Bauen und Wohnen in Österreich

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Taubenabwehr an Balkon, Dach und Fassade

Tauben suchen keine Balkone, sie suchen Nischen. Ein überdachter Fenstersims, die Nische hinter dem Klimagerät, der Zwischenraum unter den Photovoltaikmodulen: Was für uns eine bauliche Nebensache ist, entspricht für eine Felsentaube dem natürlichen Brutplatz. In Wien zählt das Wildtierservice seit 2022 etwa 50.000 bis 60.000 Tauben - die Frage ist also nicht, ob sie vorbeikommen, sondern ob sie bei Ihnen einen Platz finden.

Zwei Faktoren entscheiden darüber: Futter und Nistplatz. Beim Futter hat man selten Einfluss, beim Nistplatz fast immer.

Warum die Tauben ausgerechnet bei Ihnen sitzen

Die Tierschutzombudsstelle Wien beschreibt den Unterschied klar: Regelmäßig gefütterte Tauben sammeln sich in großer Zahl an fixen Orten, während ungefütterte Tiere in kleinen Familiengruppen unterwegs sind, ständig in Bewegung bleiben und niemanden stören. Wo also eine Fütterungsstelle in der Nähe ist, wächst der Druck auf alle Gebäude im Umkreis.

Am Haus selbst sind es immer dieselben Stellen: Attika und Mauerkronen, Fensterbank-Simse mit Überdachung, Balkonbrüstungen mit waagrechter Auflage, Nischen hinter Fallrohren und Klimageräten, offene Rollladenkästen, Zwischenräume unter Dachvorsprüngen - und in den letzten Jahren zunehmend der Spalt zwischen Dachhaut und Solarmodulen, der windgeschützt, warm und für Fressfeinde unerreichbar ist.

Was der Kot am Gebäude anrichtet

Taubenkot ist nicht nur ein optisches Problem. Er enthält Harnsäure, die zusammen mit Feuchtigkeit und Ammoniak aggressiv wirkt: Metalle korrodieren, kalkhaltige Steine und Beton werden angegriffen, Lackflächen matt und fleckig. Betroffen sind genau die Bauteile, die ohnehin bewittert sind.

  • Dachrinnen und Fallrohre: Kot und Nistmaterial verstopfen die Entwässerung, das Wasser sucht sich einen anderen Weg. Was daraus folgt, beschreibt der Beitrag zur Dachrinne samt Wartung.
  • Putzfassaden: Verfärbungen dringen ein und lassen sich später kaum mehr wegwaschen, wie im Beitrag zum Außenputz ausgeführt.
  • Photovoltaik: Kot auf den Modulen kostet Ertrag, Nistmaterial darunter behindert die Hinterlüftung. Wer eine Anlage am Einfamilienhaus plant, lässt die Modulränder gleich mitsichern.
  • Geländer und Blechteile: Korrosion beginnt dort, wo Kot liegen bleibt und bei jedem Regen wieder feucht wird.

Gesundheit: einordnen statt dramatisieren

Der Erreger, der in diesem Zusammenhang meistens genannt wird, ist Chlamydia psittaci. Die Übertragung erfolgt laut AGES über Tröpfcheninfektion, also durch das Einatmen von infektiösem Kot, Staub oder Aerosolen; beim Menschen kann eine Lungenentzündung entstehen, typisch sind Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie trockener Husten. Die Fallzahlen sind niedrig: In Österreich wurden 2023 vierzehn Fälle registriert, deutlich mehr als in den Jahren davor.

Für die Praxis heißt das: kein Grund zur Panik, aber ein Grund, den Kot nicht trocken zusammenzukehren. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge:

  1. Fläche anfeuchten, damit kein Staub aufgewirbelt wird.
  2. Handschuhe, Atemschutz und Schutzbrille tragen.
  3. Mit Einwegtüchern aufnehmen und im Restmüll entsorgen.
  4. Die Fläche reinigen und desinfizieren.
  5. Bei großflächigem, jahrelang angesammeltem Kot - etwa am Dachboden - die Arbeit einem Fachbetrieb überlassen.

Was wirkt und was nur so aussieht

Maßnahme Wirkung Haken
Netz vor Balkon oder Lichthof dauerhaft, wenn straff und lückenlos montiert lockeres oder gerissenes Netz wird zur Falle, Wartung ist Pflicht
Spikes auf Simsen und Kanten hält Sitzplätze frei falsch montiert oder verschmutzt wirkungslos bis gefährlich
Spanndrähte unauffällig, gut für Mauerkronen nur bei korrektem Abstand wirksam
Glatte Schrägen und Abdeckungen nimmt die waagrechte Auflagefläche weg baulich zu lösen, dafür wartungsfrei
Attrappen, Windräder, CDs, Bänder kurzfristiger Effekt Gewöhnung; nur mit regelmäßigem Umhängen brauchbar
Nistplatz baulich schließen die einzige dauerhafte Lösung vor der Brutzeit erledigen

In der Bewertung von Netzen und Spikes gehen die Fachmeinungen auseinander. Vier Pfoten rät von Nagelbrettern und Netzen ab, weil sich Tiere daran verletzen oder verfangen können, und empfiehlt stattdessen glatte Acrylschrägen und bewegliche Abschreckung. Die Tierschutzombudsstelle Wien hält Netze und Spikes für zulässig, sofern sie so ausgeführt sind, dass die Tiere nicht zu Schaden kommen, und regelmäßig auf Intaktheit kontrolliert werden. Beide Positionen laufen auf denselben Punkt hinaus: Eine Abwehreinrichtung, die niemand mehr kontrolliert, ist das eigentliche Problem.

Was rechtlich gilt

Nach dem Tierschutzgesetz ist eine Bestandsregulierung durch Töten nicht zulässig. Erlaubt ist das Vergrämen und das Verschließen von Nistplätzen - solange die Tiere dabei nicht verletzt werden. Sitzt bereits ein brütendes Paar, wird zugewartet, bis die Jungvögel flügge sind; erst danach wird die Nische geschlossen.

Beim Füttern trennt die Stadt Wien klar: Auf Privatgrund ist die Fütterung mit geeignetem Futter zulässig, wenn die Eigentümerseite zustimmt. Das Wiener Reinhaltegesetz verbietet dagegen, Futter auf Straßen mit öffentlichem Verkehr sowie auf öffentlich zugänglichen Grün- und Wasserflächen auszubringen. Andere Städte regeln das über eigene Landes- und Gemeindevorschriften - ein Blick in die örtliche Regelung lohnt, bevor der Nachbarschaftsstreit beginnt. Verletzte oder kranke Tiere nimmt in Wien das Wildtierservice entgegen, erreichbar täglich von 7.30 bis 22 Uhr unter 01 4000 49090; die Details stehen bei der Stadt Wien.

Im Mehrparteienhaus kommt ein zweiter Punkt dazu: Ein Netz an Balkon oder Fassade verändert das äußere Erscheinungsbild des Hauses und ist damit in der Regel zustimmungspflichtig - im Wohnungseigentum über die Eigentümergemeinschaft, in der Miete über die Vermieterseite.

Wenn in der Nachbarschaft gefüttert wird

Die wirksamste Einzelmaßnahme liegt oft gar nicht am eigenen Haus. Wo täglich Futter ausgebracht wird, bleibt der Schwarm - und verteilt sich auf alle Dächer im Umkreis. Das Gespräch ist der erste Schritt, weil die Motive meist gut gemeint sind. Hilft es nicht, ist die Fütterung auf öffentlichem Grund je nach Stadt eine Verwaltungsübertretung und bei der zuständigen Stelle des Magistrats oder der Gemeinde zu melden.

Auf städtischer Ebene setzt sich ein anderes Konzept durch: betreute Taubenhäuser. Die Tiere bekommen Futter, Wasser und Nistplätze an einem kontrollierten Ort, die gelegten Eier werden gegen Attrappen getauscht. Damit sinkt die Population ohne Tötung, und der Kot fällt konzentriert dort an, wo er entsorgt werden kann. Wien betreibt seit November 2022 einen solchen Pilot-Taubenschlag im Bereich des Hauptbahnhofs. Für Hauseigentümer ist das insofern relevant, als in Städten mit solchen Anlagen der Druck auf die umliegenden Gebäude messbar nachlässt - eine Alternative zur eigenen Abwehr ist es aber nicht.

Vorbeugen beim Bauen und Sanieren

Der günstigste Zeitpunkt für Taubenabwehr ist der, an dem noch keine Taube da ist. Die Tierschutzombudsstelle Wien betont genau das: Prävention durch Planung schlägt jede spätere Nachrüstung.

  • Waagrechte Auflageflächen vermeiden oder mit Schrägen ausbilden - Simse, Attika-Abdeckungen, Vorsprünge.
  • Rollladenkästen und Lüftungsöffnungen dicht halten, Gitter mit engen Maschen statt offener Schlitze.
  • Solaranlagen mit Randsicherung ausführen, damit der Spalt unter den Modulen gar nicht erst zum Brutplatz wird.
  • Abgelegte Zweige früh entfernen. Der Nestbau beginnt mit ein paar Stöckchen; wer sie wegräumt, verhindert die Brut, ohne in eine bestehende einzugreifen.
  • Balkon regelmäßig nutzen. Ein Balkon, auf dem täglich Betrieb ist, wird selten besiedelt - problematisch sind die selten benutzten Loggien und Lichthöfe.

Häufig gestellte Fragen zur Taubenabwehr

Darf ich Tauben von meinem Balkon vertreiben?

Vergrämen und das Verschließen von Nistplätzen sind zulässig, das Töten zur Bestandsregulierung ist nach dem Tierschutzgesetz verboten. Abwehreinrichtungen müssen so ausgeführt sein, dass die Tiere nicht zu Schaden kommen. Bei einer laufenden Brut wird gewartet, bis die Jungvögel flügge sind.

Sind Spikes und Netze erlaubt?

Die Tierschutzombudsstelle Wien hält beides für zulässig, solange die Ausführung die Tiere nicht verletzt und regelmäßig kontrolliert wird. Tierschutzorganisationen raten davon ab und empfehlen glatte Schrägen. Unstrittig ist: Ein lockeres, gerissenes oder verschmutztes System wird zur Falle und muss gewartet werden.

Wie entferne ich Taubenkot sicher?

Nie trocken kehren. Zuerst anfeuchten, damit kein Staub aufgewirbelt wird, dann mit Handschuhen, Atemschutz und Schutzbrille arbeiten, mit Einwegtüchern aufnehmen und die Fläche anschließend reinigen und desinfizieren. Große, alte Kotschichten etwa am Dachboden gehören in die Hände eines Fachbetriebs.

Wie gefährlich ist Taubenkot für die Gesundheit?

Das Risiko besteht vor allem im Einatmen von Staub. Chlamydia psittaci wird laut AGES über Tröpfcheninfektion übertragen und kann eine Lungenentzündung auslösen. Die Fallzahlen sind niedrig - 2023 wurden in Österreich 14 Fälle registriert. Mit Anfeuchten und Atemschutz ist das Risiko beherrschbar.

Schadet Taubenkot dem Gebäude?

Ja. Die enthaltene Harnsäure wirkt mit Feuchtigkeit aggressiv: Metalle korrodieren, kalkhaltiger Stein und Beton werden angegriffen, Lack und Putz verfärben sich dauerhaft. Dazu verstopfen Kot und Nistmaterial Dachrinnen und Fallrohre, was zu Feuchtigkeitsschäden führt.

Darf man Tauben füttern?

In Wien ist die Fütterung mit geeignetem Futter auf Privatgrund mit Zustimmung der Eigentümerseite zulässig. Das Wiener Reinhaltegesetz verbietet aber, Futter auf Straßen mit öffentlichem Verkehr und auf öffentlich zugänglichen Grün- und Wasserflächen auszubringen. In anderen Städten gelten eigene Vorschriften.

Brauche ich für ein Taubennetz am Balkon eine Zustimmung?

In der Regel ja, weil ein Netz das äußere Erscheinungsbild des Hauses verändert. Im Wohnungseigentum entscheidet darüber die Eigentümergemeinschaft, in einer Mietwohnung die Vermieterseite. Vor der Montage abklären, sonst droht der Rückbau auf eigene Kosten.