfzig Einwohnerwerten; ein Einfamilienhaus liegt am unteren Ende. Dazu kommen laufend Strom, Wartungsvertrag, die verpflichtende jährliche Wasserprobe, die Schlammentsorgung und Reparaturen an Pumpen und Gebläse.

Welche Normen gelten in Österreich?

Für die Bemessung technischer Kleinkläranlagen die ÖNORM B 2502-1, für bepflanzte Bodenfilter die ÖNORM B 2505. Beide berücksichtigen die österreichischen Anforderungen an die Nitrifikation. Verlangt wird üblicherweise eine vollbiologische Reinigung mit Kohlenstoffabbau und Nitrifikation für weniger als 50 Einwohnerwerte.

Ist eine Senkgrube noch erlaubt?

Nur eingeschränkt. Neuerrichtungen sind auf die im Abwasserentsorgungsplan der Gemeinde ausgewiesenen Bereiche beschränkt oder auf befristete Lösungen bis zum Kanalanschluss. Es gilt eine Obergrenze von 30 Kubikmetern häuslichem Abwasser je vier Wochen, das Speichervolumen muss zwei Monate Anfall fassen, und über die Entsorgung sind Aufzeichnungen mindestens fünf Jahre aufzubewahren.

Pflanzenkläranlage oder technische Anlage?

Der bepflanzte Bodenfilter braucht deutlich mehr Fläche, läuft dafür weitgehend ohne Technik und verträgt Betriebspausen besser - ein Vorteil bei saisonaler Nutzung. Technische Anlagen wie SBR- oder Festbettsysteme sind kompakt und gut regelbar, hängen aber an Strom, Steuerung und einer stabil belasteten Biologie.

Was darf nicht in die Kleinkläranlage?

Alles, was die Biologie schädigt: Desinfektionsmittel, Rohrreiniger, größere Mengen Chlor, Farb- und Lösungsmittelreste, Medikamente, viel Fett sowie Feuchttücher und Hygieneartikel. Auch Regenwasser gehört nicht hinein - es verdünnt das Abwasser, schwemmt die Biologie aus und überlastet die Anlage bei Starkregen.