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Vorhänge und Gardinen - Stoffe, Maße, Aufhängung und Pflege

Ein Vorhang, der bis zum Boden vor dem Heizkörper hängt, ist kein Dekorationsthema, sondern ein Heizkostenthema. DIE UMWELTBERATUNG beziffert den Aufschlag, den Möbel und Vorhänge vor der Heizung verursachen, mit bis zu 12 Prozent. Zum Vergleich: Ein Grad weniger Raumtemperatur spart etwa 6 Prozent. Der Stoff vor dem Radiator kostet also ungefähr so viel, wie zwei Grad Absenkung einbringen würden.

Damit fängt die Sache an, aber sie hört dort nicht auf. Ob ein Vorhang gut fällt, hängt an der Stoffmenge. Ob er sich montieren lässt, entscheidet sich beim Rohbau. Und ob er nach der ersten Wäsche noch passt, entscheidet der Stoff.

Schiene oder Stange - und warum das früh feststeht

Die Aufhängung ist die einzige Entscheidung, die sich später nur mit Bohrstaub korrigieren lässt. Beide Systeme haben klare Einsatzbereiche:

Merkmal Vorhangschiene Vorhangstange
Montageort Decke oder Wand, oft in einer Nische fast immer Wand, über der Fensteröffnung
Optik tritt zurück, in der Deckennische unsichtbar sichtbares Gestaltungselement
Vorhang bis Decke möglich, dadurch wirkt der Raum höher nur mit deutlichem Abstand zur Decke
Mehrläufigkeit zwei bis drei Läufe für Store und Übervorhang meist ein Lauf, Doppelstangen sind Sonderfall
Gleiten leichtgängig, auch bei schweren Stoffen abhängig von Ringen und Rohrdurchmesser

Der entscheidende Punkt liegt vor der Montage: der Untergrund. In eine Betondecke lässt sich eine Schiene an jeder Stelle dübeln. Bei einer abgehängten Decke oder einer Gipskartonwand tragen normale Dübel nicht - dort braucht es Hohlraumdübel oder besser eine eingebaute Traverse, die beim Beplanken schon eingezogen wird. Wer die Decke ohnehin abhängt, sollte die Lage der Schiene vorher festlegen; die Grundlagen dazu stehen im Beitrag zum Trockenbau mit Gipskarton.

Die eleganteste Lösung ist die Vorhangnische: ein Rücksprung in der abgehängten Decke, in dem die Schiene verschwindet. Der Stoff scheint dann aus der Decke zu fallen. Geplant werden muss sie, bevor der Trockenbauer anrückt - nachträglich ist sie praktisch nicht mehr herstellbar. Das nötige Maß ergibt sich aus dem Schienensystem und dem gebauschten Stoff: Ein zweiläufiges System mit Store und schwerem Übervorhang braucht deutlich mehr Tiefe als eine einzelne Schiene.

Der Abstand zur Wand ist kein Detail

Zwischen Vorhang und Fensterlaibung sollten einige Zentimeter Luft bleiben. Liegt der Stoff an der kalten Scheibe an, kühlt er aus, und an der Innenseite kann sich Feuchtigkeit niederschlagen - dieselbe Mechanik, die hinter Schränken an Außenwänden zu Problemen führt, siehe dazu der Beitrag zu Schimmel in der Wohnung. Bei bodentiefen Fenstern gilt dasselbe für die Schwelle: Der Stoff soll nicht auf der Führungsschiene der Hebeschiebetür schleifen.

Die Maße: erst die Länge, dann die Stoffmenge

Für die Länge gibt es drei gängige Varianten, und die Wahl hängt weniger vom Geschmack ab als vom Heizkörper.

Länge Endet Passt, wenn
bodenlang etwa 1 bis 2 cm über dem Boden kein Heizkörper im Weg, Fenster reicht tief
brüstungslang etwa 10 bis 15 cm unter der Fensterbank Heizkörper unter dem Fenster steht
aufliegend einige Zentimeter auf dem Boden schwerer Stoff, ruhiger Raum, kein Durchgang

Steht ein Heizkörper unter dem Fenster, ist die brüstungslange Variante die technisch richtige. Ein bodenlanger Vorhang schließt davor einen schmalen Luftraum ein, der sich schnell erwärmt. Das Thermostatventil misst diese Wärme, regelt ab - und der Raum bleibt kühl, während die Wärme direkt an der Scheibe nach außen geht. Welche Bauart wie stark auf freie Konvektion angewiesen ist, zeigt der Beitrag zu Heizkörperarten.

Bei der Breite kommt der Punkt, an dem die meisten Vorhänge scheitern: Ein Vorhang ist nie so breit wie das Fenster, sondern ein Mehrfaches davon. Ohne diese Mehrweite hängt der Stoff flach und wirkt wie ein aufgespanntes Betttuch. Üblich ist in der Raumausstattung ein Verhältnis von 1:2 bis 1:3 - für zwei Meter Schienenlänge also vier bis sechs Meter Stoffbreite. Transparente Stoffe brauchen mehr, weil die Falten die Blickdichte erzeugen; bei dichten, schweren Stoffen genügt das untere Ende der Spanne, bei großen Mustern ebenfalls, damit das Dessin lesbar bleibt.

Wie der Stoff an der Schiene hängt

Das Band am oberen Rand bestimmt den Faltenwurf und damit die nötige Mehrweite:

  • Kräuselband: zwei Zugschnüre raffen den Stoff zu unregelmäßigen Falten. Günstig, unkompliziert, hoher Stoffbedarf. Der Klassiker für Stores.
  • Faltenband: erzeugt gleichmäßige, gelegte Falten in fixem Rhythmus. Ruhiger und formaler als das Kräuselband, gut für schwere Stoffe.
  • Ösen: Metallringe laufen direkt auf der Stange, es entstehen weiche, große Wellen. Braucht eine Stange und einen Stoff mit Stand.
  • Schlaufen: Stoffbänder über der Stange. Ruhige Optik, aber schwergängig - für Vorhänge, die selten bewegt werden.
  • Flächenvorhang: straff gespannte Stoffbahnen, die seitlich verschoben werden. Kein Faltenwurf, deshalb geringer Stoffbedarf. Als Raumteiler oder vor großen Glasflächen.

Wer nicht bohren will oder darf, findet im Beitrag zum Plissee ohne Bohren die Alternativen für Mietwohnungen.

Lichtdurchlässigkeit: vier Stufen, die man nicht verwechseln sollte

Die Begriffe werden im Handel unscharf verwendet, technisch trennen sie sich klar:

Stufe Wirkung Typische Anwendung
transparent streut Licht, Blick von außen bleibt möglich Store am Tag, vor allem im Erdgeschoss
halbtransparent Licht kommt durch, Konturen verschwimmen Wohnräume, wo es nie ganz dunkel werden soll
blickdicht kein Durchblick, aber Licht dringt durch den Stoff Wohnzimmer, Esszimmer
verdunkelnd beschichtetes Gewebe, hält das Licht weitgehend zurück Schlafzimmer, Kinderzimmer

Blickdicht heißt also nicht dunkel. Wer morgens im Sommer weiterschlafen will, braucht ein verdunkelndes Gewebe - und selbst dann bleibt der Lichtspalt seitlich und oben. Vollständige Dunkelheit erreicht nur ein außen liegender Abschluss; die Varianten stehen im Beitrag zu Rollläden. Wie sich das mit der Beleuchtung im Raum zusammenfügt, behandelt der Beitrag zu Beleuchtungskonzepten, und zur Abstimmung mit der Wandfarbe gibt es den Beitrag zur Farbgestaltung für Wände.

Was der Vorhang energetisch leistet - und was nicht

Im Winter hilft ein schwerer, geschlossener Vorhang in der Nacht: Er legt eine ruhende Luftschicht vor die Scheibe und dämpft den Wärmeabfluss. Der Effekt ist real, aber begrenzt und ersetzt keine Verglasung - wo alte Fenster sitzen, bringt der Tausch ein Vielfaches, wie der Beitrag zum Fenstertausch im Altbau zeigt. Die Bedingung bleibt: Der Heizkörper muss frei bleiben, sonst kehrt sich der Nutzen in die eingangs genannten 12 Prozent Mehrkosten um. Die weiteren Ansatzpunkte fasst der Ratgeber Heizkosten sparen im Winter von DIE UMWELTBERATUNG zusammen.

Im Sommer ist die Erwartung dagegen meist zu hoch. Innen liegender Sonnenschutz ist laut DIE UMWELTBERATUNG die am wenigsten wirksame Variante gegen sommerliche Überwärmung: Die Strahlung hat das Glas bereits passiert, die Wärme steckt im Raum. Der Stoff kann sie nur noch bremsen, nicht abwenden. Wirksam ist die Abschirmung vor der Scheibe - dazu die Beiträge zu Raffstore und zur Markise. Reicht das nicht, bleibt die Kühlung, siehe der Beitrag zum Nachrüsten einer Klimaanlage.

Der unterschätzte Effekt: Raumakustik

In Neubauten mit glatten Wänden, großen Glasflächen und Hartböden hallt es. Textil ist dagegen das einfachste Mittel, und der Vorhang ist die größte zusammenhängende Textilfläche, die ein Wohnraum aufnehmen kann.

Weil ein Vorhang dünn ist, wirkt er zunächst nur auf hohe Frequenzen. Zwei Stellschrauben verschieben das: der Stoff selbst und der Abstand zur Wand. Für den Stoff nennt die Fachdarstellung zur Schallabsorption durch Vorhänge einen optimalen spezifischen Strömungswiderstand von 1 bis 3 Kilopascal mal Sekunde je Meter. Erreichen lässt er sich mit dichter, samtartiger Ware - oder bei dünneren Stoffen durch Zwei- und Dreifachfaltung, die den Wert verdoppelt beziehungsweise verdreifacht. Die Falten sind hier also nicht Dekoration, sondern Physik.

Der Wandabstand wirkt anders: Hängt der Vorhang frei, arbeitet seine Masse zusätzlich als Plattenschwinger, und die Wirkung reicht in tiefere Frequenzen hinein. Bei rund 0,3 Kilogramm pro Quadratmeter und 0,2 Meter Abstand liegt der Schwerpunkt dieser Erweiterung bei etwa 250 Hertz. Wer den Abstand nicht hat, kann ihn durch mehr Stoffmasse und stärkere Faltung teilweise ausgleichen.

Praktisch heißt das: Ein schwerer, reichlich gefalteter Vorhang, der über die Fensterbreite hinaus auf die angrenzende Wand läuft, nimmt einem halligen Raum spürbar die Schärfe. Ein glatt gespannter Flächenvorhang tut das nicht. Wo der Schall dagegen von oben oder unten kommt, hilft nur der Aufbau selbst - dazu der Beitrag zur Trittschalldämmung.

Brandverhalten und Sicherheit

Für das Brennverhalten von Vorhängen gibt es ein europäisches Klassifizierungsschema, die EN 13773. Sie ordnet Gewebe anhand zweier Prüfungen - Entzündbarkeit nach EN 1101 und Flammenausbreitung nach EN 13772 - in Klassen ein, wobei Klasse 1 die höchste Anforderung darstellt. In Österreich werden für die Beurteilung daneben die ÖNORMEN B 3825 und A 3800-1 herangezogen.

Im Einfamilienhaus schreibt niemand eine bestimmte Klasse vor; die baurechtlichen Anforderungen der OIB-Richtlinie 2 zielen auf Fluchtwege und Gebäude mit Publikumsverkehr. Relevant wird das Thema trotzdem an drei Stellen: neben dem Kaminofen, über der Kochstelle und dort, wo Kerzen stehen. Ein leichter Synthetikstore in Ofennähe ist die schlechteste Kombination - Abstand ist hier wirksamer als jede Zertifizierung. Was sonst an Materialverhalten im Haus zählt, behandelt der Beitrag zu Brandschutzmaterialien im Wohnhaus.

Der zweite Sicherheitspunkt betrifft Haushalte mit kleinen Kindern: Herabhängende Zug- und Bedienschnüre sind eine Strangulationsgefahr. Sie gehören auf einen Wandhalter aufgewickelt und außer Reichweite geführt, oder es kommt ein System ohne lose Schnüre zum Einsatz. Weitere Punkte dazu im Beitrag zum sicheren Kinderzimmer.

Waschen, ohne dass der Vorhang kürzer wird

Der häufigste Schaden entsteht nicht im Gebrauch, sondern in der Waschmaschine. Drei Punkte verhindern ihn:

  • Vor dem Kauf an die Wäsche denken. Reine Baumwolle und Leinen laufen ein. Wer den Stoff selbst zuschneiden lässt, plant Schrumpfzugabe ein oder wäscht den Stoff vor dem Nähen einmal.
  • Kalt und kurz. Niedrige Temperatur, Schonprogramm, geringe Schleuderzahl. Zu starkes Schleudern erzeugt Knitter, die sich nicht mehr ausziehen.
  • Feucht aufhängen. Der Vorhang kommt tropfnass zurück an die Schiene und zieht sich unter dem eigenen Gewicht glatt. Das ersetzt in den meisten Fällen das Bügeln.

Beschichtete Verdunkelungsstoffe vertragen weder hohe Temperaturen noch Bügeleisen - hier gilt ausschließlich das Pflegeetikett. Zugschnüre vor dem Waschen aus dem Kräuselband ziehen, Haken abnehmen und die Bänder lockern, sonst reißen sie.

Häufig gestellte Fragen zu Vorhängen und Gardinen

Wie breit muss ein Vorhang sein?

Ein Mehrfaches der Schienenlänge, üblich ist ein Verhältnis von 1:2 bis 1:3. Für zwei Meter Schiene rechnen Sie also mit vier bis sechs Metern Stoffbreite. Transparente Stoffe brauchen mehr Mehrweite, weil erst die Falten die Blickdichte erzeugen. Bei schweren Stoffen und großen Mustern genügt das untere Ende der Spanne.

Wie lang sollten Vorhänge sein?

Bodenlange Vorhänge enden ein bis zwei Zentimeter über dem Boden. Steht ein Heizkörper unter dem Fenster, ist die brüstungslange Variante richtig: etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter unter der Fensterbank. Aufliegende Längen wirken üppig, sammeln aber Staub und eignen sich nur für ruhige Bereiche ohne Durchgang.

Darf ein Vorhang vor dem Heizkörper hängen?

Besser nicht. Möbel und Vorhänge vor der Heizung verursachen nach Angaben von DIE UMWELTBERATUNG bis zu 12 Prozent mehr Heizkosten. Der Stoff schließt einen Luftraum vor dem Heizkörper ein, das Thermostatventil misst dort zu hohe Temperaturen und regelt ab, während die Wärme über die Scheibe entweicht.

Was ist besser, Vorhangschiene oder Vorhangstange?

Die Schiene, wenn der Vorhang bis zur Decke laufen, unauffällig bleiben oder in mehreren Lagen hängen soll - sie lässt sich auch an der Decke montieren und in einer Nische verstecken. Die Stange, wenn die Aufhängung sichtbares Gestaltungselement sein soll, etwa bei Ösenvorhängen. Schwere Stoffe gleiten auf Schienen leichter.

Unterscheiden sich blickdichte und verdunkelnde Vorhänge?

Ja. Blickdicht bedeutet nur, dass man nicht hindurchsieht - Licht dringt weiterhin durch das Gewebe. Verdunkelnde Stoffe sind beschichtet und halten das Licht weitgehend zurück. Völlig dunkel wird ein Raum auch damit nicht, weil seitlich und oben Licht einfällt; das schafft nur ein außen liegender Abschluss wie ein Rollladen.

Verbessern Vorhänge die Raumakustik?

Ja, aber zunächst nur bei hohen Frequenzen, weil der Stoff dünn ist. Wirksamer wird der Vorhang durch dichte, samtartige Ware und durch Zwei- oder Dreifachfaltung, die den Strömungswiderstand verdoppelt bis verdreifacht. Hängt er zusätzlich mit Abstand zur Wand, wirkt seine Masse als Plattenschwinger und erfasst tiefere Frequenzen. Ein glatt gespannter Flächenvorhang bringt kaum etwas.

Wie wäscht man Vorhänge richtig?

Bei niedriger Temperatur im Schonprogramm und mit geringer Schleuderzahl, danach tropfnass zurück an die Schiene hängen - das Eigengewicht zieht den Stoff glatt und erspart meist das Bügeln. Haken vorher abnehmen und die Zugschnüre lockern. Baumwolle und Leinen laufen ein, beschichtete Verdunkelungsstoffe vertragen keine Hitze.