Die Entscheidung zwischen Fertiggarage und gemauerter Garage fällt seltener am Preis als an der Zufahrt. Eine Betonfertiggarage wiegt zwischen zehn und zwanzig Tonnen und wird als fertiger Körper mit dem Kran auf das Fundament gesetzt. Dafür braucht es eine belastbare Zufahrt für schwere Fahrzeuge und genug freien Raum, damit der Kran schwenken kann. Wer hinter dem Haus baut, an einer engen Anliegerstraße wohnt oder unter Leitungen liegt, hat die Frage damit schon beantwortet.
Der zweite Punkt, der viele überrascht: In den meisten Bundesländern ist eine Garage genehmigungspflichtig, auch wenn der Carport daneben es nicht wäre. Vier geschlossene Wände machen aus einem Unterstand ein Gebäude.
Was die Bundesländer verlangen
Eine bundesweit einheitliche Regel gibt es nicht - zuständig sind die Landesbauordnungen und die örtlichen Bauvorschriften. Die Unterschiede sind erheblich:
| Bundesland | Regelung im Überblick |
|---|---|
| Wien | Garagen gelten als raumbildend und sind damit stets bewilligungspflichtig |
| Niederösterreich | überdachte Abstellflächen durchgehend genehmigungspflichtig |
| Oberösterreich | Carports bis 35 m² ohne Bewilligung, aber anzeigepflichtig; Garagen in der Regel bewilligungspflichtig |
| Steiermark | bis zu zwei Stellplätze mit zusammen 40 m² ohne Bewilligung, Anzeige verpflichtend; vier geschlossene Seiten gelten als Gebäude mit strengeren Abstandsregeln |
| Kärnten | Garagen bis 16 m² und 3,5 m Höhe nur anzeigepflichtig |
| Burgenland | freistehende Bauten bis 20 m² als Bagatellvorhaben, Anzeige nötig |
| Salzburg und Tirol | Bewilligung für Garagen und Carports erforderlich |
| Vorarlberg | bis 25 m² und 3,5 m meist Anzeige statt Bewilligung, örtliche Vorschriften wiegen schwer |
Die Übersicht folgt der Darstellung zur Baugenehmigung bei Garagen und Carports. Weil Gemeinden zusätzlich eigene Bebauungsvorschriften erlassen, ersetzt keine Übersicht die Anfrage beim Bauamt - der übliche Ablauf steht im Beitrag zum Genehmigungsverfahren.
Die Grenze zum Nachbarn
Nebengebäude dürfen in vielen Bauordnungen näher an die Grundstücksgrenze rücken als das Wohnhaus, teils direkt an sie. Die Bedingungen dafür - meist Höhe und bebaute Fläche - regelt jedes Land eigen. Zur Praxis an der Nachbargrenze in Österreich gehört jedenfalls: Auch wo kein Verfahren nötig ist, ist das Gespräch mit dem Nachbarn vorher die günstigere Variante. Dasselbe Muster gilt beim Gartenhaus, dazu der Beitrag zum Gartenhaus und seiner Genehmigung.
Fertiggarage oder gemauert
| Merkmal | Betonfertiggarage | Gemauerte Garage |
|---|---|---|
| Bauzeit vor Ort | Aufstellung meist an einem Tag | mehrere Wochen inklusive Aushärtezeiten |
| Anschaffung | in der Regel günstiger | meist deutlich teurer |
| Lebensdauer | Angaben reichen von 30 bis 50 Jahren | üblicherweise mit rund 80 Jahren angesetzt |
| Maße | Raster des Herstellers | frei planbar, auch Sondergrundrisse |
| Anpassung später | kaum möglich | Durchbrüche und Anbauten machbar |
| Zufahrt nötig | für Schwertransport und Kran | nur für normale Baustellenlogistik |
| Versetzbarkeit | grundsätzlich möglich | nein |
Für die meisten Einfamilienhäuser mit Standardmaßen und freier Zufahrt ist die Fertiggarage die wirtschaftlichere Wahl. Für die gemauerte Variante sprechen drei Situationen: ein Grundstückszuschnitt, der kein Rastermaß zulässt, der Wunsch nach einem beheizten oder als Werkstatt genutzten Raum, und die optische Einbindung, wenn die Garage dasselbe Material wie das Haus tragen soll.
Das Fundament entscheidet über die Haltbarkeit
Auch die Fertiggarage braucht einen tragfähigen Unterbau - üblich sind Streifenfundamente unter den Längswänden, frostfrei gegründet. Was hier gespart wird, rächt sich später als Riss oder als klemmendes Tor, weil sich der Körper verzieht. Aufbau und Ausführung stehen im Beitrag zum Streifenfundament.
Zwei Punkte gehören zur Fundamentplanung, werden aber oft vergessen:
- Leerrohre einlegen: Strom für Licht und Torantrieb ist selbstverständlich; ein zusätzliches Leerrohr für die spätere Wallbox kostet jetzt fast nichts und später einen Aufgrabungstag. Dazu der Beitrag zur Wallbox am Haus.
- Gefälle und Entwässerung: Die Fläche vor dem Tor muss vom Gebäude wegführen, sonst steht das Wasser in der Garage. Zur Ausführung der Fläche der Beitrag zu Wegen und Pflasterungen.
Der Liefertag
Bei der Fertiggarage ist die Aufstellung der kritische Moment. Vorher zu klären:
- Tragfähigkeit und Breite der Zufahrt für ein Fahrzeug mit zweistelligem Tonnengewicht
- Schwenkbereich des Krans, insbesondere Freileitungen, Bäume und Dachvorsprünge
- Standfläche für den Kran - frisch verfüllter Boden trägt nicht
- Zustand der Gemeindestraße und allfällige Auflagen für den Schwertransport
Wer diese Punkte vorab mit dem Lieferanten durchgeht, vermeidet den teuersten Fall: Die Garage steht auf dem Lkw, der Kran kommt nicht in Position, und die Anfahrt wird ein zweites Mal berechnet.
Das Thema, das in keinem Prospekt steht: Kondensat
Eine unbeheizte Betongarage ist im Winter kalt, das nasse Auto bringt Wärme und Feuchtigkeit hinein. Die Feuchtigkeit schlägt sich an den kalten Wänden nieder. Wo sie nicht abtrocknen kann, entstehen muffige Luft, Rost an Werkzeugen und Schimmel an eingelagerten Kartons.
Dagegen hilft weder Heizen noch Abdichten, sondern Luftwechsel: Lüftungsöffnungen in gegenüberliegenden Wänden, ein Tor mit Lüftungsschlitzen oder schlicht das Tor für eine Stunde offen lassen, wenn das Wetter trocken ist. Wer die Garage als Lager nutzt, sollte empfindliche Dinge nicht direkt auf den Boden stellen. Für einen staubfreien, leicht zu reinigenden Boden bietet sich eine Beschichtung an, dazu der Beitrag zum Epoxidharzboden.
Das Dach mitdenken
Die Garage trägt eine ebene Fläche, die meist ungenutzt bleibt. Zwei Varianten lohnen die Überlegung, solange die Statik noch offen ist: eine extensive Begrünung, die Regenwasser zurückhält und die Fläche kühl hält - dazu der Beitrag zu begrünten Dächern -, oder Photovoltaik, wenn die Ausrichtung passt, siehe den Beitrag zur Photovoltaik am Einfamilienhaus. Beides muss vor der Bestellung feststehen, weil die zulässige Auflast bei Fertiggaragen begrenzt und herstellerseitig festgelegt ist.
Bleibt das Tor: Es bestimmt den Alltag stärker als die Wandkonstruktion. Die Bauarten und ihre Platzansprüche stehen im Beitrag zu Garagentoren. Wer noch grundsätzlich zwischen offener und geschlossener Lösung schwankt, findet den Vergleich im Beitrag zum Carport.
Häufig gestellte Fragen zur Garage
Braucht eine Garage in Österreich eine Baubewilligung?
Meistens ja, die Regeln sind aber Landessache. In Wien gelten Garagen als raumbildend und sind immer bewilligungspflichtig, in Salzburg und Tirol ebenso. Kärnten lässt Garagen bis 16 m² und 3,5 m Höhe mit einer Anzeige zu, die Steiermark bis zu zwei Stellplätze mit zusammen 40 m². Zusätzlich gelten örtliche Bebauungsvorschriften.
Ist eine Fertiggarage billiger als eine gemauerte?
In der Anschaffung in der Regel ja, und sie steht an einem Tag. Die gemauerte Garage ist teurer, dafür frei planbar, später veränderbar und wird mit einer längeren Nutzungsdauer angesetzt - üblich sind rund 80 Jahre gegenüber 30 bis 50 Jahren bei der Betonfertiggarage. Bei Standardmaßen und freier Zufahrt ist die Fertiggarage meist wirtschaftlicher.
Welches Fundament braucht eine Fertiggarage?
Einen tragfähigen, frostfrei gegründeten Unterbau, üblicherweise Streifenfundamente unter den Längswänden. Ein zu schwaches oder ungleichmäßig setzendes Fundament führt zu Rissen und zu einem Tor, das nicht mehr sauber schließt. Leerrohre für Strom und eine spätere Wallbox gehören gleich mit eingelegt.
Was muss bei der Anlieferung beachtet werden?
Eine Betonfertiggarage wiegt zehn bis zwanzig Tonnen und wird mit dem Kran gesetzt. Nötig sind eine tragfähige, ausreichend breite Zufahrt, eine feste Standfläche für den Kran und ein freier Schwenkbereich ohne Freileitungen, Bäume oder Dachvorsprünge. Diese Punkte vorab mit dem Lieferanten durchgehen - eine zweite Anfahrt wird teuer.
Darf die Garage an die Grundstücksgrenze?
Nebengebäude dürfen in vielen Bauordnungen näher an die Grenze rücken als das Wohnhaus, teils direkt an sie. Die Bedingungen - meist maximale Höhe und bebaute Fläche - unterscheiden sich je Bundesland und Gemeinde. Vier geschlossene Wände können dabei strengere Abstandsregeln auslösen als ein offener Carport.
Warum ist die Garage innen feucht?
Weil das nasse Auto Feuchtigkeit einbringt, die sich an den kalten Betonwänden niederschlägt. Abhilfe schafft Luftwechsel, nicht Abdichten: Lüftungsöffnungen in gegenüberliegenden Wänden, ein Tor mit Lüftungsschlitzen oder gezieltes Offenlassen bei trockenem Wetter. Eingelagerte Gegenstände nicht direkt auf den Boden stellen.
Kann man Photovoltaik auf die Garage setzen?
Ja, wenn Ausrichtung und Statik passen. Bei Fertiggaragen ist die zulässige Auflast herstellerseitig begrenzt, deshalb muss die Entscheidung vor der Bestellung fallen - dasselbe gilt für eine Dachbegrünung. Nachträglich lässt sich die Tragfähigkeit einer fertigen Betongarage nicht erhöhen.
