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Warmwasser im Haus: Speicher, Boiler oder Durchlauferhitzer?

Warmwasser ist der Verbraucher, der beim Heizen übersehen wird. Solange ein Haus schlecht gedämmt war, verschwand er in der Heizrechnung. In gut gedämmten Gebäuden dreht sich das Verhältnis um: Dort kann die Warmwasserbereitung einen erheblichen Teil des gesamten Wärmebedarfs ausmachen - in modernen Gebäuden liegt der Anteil laut klimaaktiv bei 40 bis 60 Prozent.

Die zweite Zahl, die man beim Planen braucht: rund 45 bis 50 Liter Warmwasser pro Person und Tag bei etwa 50 Grad. Daraus ergibt sich alles Weitere - Speichergröße, Anschlussleistung und die Frage, ob sich eine solare Unterstützung überhaupt lohnt.

Die Systeme im Überblick

Der indirekt beheizte Speicher ist der Standard im Einfamilienhaus: Ein Wärmetauscher im Speicher wird von der Heizung - Wärmepumpe, Pelletskessel, Fernwärme - erwärmt. Er hält eine Vorratsmenge bereit, verträgt gleichzeitige Zapfstellen und lässt sich mit Solarthermie oder einem Heizstab kombinieren. Nachteil: Er hält permanent Wasser warm, also entstehen Bereitschaftsverluste.

Der Elektroboiler erwärmt direkt mit Strom. Er ist billig in der Anschaffung, unabhängig von der Heizung und in Wohnungen ohne Zentralheizung oft die einzige Option - aber in der Regel die teuerste Betriebsart, weil aus einer Kilowattstunde Strom exakt eine Kilowattstunde Wärme wird.

Die Brauchwasserwärmepumpe zieht die Wärme aus der Raumluft, meist aus Keller oder Technikraum, und macht aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme. Sie kühlt und entfeuchtet dabei den Aufstellraum, was in feuchten Kellern erwünscht ist - Details im Ratgeber zur Brauchwasserwärmepumpe.

Der Durchlauferhitzer erwärmt das Wasser erst beim Zapfen. Kein Speicher, keine Bereitschaftsverluste, kein Legionellenthema - dafür eine hohe elektrische Anschlussleistung, die bei zentralen Geräten schnell im Bereich von 18 bis 27 Kilowatt liegt und einen entsprechend dimensionierten Anschluss braucht. Elektronisch geregelte Geräte halten die Temperatur konstant, hydraulische schwanken mit dem Durchfluss.

Die Frischwasserstation ist die moderne Kombination: Ein Pufferspeicher hält Heizungswasser bereit, das Trinkwasser wird über einen Plattenwärmetauscher im Durchlauf erwärmt. Damit steht kein Trinkwasser über längere Zeit warm - hygienisch die sauberste Lösung bei zentraler Versorgung.

System Betriebskosten Platzbedarf Besonderheit
Indirekt beheizter Speicher abhängig vom Wärmeerzeuger hoch solar- und heizstabtauglich
Elektroboiler hoch gering bis mittel unabhängig von der Heizung
Brauchwasserwärmepumpe niedrig hoch, braucht Raumluft entfeuchtet den Aufstellraum
Durchlauferhitzer hoch je kWh, aber kein Bereitschaftsverlust sehr gering hohe Anschlussleistung nötig
Frischwasserstation abhängig vom Wärmeerzeuger hoch (Pufferspeicher) kein stehendes Trinkwarmwasser

Zentral oder dezentral?

Die zentrale Lösung versorgt alle Zapfstellen aus einem Gerät. Sie ist im Einfamilienhaus fast immer richtig - vorausgesetzt, die Wege sind kurz. Wo eine einzelne Zapfstelle weit entfernt liegt, etwa ein Gäste-WC im Anbau oder eine Waschküche am anderen Ende des Hauses, ist ein kleiner dezentraler Speicher oder Durchlauferhitzer oft die bessere Wahl: Er spart die lange, dauerwarme Leitung samt Verlusten und Wartezeit.

Die Faustregel dazu: Je länger die Leitung zwischen Erzeuger und Zapfstelle, desto mehr spricht für eine dezentrale Lösung. Denn jede lange Warmwasserleitung braucht entweder eine Zirkulation - die Energie kostet - oder man wartet und lässt kaltes Wasser ablaufen.

Die richtige Größe

Als Anhaltswert gelten rund 100 Liter Speichervolumen pro Person, bei sparsamem Verbrauch entsprechend weniger. Wichtiger als das reine Volumen ist bei Wärmepumpen die Wärmetauscherfläche: Ein Speicher mit großzügig dimensioniertem Register lässt sich mit niedrigerer Vorlauftemperatur laden - und jedes Grad weniger senkt den Stromverbrauch der Wärmepumpe.

Der zweite entscheidende Punkt ist die Dämmung. Ein schlecht gedämmter Speicher verliert täglich bis zu zwei Kilowattstunden, über das Jahr mehr als 700 Kilowattstunden - Wärme, die niemand nutzt. Bei großen Pufferspeichern mit hoher Temperatur summieren sich die Verluste noch stärker. Kontrollieren lässt sich das leicht: Ist der Technikraum im Sommer spürbar warm, geht diese Wärme aus Speicher und Leitungen verloren. Ungedämmte Anschlussleitungen und Armaturen sind dabei ein häufiger, günstig zu behebender Schwachpunkt.

Temperatur und Legionellen

Legionellen vermehren sich vor allem im Bereich zwischen etwa 25 und 50 Grad, oberhalb von 60 Grad sterben sie ab. Die einschlägige Regel in Österreich ist die ÖNORM B 5019: Sie sieht für Trinkwassererwärmungsanlagen mindestens 60 Grad am Austritt aus dem Speicher und mindestens 55 Grad im gesamten Verteilnetz und im Zirkulationsrücklauf vor. Wird unterschritten, verlangt die Norm dokumentierte Ersatzmaßnahmen wie häufigeres Spülen oder engere Probenahmeintervalle. Die Anforderungen im Detail beschreibt die Zusammenfassung zur ÖNORM B 5019.

Die Norm zielt auf zentrale Anlagen in größeren Gebäuden - Hotels, Heime, Mehrparteienhäuser. Im Einfamilienhaus mit kurzen Leitungen und täglicher Nutzung gelten in der Praxis 50 bis 55 Grad als vertretbar, weil das Wasser nicht lange steht. Kritisch wird es bei langen Leitungen, selten genutzten Zapfstellen und bei Ferienhäusern nach längerem Stillstand - dort hilft eine planmäßige Aufheizung und gründliches Durchspülen aller Leitungen.

Für Wärmepumpen ist das ein Zielkonflikt: Hohe Speichertemperaturen kosten Effizienz, weil die Vorlauftemperatur steigt. Übliche Lösungen sind ein Speicher mit großer Tauscherfläche, eine gelegentliche Aufheizung über einen Elektroheizstab statt dauerhaft hoher Temperatur - oder gleich eine Frischwasserstation, bei der kein Trinkwarmwasser gespeichert wird.

Zirkulation richtig betreiben

Eine Zirkulationsleitung sorgt dafür, dass sofort warmes Wasser kommt. Sie ist Komfort - und einer der größten stillen Energiefresser im Haus, wenn sie durchgehend läuft: Die Leitung kühlt permanent aus, die Pumpe fördert rund um die Uhr.

  • Zeitsteuerung: Betrieb nur in den Zeiten, in denen tatsächlich gezapft wird - morgens und abends. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme.
  • Temperatursteuerung: Die Pumpe läuft nur, bis der Rücklauf die Solltemperatur erreicht.
  • Gute Dämmung der Zirkulationsleitung, sonst heizt sie den Keller.
  • Verzicht dort, wo die Leitungen ohnehin kurz sind - im kompakten Einfamilienhaus ist die Wartezeit oft geringer als der Aufwand.

Solar, Photovoltaik und Warmwasser

Warmwasser ist der einzige Wärmebedarf, der im Sommer bleibt - und damit der klassische Anwendungsfall für Solarthermie: Eine passend ausgelegte Anlage kann etwa 60 Prozent des Jahres-Warmwasserbedarfs decken.

Die heute häufigere Variante ist der Umweg über Strom: Ein Heizstab im Speicher, der mit PV-Überschuss betrieben wird, wandelt Strom um, der sonst zu geringem Preis eingespeist würde. Das ist thermodynamisch die schlechteste, wirtschaftlich aber oft die attraktivste Lösung - besonders in Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einer Steuerung, die den Speicher mittags lädt. Noch effizienter ist es, eine vorhandene Wärmepumpe in dieses Zeitfenster zu legen, statt direkt elektrisch zu heizen.

Was Warmwasserbereitung kostet

Position Richtwert
Elektro-Wandspeicher (80 bis 150 Liter) 300 bis 900 Euro
Indirekt beheizter Speicher (300 Liter) 800 bis 2.500 Euro
Brauchwasserwärmepumpe 2.000 bis 4.500 Euro
Elektronischer Durchlauferhitzer 300 bis 900 Euro plus Elektroanschluss
Frischwasserstation 1.000 bis 3.000 Euro
Heizstab mit PV-Überschusssteuerung 300 bis 1.200 Euro
Montage und Anschluss 500 bis 2.000 Euro

Bei den laufenden Kosten entscheidet weniger das Gerät als das, was drumherum passiert: Speicherdämmung, Zirkulationssteuerung, Temperaturniveau und Sparbrausen an Dusche und Waschbecken. Wer beim Duschen den Verbrauch halbiert, spart mehr als jede Optimierung an der Anlage - eine Übersicht dazu bietet der Beitrag zum sparsamen Umgang mit Warmwasser. Welches System zu welchem Gebäude passt, vergleicht auch die Übersicht von klimaaktiv zur Warmwasseraufbereitung.

Häufig gestellte Fragen zur Warmwasserbereitung

Wie groß muss der Warmwasserspeicher sein?

Als Anhaltswert gelten rund 100 Liter Speichervolumen pro Person, ausgehend von etwa 45 bis 50 Litern Warmwasserbedarf pro Person und Tag bei rund 50 Grad. Bei Wärmepumpen ist die Fläche des eingebauten Wärmetauschers ebenso wichtig wie das Volumen: Ein großes Register erlaubt niedrigere Ladetemperaturen und damit weniger Stromverbrauch.

Welche Temperatur ist beim Warmwasser richtig?

Die ÖNORM B 5019 sieht für Trinkwassererwärmungsanlagen mindestens 60 Grad am Speicheraustritt und 55 Grad im Verteilnetz samt Zirkulationsrücklauf vor. Diese Vorgaben zielen auf größere zentrale Anlagen. Im Einfamilienhaus mit kurzen Leitungen und täglicher Nutzung gelten 50 bis 55 Grad in der Praxis als vertretbar, weil das Wasser nicht lange steht.

Ist ein Durchlauferhitzer sinnvoll?

Für einzelne, weit entfernte Zapfstellen ja: Es entstehen keine Bereitschaftsverluste, kein stehendes Warmwasser und kein Legionellenthema. Als zentrale Lösung braucht er eine hohe elektrische Anschlussleistung - bei zentralen Geräten schnell 18 bis 27 Kilowatt - und die Kilowattstunde Wärme kostet so viel wie die Kilowattstunde Strom. Elektronisch geregelte Geräte halten die Temperatur konstanter als hydraulische.

Wie viel Energie geht über den Speicher verloren?

Ein schlecht gedämmter Speicher kann täglich bis zu zwei Kilowattstunden verlieren, im Jahr also über 700 Kilowattstunden. Bei großen Pufferspeichern mit hohen Temperaturen liegen die Verluste noch höher. Ein einfacher Test: Ist der Technikraum im Sommer spürbar warm, geht diese Wärme über Speicher, Armaturen und ungedämmte Leitungen verloren.

Lohnt sich eine Zirkulationsleitung?

Nur bei langen Leitungswegen - und dann unbedingt mit Zeit- oder Temperatursteuerung. Läuft die Zirkulation rund um die Uhr, kühlt die Leitung permanent aus und die Pumpe fördert ständig; das ist einer der größten stillen Energiefresser im Haus. Im kompakten Einfamilienhaus mit kurzen Wegen ist die kurze Wartezeit meist die bessere Lösung.

Wie viel Warmwasser kann eine Solaranlage decken?

Eine passend ausgelegte Solarthermieanlage kann etwa 60 Prozent des Jahres-Warmwasserbedarfs abdecken - im Sommer praktisch vollständig, im Winter nur anteilig. Alternativ lässt sich PV-Überschussstrom über einen Heizstab oder besser über eine vorhandene Wärmepumpe nutzen, gesteuert auf die Mittagsstunden.

Was kostet die Warmwasserbereitung in der Anschaffung?

Ein Elektro-Wandspeicher liegt bei 300 bis 900 Euro, ein indirekt beheizter 300-Liter-Speicher bei 800 bis 2.500 Euro, eine Brauchwasserwärmepumpe bei 2.000 bis 4.500 Euro und eine Frischwasserstation bei 1.000 bis 3.000 Euro. Dazu kommen Montage und Anschluss mit 500 bis 2.000 Euro. Über die Lebensdauer entscheiden aber die Betriebskosten, nicht der Anschaffungspreis.