Der Untergrund liefert im Jänner dieselbe Temperatur wie im Juli. Genau darin liegt der Vorteil der Erdwärmepumpe gegenüber der Luftwärmepumpe: Während die Außenluft ausgerechnet dann am kältesten ist, wenn die Heizlast am höchsten liegt, bleibt die Quellentemperatur im Erdreich über das Jahr nahezu konstant. Das schlägt sich direkt in der Jahresarbeitszahl nieder.
Der Preis dafür ist der Aufwand am Grundstück. Eine Erdsonde braucht eine Bohrung samt wasserrechtlichem Verfahren, ein Flächenkollektor eine große, dauerhaft unbebaute Fläche. Welche Variante möglich ist, entscheidet nicht der Wunsch, sondern der Untergrund und die Behörde.
Erdsonde oder Flächenkollektor
| Merkmal | Erdwärmesonde | Flächenkollektor |
|---|---|---|
| Bauart | senkrechte Bohrung, meist 80 bis 150 Meter | waagrechte Rohrschlangen in etwa 1,2 bis 1,5 Meter Tiefe |
| Flächenbedarf | gering, wenige Quadratmeter | hoch, ein Mehrfaches der beheizten Fläche |
| Quellentemperatur | ganzjährig stabil | jahreszeitlich schwankend |
| Kosten der Quelle | höher, Bohrung dominiert | niedriger, dafür große Aushubfläche |
| Verfahren | meist wasserrechtliche Anzeige oder Bewilligung | je nach Bundesland Anzeige, oft einfacher |
Der Flächenkollektor entzieht dem Boden vor allem gespeicherte Sonnenwärme und Niederschlagsenergie. Die Fläche darüber darf deshalb nicht bebaut, versiegelt oder tief wurzelnd bepflanzt werden - eine Terrasse, ein Pool oder ein späterer Zubau sind damit ausgeschlossen. Wer die Fläche hat, spart Geld; wer sie später anders nutzen will, zahlt doppelt.
Was die Bohrung kostet
Bei der Erdsonde bestimmt die Bohrmeterzahl den Preis. Am Markt bewegen sich die Sätze in Österreich üblicherweise bei rund 50 bis 100 Euro je Bohrmeter, abhängig von Geologie, Erreichbarkeit des Grundstücks und Bohrverfahren. Für ein Einfamilienhaus ergibt das für die reine Bohrung häufig einen Betrag im Bereich von 5.000 bis 14.000 Euro.
Dazu kommen Sole-Verteiler, Anbindeleitungen, Erdarbeiten bis zum Haus, die Wärmepumpe selbst, Speicher und Regelung sowie die Verfahrenskosten. Zwei Punkte treiben den Preis unerwartet nach oben:
- Schwierige Geologie: Lockergestein, artesisch gespanntes Grundwasser oder Klüfte erfordern aufwendigere Verrohrung und Verpressung.
- Enge Zufahrt: Das Bohrgerät braucht Platz. Auf kleinen oder verbauten Grundstücken steigt der Aufwand für Anfahrt und Aufstellung deutlich.
Das wasserrechtliche Verfahren
Rechtlich fällt die Erdwärmenutzung unter das Wasserrechtsgesetz, weil dem Untergrund Wärme entzogen und damit die Temperatur beeinflusst wird. Maßgeblich ist § 32 Abs. 2 lit. b WRG 1959. Je nach Bundesland und Standort führt das zu einem Anzeigeverfahren oder zu einer wasserrechtlichen Bewilligung durch die Bezirksverwaltungsbehörde beziehungsweise den Magistrat.
Im Anzeigeverfahren nach § 114 WRG gilt eine Entscheidungsfrist von drei Monaten: Äußert sich die Behörde in dieser Zeit nicht, gilt das Vorhaben als genehmigt. Die Bewilligung wird dabei üblicherweise befristet erteilt, häufig auf 25 Jahre. Einen Überblick über Zuständigkeiten und Unterlagen bietet die Darstellung zu wasserrechtlichen Genehmigungen des Landes Steiermark. Welche Angaben ein Antrag enthalten muss, zeigt exemplarisch das Formular für Erdwärmesondenanlagen des Landes Oberösterreich.
Wo es eng wird
Nicht jedes Grundstück ist geeignet. Kritisch sind insbesondere:
- Wasserschutz- und Schongebiete, in denen Bohrungen regelmäßig ausgeschlossen sind,
- Gebiete mit gespanntem oder artesischem Grundwasser, weil eine Bohrung Stockwerke verbinden könnte,
- geschlossene Siedlungsgebiete ohne zentrale Wasserversorgung, wo Hausbrunnen zu schützen sind,
- dichte Nachbarbebauung, weil zu nahe stehende Sonden einander thermisch beeinflussen.
Ob Ihr Grundstück in eine dieser Kategorien fällt, klärt eine Voranfrage bei der Wasserrechtsbehörde - vor der Beauftragung des Bohrunternehmens. Städte wie Graz haben dafür eigene Strategien und Karten erarbeitet, etwa das Strategiepapier Erdwärme der Stadt Graz. Eine Bodenuntersuchung liefert ohnehin Daten, die Sie später brauchen - dazu der Beitrag zu Vermessung und Bodenuntersuchung. Wo ein Hausbrunnen im Spiel ist, lohnt zusätzlich der Beitrag zu Hausbrunnen und Hauswasserwerk.
Was am Grundstück tatsächlich passiert
Zwischen Zusage und fertiger Quelle liegen wenige, aber intensive Tage. Der Ablauf ist bei nahezu allen Projekten derselbe:
| Schritt | Inhalt | Dauer |
|---|---|---|
| Aufstellung | Anfahrt des Bohrgeräts, Einrichten der Bohrstelle, Wasser- und Stromanschluss | etwa ein Tag |
| Bohrung | Niederbringen der Bohrung, laufende Dokumentation des Bohrprofils | ein bis mehrere Tage je Sonde |
| Einbau | Einbringen der Sondenrohre samt Gewicht bis zur Endtiefe | Stunden |
| Verpressung | Verfüllen des Ringraums mit Spezialsuspension von unten nach oben | Stunden |
| Prüfung | Druckprobe der Sonde, Spülen und Befüllen mit Wärmeträger | Stunden |
| Anbindung | Grabenaushub zum Haus, Verteiler setzen, Durchführung abdichten | ein bis zwei Tage |
Zwei Dinge sollten Sie sich aushändigen lassen: das Bohrprofil mit der angetroffenen Schichtenfolge und das Protokoll der Druckprobe. Das Bohrprofil ist die Grundlage jeder späteren Beurteilung - etwa wenn Jahre danach eine zweite Sonde ergänzt oder das Grundstück verkauft wird. Rechnen Sie außerdem mit Spülwasser und Bohrgut auf der Fläche: Wer den Garten erst nach der Bohrung anlegt, spart sich die doppelte Arbeit.
Auslegung: die Sondenlänge entscheidet
Der häufigste Planungsfehler ist die zu kurze Sonde. Wird dem Untergrund dauerhaft mehr Wärme entzogen, als nachströmt, kühlt das Erdreich rund um die Sonde über die Jahre aus. Die Folge sind sinkende Soletemperaturen, schlechtere Arbeitszahlen und im Extremfall Vereisung.
Der fachliche Rahmen dafür ist das ÖWAV-Regelblatt 207 zur thermischen Nutzung des Grundwassers und des Untergrunds. Es enthält die Bemessungsgrundlagen und formuliert Grenzwerte für den Betrieb: Beim Heizen soll die mittlere Temperatur des Wärmeträgermediums minus 1,5 Grad Celsius nicht unterschreiten, beim Kühlen 30 Grad Celsius nicht überschreiten. Die spezifische Entzugsleistung ergibt sich aus der Heizleistung der Wärmepumpe abzüglich der elektrischen Leistungsaufnahme, bezogen auf die Gesamtsondenlänge. Kurse und Unterlagen zur Anwendung des Regelblatts sind über die Landeswasserwirtschaft Steiermark dokumentiert.
Für Sie als Bauherr folgt daraus eine einfache Prüffrage an den Anbieter: Auf welcher Heizlast und welcher spezifischen Entzugsleistung beruht die angebotene Sondenlänge? Wer darauf keine belastbare Antwort gibt, hat nach Erfahrungswerten kalkuliert und nicht gerechnet.
Was die Anlage im Haus verlangt
Die Effizienz entsteht nicht in der Bohrung, sondern im Zusammenspiel mit dem Heizsystem. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto besser die Arbeitszahl - jedes Grad zählt.
- Flächenheizung: Fußboden- oder Wandheizung mit niedriger Vorlauftemperatur ist der ideale Partner - dazu der Beitrag zur Fußbodenheizung.
- Ausreichend dimensionierte Heizkörper: Im Bestand lässt sich auch mit Radiatoren arbeiten, wenn sie groß genug sind - dazu der Beitrag zu Heizkörpern für die Wärmepumpe.
- Hydraulischer Abgleich: Ohne ihn läuft die Anlage dauerhaft mit zu hoher Vorlauftemperatur - dazu der Beitrag zum hydraulischen Abgleich.
- Warmwasser: Die höchste geforderte Temperatur im Haus stammt meist aus der Warmwasserbereitung und bestimmt daher die Auslegung mit.
Passive Kühlung als Nebeneffekt
Ein Vorteil, der bei der Luftwärmepumpe fehlt: Über die Erdsonde lässt sich im Sommer passiv gekühlt werden. Dabei zirkuliert die Sole ohne Verdichterbetrieb durch die Flächenheizung und führt Wärme in den Untergrund ab. Der Stromverbrauch beschränkt sich auf die Umwälzpumpen, und der Untergrund regeneriert dadurch sogar teilweise.
Die erreichbare Kühlleistung ist begrenzt und ersetzt keine Klimaanlage, senkt aber die Spitzentemperaturen spürbar. Voraussetzung ist, dass die Anlage von Anfang an dafür ausgelegt und die Taupunktüberwachung eingeplant wird.
Wann sich die Erdwärme rechnet
Die höhere Investition muss über die Betriebskosten wieder hereinkommen. Günstig steht die Rechnung, wenn mehrere Punkte zusammentreffen: hoher Wärmebedarf über eine lange Heizsaison, Flächenheizung im ganzen Haus, geeigneter Untergrund ohne behördliche Hürden, ein Grundstück mit Zufahrt für das Bohrgerät und die Absicht, das Haus langfristig selbst zu nutzen.
Gegen die Erdwärme sprechen kleine, verbaute Grundstücke, Schutzgebiete, ein bereits sanierter Bestand mit geringer Heizlast oder ein knappes Investitionsbudget. In diesen Fällen ist die Luftwärmepumpe die pragmatischere Lösung - der Vergleich steht im Beitrag zur Luftwärmepumpe im Altbau, die Grundlagen im Beitrag zur Wärmepumpe allgemein.
Häufig gestellte Fragen zur Erdwärmepumpe
Brauche ich für eine Erdwärmesonde eine Bewilligung?
In der Regel ja. Die Erdwärmenutzung fällt unter das Wasserrechtsgesetz, weil dem Untergrund Wärme entzogen wird. Je nach Bundesland und Standort führt das zu einem Anzeigeverfahren oder einer wasserrechtlichen Bewilligung durch die Bezirksverwaltungsbehörde beziehungsweise den Magistrat.
Wie lange dauert das Verfahren?
Im Anzeigeverfahren nach § 114 WRG hat die Behörde drei Monate Zeit. Äußert sie sich innerhalb dieser Frist nicht, gilt das Vorhaben als genehmigt. Bewilligungen werden häufig befristet erteilt, etwa auf 25 Jahre.
Was kostet eine Tiefenbohrung?
Üblich sind in Österreich rund 50 bis 100 Euro je Bohrmeter, abhängig von Geologie, Zufahrt und Verfahren. Für ein Einfamilienhaus ergibt das für die reine Bohrung häufig 5.000 bis 14.000 Euro. Wärmepumpe, Anbindung, Erdarbeiten und Verfahrenskosten kommen dazu.
Wie viel Fläche braucht ein Flächenkollektor?
Deutlich mehr als die beheizte Wohnfläche, der genaue Wert hängt von Bodenart und Heizlast ab. Die Fläche muss dauerhaft frei bleiben: keine Bebauung, keine Versiegelung, keine tief wurzelnden Gehölze. Verlegt wird typischerweise in 1,2 bis 1,5 Meter Tiefe.
Kann der Untergrund auskühlen?
Ja, wenn die Sonde zu kurz ausgelegt ist. Dann sinken die Soletemperaturen über die Jahre, die Arbeitszahl fällt. Das ÖWAV-Regelblatt 207 nennt dafür Bemessungsgrenzen, etwa dass die mittlere Temperatur des Wärmeträgers beim Heizen minus 1,5 Grad Celsius nicht unterschreiten soll.
Ist die Erdwärmepumpe effizienter als die Luftwärmepumpe?
In der Regel ja, weil die Quellentemperatur im Untergrund über das Jahr nahezu konstant bleibt, während die Außenluft bei hoher Heizlast am kältesten ist. Der Vorsprung muss allerdings die deutlich höhere Investition in Bohrung und Verfahren rechtfertigen.
Kann ich mit der Erdsonde auch kühlen?
Ja, über passive Kühlung: Die Sole zirkuliert ohne Verdichterbetrieb durch die Flächenheizung und gibt Wärme an den Untergrund ab. Der Stromverbrauch beschränkt sich auf die Umwälzpumpen. Die Anlage muss dafür ausgelegt und mit Taupunktüberwachung ausgestattet sein.
