Trinkwasser wird in Österreich immer teurer, gleichzeitig fallen jährlich tausende Liter Regenwasser ungenutzt in den Kanal. Die Lösung liegt buchstäblich auf dem Dach: Mit einer Regenwassernutzungsanlage können Sie Niederschlagswasser sammeln und für die Gartenbewässerung, die Toilettenspülung oder die Waschmaschine verwenden. Das spart Trinkwasser, Geld und entlastet die Kanalisation.
Doch die Planung einer Regenwasseranlage wirft viele Fragen auf: Wie groß muss die Zisterne sein? Was kostet der Einbau? Und gibt es dafür Förderungen? In diesem Ratgeber beantworten wir alle Fragen rund um die Regenwassernutzung in Österreich.
Wie funktioniert eine Regenwassernutzungsanlage?
Das Prinzip ist einfach: Regenwasser wird über die Dachfläche aufgefangen, durch einen Filter gereinigt und in einem unterirdischen Tank (Zisterne) gespeichert. Von dort wird es bei Bedarf über eine Pumpe ins Haus oder in den Garten geleitet.
Komponenten einer Regenwasseranlage
- Dachentwässerung: Dachrinnen und Fallrohre leiten das Regenwasser zum Filter.
- Feinfilter: Filtert Laub, Schmutz und Partikel aus dem Regenwasser. Es gibt Fallrohrfilter (einfach) und Erdeinbaufilter (gründlicher).
- Zisterne (Tank): Speichert das gefilterte Wasser unterirdisch, geschützt vor Licht und Wärme. Materialien: Beton oder Kunststoff (PE).
- Beruhigter Zulauf: Leitet das Wasser ohne Aufwirblung des Bodensatzes in den Tank.
- Überlauf mit Siphon: Führt überschüssiges Wasser bei vollem Tank in den Kanal oder eine Sickergrube. Der Siphon verhindert Gerüche.
- Saugpumpe oder Hauswasserwerk: Fördert das Wasser aus der Zisterne zu den Verbrauchsstellen.
- Nachspeisung: Bei leerem Tank schaltet ein automatisches Ventil auf Trinkwasser um, damit die Versorgung nicht unterbrochen wird.
Wofür lässt sich Regenwasser nutzen?
Nicht jede Nutzung erfordert Trinkwasserqualität. In einem durchschnittlichen Haushalt lassen sich bis zu 50 Prozent des Trinkwassers durch Regenwasser ersetzen.
Nutzungsmöglichkeiten im Überblick
| Verwendung | Anteil am Wasserverbrauch | Anforderung an Wasserqualität |
|---|---|---|
| Gartenbewässerung | Circa 5-10% | Gering - Grobfilter genügt |
| Toilettenspülung | Circa 27% | Mittel - Feinfilter erforderlich |
| Waschmaschine | Circa 12% | Mittel - Feinfilter + separate Leitung |
| Fahrzeugwäsche | Circa 2-3% | Gering - Grobfilter genügt |
| Putzen und Reinigung | Circa 3-5% | Mittel - Feinfilter erforderlich |
Regenwasser eignet sich nicht als Trinkwasser und auch nicht zum Kochen oder Duschen. Die Leitungen für Regenwasser müssen in Österreich strikt vom Trinkwassernetz getrennt sein und als solche gekennzeichnet werden.
Die richtige Zisternengröße berechnen
Eine zu kleine Zisterne ist schnell leer, eine zu große unnötig teuer. Die optimale Größe ergibt sich aus Dachfläche, Niederschlagsmenge und Verbrauch.
Faustformel für die Zisternengröße
Als Richtwert gilt: Zisternenvolumen = Jahresverbrauch Brauchwasser in Litern geteilt durch 20. Die Zisterne sollte den Bedarf von circa zwei bis drei Wochen Trockenperiode abdecken.
Ein konkretes Beispiel: Ein 4-Personen-Haushalt nutzt Regenwasser für Gartenbewässerung und Toilettenspülung. Der jährliche Regenwasserbedarf liegt bei circa 80.000 Litern. Die empfohlene Zisternengröße beträgt 4.000 bis 6.000 Liter.
Empfohlene Tankgrößen
- Nur Gartenbewässerung: 2.000 bis 3.000 Liter
- Garten + Toilettenspülung: 4.000 bis 6.000 Liter
- Garten + Toilette + Waschmaschine: 6.000 bis 10.000 Liter
Kosten einer Regenwassernutzungsanlage
Materialkosten nach Tankgröße
| Komponente | Kosten |
|---|---|
| Kunststoff-Zisterne (2.000 Liter) | 800 - 1.500 Euro |
| Kunststoff-Zisterne (5.000 Liter) | 2.000 - 3.500 Euro |
| Beton-Zisterne (5.000 Liter) | 2.500 - 4.000 Euro |
| Kunststoff-Zisterne (10.000 Liter) | 3.500 - 5.500 Euro |
| Filter und Zubehör | 200 - 500 Euro |
| Hauswasserwerk/Pumpe | 300 - 800 Euro |
| Erdarbeiten (Aushub, Verfüllung) | 1.000 - 3.000 Euro |
| Rohrverlegung im Haus (Nachrüstung) | 1.500 - 4.000 Euro |
Gesamtkosten nach Nutzungsumfang
- Nur Gartenbewässerung (oberirdisch): 500 bis 1.500 Euro
- Gartenbewässerung mit unterirdischer Zisterne: 3.000 bis 5.000 Euro
- Komplettanlage Neubau (Garten + Toilette + Waschmaschine): 5.000 bis 8.000 Euro
- Nachrüstung im Bestandsbau: 6.000 bis 12.000 Euro (durch zusätzliche Rohrleitungen)
Förderungen in Österreich
Eine bundesweite Förderung für Regenwassernutzungsanlagen gibt es in Österreich derzeit nicht. Die Förderlandschaft ist regional sehr unterschiedlich - viele Gemeinden und einige Bundesländer bieten jedoch eigene Zuschüsse an.
Landesförderungen
Die Steiermark fördert die Neuerrichtung von Regenwasserzisternen mit einer Pauschalförderung von 1.000 Euro pro Anlage. Voraussetzung ist ein Speichervolumen von mindestens 5 Kubikmetern und die Errichtung in einem der festgelegten Maßnahmengebiete. Der Antrag wird über die teilnehmende Gemeinde gestellt.
Auch andere Bundesländer und zahlreiche Gemeinden bieten Zuschüsse. Die Stadt Graz fördert Regenwasseranlagen mit bis zu 1.000 Euro für Einfamilienhäuser, Linz bezuschusst Anlagen zur Gartenbewässerung und Fahrzeugreinigung. Erkundigen Sie sich direkt bei Ihrer Gemeinde nach aktuellen Förderprogrammen.
Wirtschaftlichkeit - rechnet sich eine Zisterne?
Die Wirtschaftlichkeit hängt von der Haushaltsgröße, dem Nutzungsumfang und den lokalen Wasserpreisen ab. In vielen österreichischen Gemeinden steigen die Wasser- und Kanalgebühren kontinuierlich.
Rechenbeispiel: 4-Personen-Haushalt
- Jährlicher Regenwasserverbrauch: 80 Kubikmeter (Toilette + Garten)
- Wasserpreis: Circa 4 bis 6 Euro pro Kubikmeter (Trinkwasser + Kanal)
- Jährliche Ersparnis: 320 bis 480 Euro
- Investition: 6.000 Euro (Komplettanlage Neubau)
- Amortisation: Circa 13 bis 19 Jahre
Bei steigenden Wasserpreisen verkürzt sich die Amortisationszeit. Im Neubau sind die Kosten geringer als bei einer Nachrüstung, da die Rohrleitungen direkt eingeplant werden können. Wer die Anlage nur für die Gartenbewässerung nutzt, hat geringere Einsparungen, aber auch deutlich niedrigere Investitionskosten.
Beton- oder Kunststoff-Zisterne?
- Beton: Schwerer, stabiler, neutralisiert den sauren Regen-pH-Wert durch die Kalkwirkung, keine Auftriebssicherung nötig. Lebensdauer 50+ Jahre. Schwerer zu transportieren, benötigt Kran für den Einbau.
- Kunststoff (PE): Leichter, günstiger, einfacher zu transportieren und einzubauen. Bei hohem Grundwasserstand muss eine Auftriebssicherung eingeplant werden. Lebensdauer circa 30 Jahre.
Für die meisten Einfamilienhäuser ist eine Kunststoff-Zisterne die praktischere und günstigere Wahl. Bei hohem Grundwasserstand oder sehr großen Volumina bietet Beton Vorteile.
Regenwassernutzung im Neubau vs. Nachrüstung
Im Neubau ist die Integration einer Regenwasseranlage deutlich einfacher und günstiger. Die Rohrleitungen für das Brauchwasser-Netz werden parallel zum Trinkwassernetz verlegt, die Zisterne wird zusammen mit den Erdarbeiten für Keller und Fundament gesetzt.
Bei der Nachrüstung im Bestandsbau ist der Aufwand höher: Wände müssen geöffnet werden, um die separaten Brauchwasserleitungen zu verlegen. Für eine reine Gartenbewässerung genügt jedoch ein einfacher Außenanschluss - diese Lösung ist auch nachträglich problemlos realisierbar.
Wartung und Pflege der Regenwasseranlage
Eine Regenwassernutzungsanlage arbeitet weitgehend wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Regelmäßige Kontrollen sorgen für einwandfreie Funktion und Wasserqualität.
Jährliche Wartungsarbeiten
- Filter reinigen: Zwei- bis dreimal jährlich, besonders im Herbst nach dem Laubfall. Verstopfte Filter verringern den Ertrag erheblich.
- Zisterne kontrollieren: Einmal jährlich den Wasserstand, die Wasserqualität (Geruch, Farbe) und den Sedimentstand prüfen.
- Pumpe prüfen: Funktionstest, Dichtheitsprüfung und gegebenenfalls Entlüftung des Hauswasserwerks.
- Überlauf kontrollieren: Sicherstellen, dass der Überlauf frei ist und Wasser ungehindert ablaufen kann.
- Dachrinnen reinigen: Verstopfte Dachrinnen reduzieren den Wasserertrag und leiten Schmutz in die Zisterne.
Zisterne reinigen
Alle fünf bis zehn Jahre sollte die Zisterne professionell gereinigt werden. Dabei wird der Bodensatz (Sediment) abgesaugt, der sich trotz Filter über die Jahre ansammelt. Kosten: circa 200 bis 400 Euro. Steigen Sie niemals selbst in eine Zisterne - die Gase können lebensgefährlich sein.
Regenwasserertrag berechnen
Wie viel Regenwasser Sie tatsächlich sammeln können, hängt von der Dachfläche, dem Dachmaterial und dem regionalen Niederschlag ab.
Berechnungsformel
Der jährliche Regenwasserertrag berechnet sich wie folgt: Dachfläche (m2) x Niederschlag (mm/Jahr) x Abflussbeiwert = Jahresertrag in Litern.
Der Abflussbeiwert hängt vom Dachmaterial ab:
- Ziegel- und Betondach: 0,80 (80 Prozent des Niederschlags fließen ab)
- Metalldach: 0,90
- Flachdach mit Bitumen: 0,70
- Gründach extensiv: 0,40 bis 0,50
- Gründach intensiv: 0,20 bis 0,30
Rechenbeispiel
Ein Einfamilienhaus mit 120 m2 projizierter Dachfläche und Ziegeldach in Oberösterreich (circa 900 mm Niederschlag pro Jahr):
120 m2 x 900 mm x 0,80 = 86.400 Liter pro Jahr
Das ist mehr als genug für Gartenbewässerung, Toilettenspülung und Waschmaschine eines 4-Personen-Haushalts. Selbst in niederschlagsärmeren Regionen wie dem Burgenland (circa 600 mm) ergibt sich ein Ertrag von 57.600 Litern - ausreichend für Garten und Toilette. Die österreichische Klimawandelanpassung empfiehlt die Regenwassernutzung ausdrücklich als Maßnahme zur nachhaltigen Wasserversorgung.
Regenwasser und Gartenbewässerung
Die einfachste und günstigste Form der Regenwassernutzung ist die Gartenbewässerung. Regenwasser hat gegenüber Leitungswasser sogar Vorteile für Pflanzen: Es ist kalkfrei, hat einen leicht sauren pH-Wert und enthält keine Zusätze wie Chlor.
Einfache Lösungen für den Einstieg
- Regentonne (200-500 Liter): Die einfachste Lösung. Wird am Fallrohr angeschlossen und sammelt Wasser für die manuelle Bewässerung. Kosten: 30 bis 100 Euro.
- IBC-Container (1.000 Liter): Größer und mit Auslaufhahn. Ideal für größere Gärten. Gebraucht ab circa 50 Euro erhältlich.
- Oberirdischer Flachtank: Ästhetischer als ein IBC-Container, 500 bis 2.000 Liter Fassungsvermögen, teilweise mit integrierter Pumpe.
Wer eine automatische Gartenbewässerung plant, kann die Regenwasserzisterne direkt an das Bewässerungssystem im Garten anschließen. Eine Tauchpumpe in der Zisterne liefert den nötigen Druck für Rasensprenger und Tropfbewässerung.
Rechtliche Rahmenbedingungen in Österreich
- Trennung vom Trinkwassernetz: Regenwasserleitungen müssen physisch komplett vom Trinkwassernetz getrennt sein. Eine Verbindung ist aus hygienischen Gründen untersagt.
- Kennzeichnungspflicht: Alle Regenwasser-Entnahmestellen müssen deutlich als Nicht-Trinkwasser gekennzeichnet sein.
- Baugenehmigung: Für den Einbau einer unterirdischen Zisterne ist in den meisten Gemeinden keine Baugenehmigung erforderlich, solange die Abstandsregelungen eingehalten werden. Klären Sie dies im Vorfeld mit Ihrer Gemeinde.
- Überlauf: Der Überlauf der Zisterne muss fachgerecht an das Kanalnetz oder eine genehmigte Sickeranlage angeschlossen werden.
Regenwasser für die Waschmaschine
Die Nutzung von Regenwasser in der Waschmaschine bietet einen überraschenden Vorteil: Regenwasser ist kalkfrei. In kalkhaltigem Leitungswasser binden Waschmittel einen Teil ihrer Wirkung an den Kalk, statt die Wäsche zu reinigen. Mit kalkfreiem Regenwasser benötigen Sie daher bis zu 20 Prozent weniger Waschmittel und die Waschmaschine verkalkt nicht.
Voraussetzungen für die Nutzung:
- Feinfilter: Das Regenwasser muss durch einen Feinfilter (mindestens 0,5 mm Maschenweite) gereinigt sein.
- Separate Zuleitung: Die Regenwasserleitung wird direkt an den Zulauf der Waschmaschine angeschlossen. Bei leerem Tank schaltet ein automatisches Nachspeisventil auf Trinkwasser um.
- Kennzeichnung: Der Regenwasseranschluss an der Waschmaschine muss als Nicht-Trinkwasser gekennzeichnet sein.
Die Hygienebedenken bei Regenwasser in der Waschmaschine sind unbegründet: Moderne Waschmittel und die Waschtemperaturen von 40 bis 60 Grad eliminieren alle relevanten Keime zuverlässig.
Klimawandel und Wasserknappheit in Österreich
Obwohl Österreich als wasserreiches Land gilt, zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend: Trockenperioden im Sommer werden länger, Starkregenereignisse häufiger, und in einigen Regionen sinken die Grundwasserspiegel. Die österreichische Plattform für Klimawandelanpassung empfiehlt die Regenwassernutzung als wichtige Maßnahme zur Entlastung der Trinkwasserversorgung.
Besonders in den östlichen Bundesländern (Burgenland, Niederösterreich, Wien) kann es während sommerlicher Hitzeperioden zu lokaler Wasserknappheit kommen. Gemeinden sprechen dann Bewässerungsverbote für Gärten aus. Wer eine Regenwasserzisterne besitzt, ist davon nicht betroffen und kann seinen Garten auch in Trockenperioden bewässern.
Entlastung der Kanalisation
Ein oft übersehener Vorteil der Regenwassernutzung: Sie entlastet die öffentliche Kanalisation. Starkregenereignisse überfordern die Mischkanalisationen zunehmend und führen zu Überflutungen. Jede Zisterne, die Regenwasser zwischenspeichert, nimmt dem Kanalnetz Spitzenlasten ab. Einige Gemeinden honorieren dies mit reduzierten Kanalgebühren.
Planung im Neubau - Checkliste
Wenn Sie die Regenwassernutzung von Anfang an in Ihren Hausbau einplanen, sparen Sie später tausende Euro gegenüber einer Nachrüstung. Folgende Punkte sollten Sie mit Ihrem Architekten und Installateur klären:
- Zisternenstandort: Nahe am Haus und an der Dachentwässerung, aber außerhalb des Baugrubenbereichs. Mindestabstand zu Nachbargrundstücken und Gebäuden beachten.
- Leitungsführung: Getrennte Leitungen für Trinkwasser und Brauchwasser im gesamten Haus einplanen. Mindestens Toiletten und Waschmaschinenanschluss als Brauchwasser vorsehen.
- Pumpentechnik: Hauswasserwerk im Keller oder Technikraum vorsehen, mit automatischer Nachspeisung bei leerem Tank.
- Überlaufanschluss: Klären Sie mit der Gemeinde, ob der Überlauf in den Kanal oder in eine Sickergrube geführt werden soll.
- Stromversorgung: Steckdose für die Pumpe in der Nähe der Zisterne einplanen.
Häufig gestellte Fragen zur Regenwassernutzung
Wie groß sollte eine Regenwasserzisterne sein?
Für die reine Gartenbewässerung genügen 2.000 bis 3.000 Liter. Für Garten und Toilettenspülung empfehlen sich 4.000 bis 6.000 Liter. Eine Komplettanlage inklusive Waschmaschine benötigt 6.000 bis 10.000 Liter. Die optimale Größe ergibt sich aus Dachfläche, Niederschlagsmenge und geplantem Verbrauch.
Was kostet eine Regenwassernutzungsanlage?
Eine einfache Anlage zur Gartenbewässerung mit oberirdischem Tank kostet 500 bis 1.500 Euro. Eine Komplettanlage im Neubau mit unterirdischer Zisterne, Pumpe und Anschluss an Toilette und Garten liegt bei 5.000 bis 8.000 Euro. Die Nachrüstung im Bestandsbau kann 6.000 bis 12.000 Euro kosten.
Gibt es in Österreich Förderungen für Regenwasserzisternen?
Eine bundesweite Förderung gibt es nicht. Einzelne Bundesländer und viele Gemeinden bieten jedoch eigene Zuschüsse an. Die Steiermark fördert Zisternen pauschal mit 1.000 Euro, Graz ebenso. Erkundigen Sie sich direkt bei Ihrer Gemeinde nach lokalen Förderprogrammen, da die Angebote regional sehr unterschiedlich ausfallen.
Kann ich Regenwasser als Trinkwasser nutzen?
Nein, Regenwasser ist in Österreich nicht als Trinkwasser zugelassen und eignet sich nicht zum Kochen oder Duschen. Es kann für Gartenbewässerung, Toilettenspülung, Waschmaschine, Fahrzeugwäsche und Reinigungszwecke verwendet werden. Die Regenwasserleitungen müssen physisch vom Trinkwassernetz getrennt und als Nicht-Trinkwasser gekennzeichnet sein.
Rechnet sich eine Regenwasseranlage finanziell?
Bei einem 4-Personen-Haushalt mit Nutzung für Garten und Toilette sparen Sie jährlich circa 320 bis 480 Euro an Wasser- und Kanalgebühren. Eine Komplettanlage im Neubau amortisiert sich in circa 13 bis 19 Jahren. Bei steigenden Wasserpreisen verkürzt sich dieser Zeitraum. Im Neubau ist die Investition günstiger als bei einer Nachrüstung.
Beton- oder Kunststoff-Zisterne - was ist besser?
Kunststoff-Zisternen sind leichter, günstiger und einfacher einzubauen. Beton-Zisternen sind stabiler, langlebiger (50+ Jahre) und neutralisieren den sauren pH-Wert des Regenwassers. Bei hohem Grundwasserstand ist Beton vorteilhafter, da keine Auftriebssicherung nötig ist. Für die meisten Einfamilienhäuser ist Kunststoff die praktischere Wahl.
Brauche ich eine Baugenehmigung für eine Zisterne?
In den meisten österreichischen Gemeinden ist für den Einbau einer unterirdischen Regenwasserzisterne keine Baugenehmigung erforderlich, solange die Abstandsregelungen eingehalten werden. Der Überlauf muss fachgerecht an das Kanalnetz oder eine genehmigte Sickeranlage angeschlossen sein. Klären Sie die Anforderungen im Vorfeld mit Ihrer Gemeinde.
Häufige Fehler bei der Regenwassernutzung
- Zu kleine Zisterne: Wer nur 2.000 Liter einbaut, aber Garten, Toilette und Waschmaschine versorgen will, hat im Sommer ständig einen leeren Tank. Planen Sie lieber etwas großzügiger.
- Filter vernachlässigt: Ein verstopfter Filter reduziert den Wasserertrag massiv und verschlechtert die Wasserqualität. Reinigen Sie den Filter mindestens zweimal jährlich.
- Lichteinfall in den Tank: Sonnenlicht fördert Algenwachstum. Die Zisterne muss lichtdicht verschlossen sein. Auch oberirdische Tanks müssen lichtundurchlässig sein.
- Verbindung zum Trinkwassernetz: Eine direkte Verbindung zwischen Regen- und Trinkwassernetz ist in Österreich streng verboten. Auch eine Nachspeisung muss über einen freien Auslauf (Luftlücke) erfolgen, um Rückverkeimung zu verhindern.
- Mangelnde Belüftung der Zisterne: Ohne Be- und Entlüftung können sich Gase bilden. Der Zisternendeckel muss belüftet sein, ein Siphon am Überlauf verhindert Geruchsbelästigung.
Regenwassernutzung und Versickerung kombinieren
Eine sinnvolle Ergänzung zur Zisterne ist eine Versickerungsanlage für den Überlauf. Statt das überschüssige Wasser in den Kanal zu leiten, kann es auf dem eigenen Grundstück versickern und das Grundwasser speisen. Die Steirische Landesregierung fördert Regenwasserzisternen auch deshalb, weil sie die Versickerung und damit die Grundwasserneubildung fördern.
Eine Rigole (unterirdischer Versickerungskörper) nimmt den Überlauf der Zisterne auf und lässt das Wasser langsam ins Erdreich sickern. Kosten: circa 500 bis 1.500 Euro für ein Einfamilienhaus. In manchen Gemeinden wird die Kanalisationsgebühr reduziert, wenn Sie eine Versickerungsanlage betreiben.
Besonders sinnvoll ist die Kombination aus Zisterne und Versickerung in Gebieten mit hoher Bodenversiegelung. Die Zisterne fängt die ersten Liter auf (die am wertvollsten für die Nutzung sind), der Überlauf geht in die Versickerung. So profitieren Sie doppelt: weniger Trinkwasserverbrauch und weniger Kanalgebühren. Die Versickerungsfähigkeit Ihres Bodens können Sie von einem Geologen oder dem zuständigen Bodeningenieur prüfen lassen. Sandige und kiesige Böden versickern hervorragend, lehmige Böden deutlich schlechter. In letzterem Fall empfiehlt sich eine Muldenversickerung statt einer Rigolenversickerung, da die Oberfläche größer ist und das Wasser langsamer abfließen kann. Informieren Sie sich bei Ihrem Gemeindeamt über die lokalen Vorschriften zur Versickerung und eventuelle Förderungen. Manche Gemeinden bieten attraktive Zuschüsse für die Kombination aus Zisterne und Versickerungsanlage, da beide Maßnahmen die öffentliche Kanalisation nachhaltig entlasten und zur Grundwasserneubildung beitragen. Langfristig sparen Sie bei dieser Kombination nicht nur Wasser- sondern auch Kanalgebühren, was die Wirtschaftlichkeit der Gesamtanlage deutlich verbessert. Planen Sie die Versickerungsanlage am besten gleich beim Einbau der Zisterne mit ein, da die Erdarbeiten ohnehin stattfinden und die Zusatzkosten dann vergleichsweise gering ausfallen. Langfristig profitieren Sie gleich dreifach: durch weniger Trinkwasserverbrauch, niedrigere Kanalgebühren und einen aktiven Beitrag zum Grundwasserschutz in Ihrer unmittelbaren regionalen Wohnumgebung.
