Beim Stichwort Blackout denken die meisten zuerst an ein Stromaggregat in der Garage. Der Österreichische Zivilschutzverband sieht das anders: Für Privathaushalte werden Stromaggregate ausdrücklich nicht empfohlen - zu teuer in einer zuverlässigen Ausführung, zusätzliche Brandgefahr durch die Lagerung großer Brennstoffmengen und die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung bei falscher Handhabung. Empfohlen wird stattdessen eine Photovoltaikanlage mit Speicher.
Das ändert nichts daran, dass ein Aggregat in bestimmten Fällen sinnvoll ist, etwa in der Landwirtschaft. Es verschiebt aber die richtige erste Frage: nicht "welches Gerät", sondern "was muss überhaupt weiterlaufen".
Was zuerst ausfällt
Fällt der Strom aus, steht nicht nur das Licht. Am Einfamilienhaus betrifft es der Reihe nach:
- Die Heizung. Umwälzpumpe, Regelung und Brenner brauchen Strom - das gilt für die Gastherme ebenso wie für die Pelletsförderung. Eine Wärmepumpe steht ohnehin still.
- Das Wasser. Wer über einen Hausbrunnen mit Hauswasserwerk versorgt wird, hat ohne Strom keinen Wasserdruck. Am öffentlichen Netz hängt es davon ab, wie lange die Druckerhöhung im Ortsnetz durchhält.
- Kühl- und Gefriergeräte. Sie halten mehrere Stunden, wenn die Tür zubleibt.
- Abwasser bei Hebeanlagen, dazu elektrische Tore, Rollläden ohne Notkurbel und die Lüftungsanlage.
Aus dieser Liste ergibt sich der tatsächliche Leistungsbedarf. In den meisten Haushalten sind es einige hundert Watt für Heizungsregelung, Pumpe, Kühlgerät, Router und Licht - und ein Vielfaches davon, sobald Wärmepumpe, Herd oder Warmwasserbereitung dazukommen. Diese Rechnung entscheidet über alles Weitere.
Was der Zivilschutzverband empfiehlt
Die Vorsorgeempfehlung lautet, bei der Planung von mindestens 10 bis 14 Tagen auszugehen. Der Blackout-Ratgeber des Österreichischen Zivilschutzverbands nennt dazu eine Reihe von Punkten, die nichts kosten und trotzdem selten erledigt sind:
- Wissen, wo sich Wasser, Gas und Strom absperren lassen.
- Ersatzbeleuchtung ohne Feuer - LED-Lampen statt Kerzen, wegen der Brandgefahr und der langen Leuchtdauer.
- Eine stromunabhängige Radiomöglichkeit, Kurbel- oder Batteriegerät, notfalls das Autoradio. Im Ernstfall sendet der ORF-Notfallradiosender rund um die Uhr.
- Bargeld in kleinen Scheinen, weil Kartenzahlung ausfällt.
- Eine Möglichkeit, ohne Strom zu kochen, und geprüfte Medikamentenvorräte.
Beim Trinkwasser nennt die amtliche Information zum Verhalten bei einem Blackout 2,5 Liter pro Person und Tag als Richtwert für das Trinken; für Hygiene und Kochen liegt der tatsächliche Bedarf deutlich höher.
Die Rechnung, die vor dem Kauf steht
Ob Speicher oder Aggregat: Beides wird über den tatsächlichen Tagesbedarf dimensioniert, nicht über die Anschlussleistung des Hauses. Eine Überschlagsrechnung für den Notbetrieb eines Einfamilienhauses, mit bewusst grob gerundeten Annahmen:
| Verbraucher | Betrieb im Notfall | Größenordnung pro Tag |
|---|---|---|
| Kühl- und Gefrierkombination | durchgehend | rund 0,8 kWh |
| Heizungsregelung und Umwälzpumpe | durchgehend | rund 0,5 kWh |
| Router, Telefon, Laden von Geräten | durchgehend | rund 0,3 kWh |
| LED-Beleuchtung | einige Stunden | rund 0,2 kWh |
| Hauswasserwerk | kurze Laufzeiten | rund 0,3 kWh |
| Summe Grundlast | rund 2 kWh |
Ein Speicher mit 10 kWh nutzbarer Kapazität trägt diese Grundlast damit etwa fünf Tage - ohne jede Nachladung. Im Sommer lädt die Photovoltaikanlage täglich nach, der Betrieb ließe sich also praktisch beliebig fortsetzen. Im Dezember sieht die Sache anders aus: Bei wenigen Ertragsstunden und schlechtem Wetter deckt die Anlage die Grundlast bestenfalls teilweise.
Und sobald Warmwasserbereitung, Herd oder Wärmepumpe mitlaufen sollen, ändert sich die Größenordnung komplett - dann geht es nicht mehr um 2 kWh am Tag, sondern um ein Vielfaches. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob die eigene Erwartung "Licht, Kühlschrank, Heizung läuft" oder "alles wie immer" lautet. Wer energieautark bauen will, rechnet ohnehin mit anderen Dimensionen.
Wenn es doch ein Aggregat sein soll
Der gefährlichste Fehler ist die Einspeisung über eine Steckdose. Dabei steht die Hausinstallation - und im schlimmsten Fall das Netz vor dem Haus - unter Spannung, während jemand an der Störung arbeitet. Zulässig ist ausschließlich der Anschluss über eine fest installierte Umschalteinrichtung, und zwar durch eine Elektrofachkraft.
| Anforderung | Warum |
|---|---|
| Schriftliche Zustimmung des Netzbetreibers | Der Anschluss einer Ersatzstromversorgungsanlage ist anmeldepflichtig und wird über die Anschlussvereinbarung geregelt |
| Umschalteinrichtung, drei- oder vierpolig | trennt alle aktiven Leiter sicher vom Verteilernetz |
| Mechanische Verriegelung zwischen Netz- und Ersatzstrombetrieb | schließt aus, dass beide Quellen gleichzeitig anliegen |
| Richtige Schaltreihenfolge des Neutralleiters | er darf beim Trennen nicht vor und beim Zuschalten nicht nach den Außenleitern geschaltet werden |
| FI-Schutzschaltung im Ersatzstrombetrieb | der Schutz muss auch ohne Netz funktionieren |
| Aufstellung im Freien | Abgase enthalten Kohlenmonoxid, das in geschlossenen Räumen tödlich wirkt |
Die technischen Vorgaben stammen aus der OVE E 8101 und der TAEV; die Ausführungsbestimmungen eines heimischen Netzbetreibers führen sie samt Bemessungsstoßspannung und Anordnungsbeispielen aus. Dazu kommen die praktischen Punkte: Ein Aggregat, das jahrelang steht, springt im Ernstfall nicht an - regelmäßiger Probelauf und frischer Kraftstoff gehören dazu. Für Elektronik sind Geräte mit Wechselrichtertechnik die bessere Wahl, weil sie eine sauberere Spannung liefern. Und der Kraftstoff, den man dafür lagern muss, ist genau jener Punkt, den der Zivilschutzverband als Brandgefahr benennt.
Photovoltaik: Notstrom ist nicht Ersatzstrom
Eine normale Photovoltaikanlage liefert bei Netzausfall nichts. Sie schaltet sich ab - genau deshalb, damit niemand am vermeintlich toten Netz arbeitet, während eingespeist wird. Wer die Anlage im Blackout nutzen will, braucht eine Ausführung, die das ausdrücklich kann. Dabei sind zwei Stufen zu unterscheiden:
- Notstrom: Eine eigene Steckdose oder ein separater Stromkreis wird versorgt, meist manuell aktiviert. Das reicht für Router, Licht, Kühlgerät und Heizungsregelung, also für die eingangs berechnete Grundlast von rund 2 kWh pro Tag.
- Ersatzstrom: Die Hausinstallation wird automatisch vom Netz getrennt und weiter versorgt, der Umschaltvorgang dauert Sekunden. Das ist die komfortable, aber teurere Variante und verlangt einen entsprechend ausgelegten Wechselrichter samt Speicher.
Entscheidend ist, das vor der Bestellung zu klären: Nicht jeder Wechselrichter ist schwarzstartfähig, also in der Lage, ohne Netz ein stabiles Inselnetz aufzubauen. Wie ein Stromspeicher dimensioniert wird und was eine Photovoltaikanlage am Einfamilienhaus leistet, ist in eigenen Beiträgen beschrieben. Eine Sonderrolle spielt das Elektroauto als Stromspeicher: Die Batterie im Fahrzeug ist um ein Vielfaches größer als ein üblicher Hausspeicher - vorausgesetzt, Fahrzeug und Ladestation beherrschen die Rückspeisung ins Haus.
Heizen und Kochen ohne Strom
Der wärmste Raum im Blackout ist jener mit einer Feuerstätte, die ohne Strom auskommt. Ein Kachelofen oder ein Kaminofen heizt weiter, solange Brennholz da ist. Wichtig ist die Verbrennungsluft: In dichten Häusern braucht die Feuerstätte eine eigene Zuluftleitung, und eine gleichzeitig laufende Dunstabzugshaube fällt im Blackout ohnehin aus.
Beim Kochen gilt dieselbe Regel wie beim Aggregat: Campingkocher, Gasgeräte und Griller nur mit ausreichend Frischluft und nie in geschlossenen Räumen. Kohlenmonoxid ist geruchlos, und die Zahl der Vergiftungen steigt erfahrungsgemäß genau dann, wenn improvisiert wird.
Häufig gestellte Fragen zu Notstrom und Blackout
Lohnt sich ein Notstromaggregat für ein Einfamilienhaus?
Der Österreichische Zivilschutzverband empfiehlt Stromaggregate für Privathaushalte nicht: zuverlässige Geräte sind teuer, die Lagerung größerer Brennstoffmengen bringt Brandgefahr, und bei falscher Handhabung droht eine Kohlenmonoxidvergiftung. Empfohlen wird stattdessen eine Photovoltaikanlage mit Speicher.
Darf ich ein Aggregat über eine Steckdose einspeisen?
Nein. Das ist lebensgefährlich, weil die Anlage und unter Umständen das Netz vor dem Haus unter Spannung stehen. Zulässig ist nur der Anschluss über eine fest installierte Umschalteinrichtung, die alle aktiven Leiter trennt - installiert von einer Elektrofachkraft und mit Zustimmung des Netzbetreibers.
Liefert meine Photovoltaikanlage bei Stromausfall Strom?
Standardmäßig nicht. Die Anlage schaltet bei Netzausfall ab, damit nicht in ein vermeintlich totes Netz eingespeist wird. Strom im Blackout liefert sie nur mit ausdrücklicher Notstrom- oder Ersatzstromfunktion, dafür braucht es einen schwarzstartfähigen Wechselrichter und in der Regel einen Speicher.
Was ist der Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom?
Notstrom versorgt eine eigene Steckdose oder einen einzelnen Stromkreis, meist manuell zugeschaltet - genug für Router, Licht, Kühlgerät und Heizungsregelung. Ersatzstrom trennt die Hausinstallation automatisch vom Netz und versorgt sie weiter; das ist komfortabler, aufwendiger und teurer.
Wie lange sollte die Vorsorge reichen?
Die Empfehlung lautet, bei der Planung von mindestens 10 bis 14 Tagen auszugehen. Als Richtwert für Trinkwasser gelten 2,5 Liter pro Person und Tag; für Hygiene und Kochen kommt deutlich mehr dazu. Dazu gehören Bargeld, ein stromunabhängiges Radio, LED-Licht und geprüfte Medikamentenvorräte.
Funktioniert die Heizung im Blackout?
In der Regel nicht: Umwälzpumpe, Regelung, Brenner und Pelletsförderung brauchen Strom, eine Wärmepumpe ohnehin. Unabhängig sind nur Feuerstätten ohne elektrische Komponenten, etwa ein Kachelofen oder ein Kaminofen mit ausreichender Verbrennungsluftversorgung.
Warum ist ein Aggregat im Keller oder in der Garage gefährlich?
Weil die Abgase Kohlenmonoxid enthalten. Das Gas ist geruchlos und wirkt in geschlossenen Räumen rasch tödlich. Aggregate gehören ins Freie, mit Abstand zu Fenstern und Lüftungsöffnungen. Dasselbe gilt für Campingkocher, Gasgeräte und Griller.
