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Infrarotheizung in Österreich - Stromverbrauch, Kosten und Nutzen 2026

Eine Infrarotheizung heizt anders als jede Zentralheizung: Statt die Raumluft aufzuwärmen, gibt ein flaches Paneel Strahlungswärme ab, die Wände, Böden und Menschen direkt erwärmt - ähnlich wie die Sonne. Das klingt nach einer eleganten, wartungsfreien Lösung, und für bestimmte Räume ist es das auch. Die entscheidende Frage lautet aber nicht, wie angenehm die Wärme ist, sondern was der Strom kostet.

Denn Infrarotheizungen laufen zu 100 Prozent mit Strom, dem teuersten Energieträger im Haus. Wer sie als alleinige Heizung für ein schlecht gedämmtes Haus einsetzt, zahlt schnell 2.000 Euro und mehr pro Jahr. In einem Passivhaus, als Zusatzheizung im Bad oder in Kombination mit einer eigenen Photovoltaikanlage sieht die Rechnung dagegen völlig anders aus.

Dieser Ratgeber zeigt, wie eine Infrarotheizung funktioniert, was Stromverbrauch und Anschaffung in Österreich konkret kosten, wie sie im Vergleich zur Wärmepumpe abschneidet und in welchen Fällen sie sich wirklich rechnet. Alle Kosten mit Stand 2026.

Wie eine Infrarotheizung funktioniert

Klassische Heizkörper und Konvektoren erwärmen die Luft. Diese warme Luft steigt auf, kühlt an der Decke ab und sinkt wieder - es entsteht eine ständige Luftzirkulation, die Staub aufwirbelt und die Wärme oben sammelt, wo sie niemand braucht. Eine Infrarotheizung arbeitet nach einem anderen Prinzip: Sie sendet langwellige Infrarot-C-Strahlung aus, die von festen Oberflächen im Raum aufgenommen wird. Wände, Möbel, der Fußboden und die Personen im Raum erwärmen sich direkt, ohne dass die Luft als Träger nötig ist.

Das hat einen spürbaren Effekt: Weil die umgebenden Flächen warm sind, empfinden Menschen die Temperatur als höher, als das Thermometer anzeigt. Diese gefühlte Temperatur liegt oft ein bis zwei Grad über der reinen Lufttemperatur. In der Praxis lässt sich die Raumtemperatur dadurch etwas absenken, ohne dass es kühler wirkt. Ein angenehmer Nebeneffekt: Warme Wände nehmen weniger Feuchtigkeit auf, was der Schimmelbildung an kritischen Außenwänden vorbeugt. Und weil kaum Luft bewegt wird, bleibt der Staub am Boden - ein Vorteil für Allergiker.

Die Paneele selbst gibt es in vielen Ausführungen: als schlichte weiße Platten, als Glasheizung, als Spiegel für das Bad oder als bedruckbares Bildmotiv. Technisch unterscheiden sie sich kaum, der Unterschied liegt in Oberfläche und Design.

Stromverbrauch und Wattbedarf

Der Stromverbrauch hängt vor allem von zwei Faktoren ab: der installierten Leistung und den Betriebsstunden. Die Leistung richtet sich nach der Raumgröße und dem Dämmstandard. Als grobe Faustregel gelten folgende Richtwerte pro Quadratmeter Wohnfläche - je schlechter die Dämmung, desto mehr Watt sind nötig.

Dämmstandard Richtwert Leistung pro m²
Passiv- und Niedrigenergiehaus 30 bis 40 Watt
Gut gedämmter Neubau 40 bis 60 Watt
Durchschnittlicher Bestand 60 bis 80 Watt
Unsanierter Altbau 80 bis 100 Watt

Diese Werte sind Anhaltspunkte. Für eine genaue Auslegung zählt die tatsächliche Heizlast des Raumes, in die auch Raumhöhe, Fensterflächen und die Lage im Gebäude einfließen. Ein Eckzimmer mit zwei Außenwänden und großen Fenstern braucht deutlich mehr Leistung als ein gleich großer Innenraum.

Den jährlichen Verbrauch berechnen Sie einfach: Leistung in Kilowatt multipliziert mit den täglichen Betriebsstunden und den Heiztagen. Ein 600-Watt-Paneel, das an 180 Tagen jeweils zwei Stunden läuft, verbraucht 0,6 kW x 2 h x 180 = 216 Kilowattstunden im Jahr. Wichtig: Ein Paneel heizt nicht durchgehend, sondern schaltet über das Thermostat immer wieder ab, sobald die Zieltemperatur erreicht ist. In durchschnittlich gedämmten Räumen reicht oft eine Heizphase von 20 bis 30 Minuten pro Stunde.

Was eine Infrarotheizung im Jahr kostet

Für die laufenden Kosten ist der Strompreis entscheidend. Ein österreichischer Haushalt zahlt 2026 je nach Anbieter und Region rund 25 bis 30 Cent pro Kilowattstunde inklusive Netzentgelt, Steuern und Abgaben. Für die folgenden Beispiele rechnen wir mit 28 Cent pro kWh. Die drei Szenarien zeigen, wie stark die Nutzungsart das Ergebnis bestimmt.

Einsatz Verbrauch pro Jahr Stromkosten pro Jahr
Zusatzheizung Bad (8 m², 600 W, 2 h/Tag) ca. 220 kWh ca. 60 Euro
Hauptheizung gut gedämmter Neubau (100 m²) 5.000 bis 7.000 kWh 1.400 bis 1.960 Euro
Hauptheizung unsanierter Altbau (60 m²) ca. 7.700 kWh ca. 2.150 Euro

Das Muster ist eindeutig: Als punktuelle Zusatzheizung für einen kleinen, gut gedämmten Raum bleibt die Infrarotheizung günstig. Als alleinige Heizung eines schlecht gedämmten Altbaus wird sie zur Kostenfalle. Der Grund liegt im Wirkungsgrad: Aus einer Kilowattstunde Strom entsteht genau eine Kilowattstunde Wärme - nicht mehr. Diese 100 Prozent klingen gut, sind aber der Schwachpunkt, sobald man den teuren Strom mit anderen Energieträgern vergleicht.

Anschaffungskosten

Bei der Anschaffung punktet die Infrarotheizung. Ein einzelnes Paneel kostet je nach Leistung und Ausführung zwischen 200 und 700 Euro. Als Faustregel liegen die Kosten bei rund 50 bis 90 Euro pro 100 Watt Leistung, wobei leistungsstärkere Paneele im Verhältnis günstiger ausfallen.

Leistung Preis pro Paneel Typische Raumgröße
300 Watt 200 bis 350 Euro kleiner Raum, Ergänzung
400 Watt 200 bis 450 Euro Bad, Gäste-WC
600 Watt 250 bis 550 Euro Schlaf- oder Kinderzimmer
800 Watt 300 bis 650 Euro Wohnzimmer, größere Räume

Die Montage ist unkompliziert: Die Paneele werden an Wand oder Decke geschraubt und an eine normale Steckdose oder einen Festanschluss gehängt. Ein Elektriker ist nur bei Festanschluss oder eigenem Thermostatkreis nötig. Es gibt keine wasserführenden Leitungen, keinen Heizraum, keinen Rauchfang und keinen Pufferspeicher. Für ein ganzes Einfamilienhaus summieren sich die Paneele je nach Ausstattung auf etwa 4.000 bis 7.000 Euro - ein Bruchteil dessen, was eine Wärmepumpe vor Förderung kostet.

Infrarotheizung oder Wärmepumpe?

Der Vergleich mit der Wärmepumpe zeigt das grundsätzliche Dilemma der Infrarotheizung am deutlichsten. Beide laufen mit Strom, doch die Wärmepumpe holt sich den Großteil der Energie kostenlos aus Luft oder Erdreich. Ihre Jahresarbeitszahl liegt typischerweise zwischen 3 und 5, das heißt: Aus einer Kilowattstunde Strom macht sie drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Eine Infrarotheizung verbraucht für dieselbe Wärmemenge daher rund doppelt bis dreimal so viel Strom.

Kriterium Infrarotheizung Wärmepumpe
Anschaffung (Einfamilienhaus) 4.000 bis 7.000 Euro 15.000 bis 30.000 Euro (vor Förderung)
Wirkungsgrad 100 % (1 kWh Strom = 1 kWh Wärme) 300 bis 500 % (Jahresarbeitszahl 3 bis 5)
Stromverbrauch (100 m² Neubau) 5.000 bis 7.000 kWh/Jahr 2.000 bis 4.000 kWh/Jahr
Betriebskosten pro Jahr 1.400 bis 2.000 Euro 600 bis 1.100 Euro
Förderung in Österreich keine bis zu 7.500 Euro
Wartung praktisch keine jährliche Wartung empfohlen

Über die gesamte Lebensdauer gerechnet ist die Wärmepumpe im typischen Ein- oder Mehrfamilienhaus fast immer die wirtschaftlichere Lösung, weil die niedrigen Betriebskosten und die Förderung den höheren Anschaffungspreis mehr als ausgleichen. Die Infrarotheizung spielt ihre Stärke dort aus, wo eine Wärmepumpe überdimensioniert wäre: bei sehr geringem Wärmebedarf oder in Räumen, die nur selten geheizt werden.

Wann sich eine Infrarotheizung wirklich lohnt

Die Infrarotheizung ist kein Ersatz für ein zentrales Heizsystem im normalen Wohnhaus - aber in klar umrissenen Situationen die beste Wahl:

  • Passiv- und Niedrigenergiehäuser: Ist der Wärmebedarf ohnehin minimal, fallen die hohen Stromkosten kaum ins Gewicht. Hier kann Infrarot sogar als Hauptheizung sinnvoll sein, weil sich die teure Wärmepumpe nicht amortisiert.
  • Selten genutzte Räume: Gästezimmer, Hobbyraum, Wintergarten oder ein Heimbüro, das nur stundenweise warm sein muss. Die schnelle Strahlungswärme ist sofort da, ohne dass ein ganzer Heizkreis anläuft.
  • Zusatzheizung im Bad: Ein Spiegel- oder Handtuchpaneel sorgt morgens für Wärme, ohne die Zentralheizung im Sommer hochfahren zu müssen.
  • Übergangszeit: An einzelnen kühlen Tagen im Herbst oder Frühling, wenn sich das Anheizen der Hauptanlage nicht lohnt.
  • Ferienwohnungen und selten bewohnte Objekte: Keine Frostschutzproblematik wie bei wasserführenden Systemen, keine Wartung in der Abwesenheit.

Der klassische Fehlkauf ist dagegen die Infrarotheizung als Vollheizung für einen unsanierten Altbau. Hier summieren sich die Stromkosten schnell auf ein Vielfaches einer Wärmepumpe oder eines Fernwärmeanschlusses.

Förderung in Österreich

Für Infrarotheizungen gibt es in Österreich keine spezifische Bundesförderung. Die Sanierungsoffensive des Bundes fördert den Tausch fossiler Heizungen ausdrücklich nur in Richtung Fernwärme, Wärmepumpe oder Holzzentralheizung - Direktstromheizungen zählen nicht zu den geförderten, erneuerbaren Systemen. Ein Umstieg von der Ölheizung auf Infrarot bringt also keinen Zuschuss.

Das ist ein gewichtiger Punkt in der Gesamtrechnung: Während die Wärmepumpe im Einfamilienhaus mit bis zu 7.500 Euro und der Fernwärmeanschluss mit bis zu 6.500 Euro gefördert werden, trägt man die Infrarotpaneele vollständig selbst. Der niedrige Anschaffungspreis relativiert sich dadurch. Einzelne Bundesländer und Gemeinden fördern indirekt über Photovoltaik-Programme - der Weg zur Wirtschaftlichkeit führt bei Infrarot fast immer über den eigenen Solarstrom.

Infrarotheizung und Photovoltaik

Die Kombination mit einer eigenen Photovoltaikanlage ist der entscheidende Hebel, der eine Infrarotheizung wirtschaftlich und ökologisch attraktiv machen kann. Selbst erzeugter Solarstrom kostet über die Lebensdauer der Anlage nur rund 5 bis 8 Cent pro Kilowattstunde - ein Bruchteil des Netzstrompreises. Wer tagsüber mit dem eigenen Dachstrom heizt, senkt die Betriebskosten drastisch.

Der Haken liegt in der Gleichzeitigkeit: Die Sonne liefert am meisten Strom im Sommer und mittags, geheizt wird aber im Winter und abends. Ohne Batteriespeicher deckt die PV-Anlage daher nur einen Teil des Heizbedarfs. In der Übergangszeit und an sonnigen Wintertagen funktioniert die Rechnung gut, im Hochwinter bleibt der Netzbezug. Trotzdem gilt: Eine Infrarotheizung ohne eigene PV-Anlage ist im Dauerbetrieb schwer zu rechtfertigen, mit ihr wird sie zur überlegenswerten Option - besonders im gut gedämmten Neubau.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Nicht jedes Paneel hält, was das Datenblatt verspricht. Diese Punkte trennen ein gutes Gerät von einem schlechten:

  • Richtige Leistung: Lieber ein Paneel etwas stärker dimensionieren und über das Thermostat regeln, als ein zu schwaches Gerät im Dauerbetrieb laufen lassen.
  • Präzises Thermostat: Ein gutes Thermostat mit Wochenprogramm ist der größte Sparfaktor. Es sorgt dafür, dass nur geheizt wird, wenn der Raum genutzt wird.
  • Oberflächentemperatur und Abstrahlung: Paneele mit gleichmäßiger Wärmeverteilung über die gesamte Fläche geben die Strahlung effektiver ab als solche mit heißen Punkten.
  • Platzierung: Infrarot wirkt nur auf freie Flächen, die es direkt bestrahlt. Ein Paneel hinter einem großen Schrank oder Vorhang verliert seine Wirkung. Wand- oder Deckenmontage mit freier Sicht in den Raum ist optimal.
  • Verarbeitung: Die Technik ist simpel und langlebig, es gibt keine beweglichen Teile. Auf saubere Verarbeitung, Prüfzeichen und Garantie sollten Sie dennoch achten.

Häufig gestellte Fragen zur Infrarotheizung

Wie hoch ist der Stromverbrauch einer Infrarotheizung?

Das hängt von Leistung und Betriebsstunden ab. Ein 600-Watt-Paneel, das täglich zwei Stunden läuft, verbraucht über eine Heizsaison rund 220 Kilowattstunden. Als Hauptheizung für ein gut gedämmtes 100-m²-Haus liegt der Jahresverbrauch bei 5.000 bis 7.000 Kilowattstunden, in einem unsanierten Altbau deutlich höher. Den Verbrauch berechnen Sie mit der Formel: Leistung in Kilowatt mal tägliche Betriebsstunden mal Heiztage.

Was kostet eine Infrarotheizung im Jahr?

Bei einem Strompreis von rund 28 Cent pro Kilowattstunde kostet ein Paneel als Zusatzheizung im Bad etwa 60 Euro im Jahr. Als Hauptheizung eines gut gedämmten Neubaus liegen die Stromkosten bei 1.400 bis 2.000 Euro, in einem schlecht gedämmten Altbau bei über 2.000 Euro pro Jahr. Deshalb ist die Infrarotheizung als alleinige Heizung nur bei sehr niedrigem Wärmebedarf sinnvoll.

Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Wärmepumpe?

Nur bei der Anschaffung. Eine Infrarotheizung kostet für ein Einfamilienhaus 4.000 bis 7.000 Euro, eine Wärmepumpe 15.000 bis 30.000 Euro vor Förderung. Im Betrieb dreht sich das Verhältnis um: Die Wärmepumpe verbraucht dank Jahresarbeitszahl 3 bis 5 nur ein Drittel bis die Hälfte des Stroms, wird gefördert und ist über die Lebensdauer im normalen Wohnhaus fast immer günstiger.

Wie viel Watt braucht eine Infrarotheizung pro Quadratmeter?

Als Faustregel gelten 30 bis 40 Watt pro Quadratmeter im Passiv- oder Niedrigenergiehaus, 40 bis 60 Watt im gut gedämmten Neubau, 60 bis 80 Watt im durchschnittlichen Bestand und 80 bis 100 Watt im unsanierten Altbau. Der genaue Bedarf richtet sich nach der Heizlast des Raumes, in die auch Raumhöhe, Fensterflächen und die Zahl der Außenwände einfließen.

Wird eine Infrarotheizung in Österreich gefördert?

Nein. Die Sanierungsoffensive des Bundes fördert den Heizungstausch nur in Richtung Fernwärme, Wärmepumpe oder Holzzentralheizung. Infrarot- und andere Direktstromheizungen gelten nicht als erneuerbares System und erhalten keinen Bundeszuschuss. Indirekt lässt sich die Wirtschaftlichkeit über geförderte Photovoltaik verbessern, weil der Betrieb mit eigenem Solarstrom deutlich günstiger ist.

Für welche Räume ist eine Infrarotheizung sinnvoll?

Ideal ist die Infrarotheizung für selten oder kurz genutzte Räume mit gutem Dämmstandard: Bad, Gästezimmer, Hobbyraum, Wintergarten oder Heimbüro. Auch in der Übergangszeit und in Ferienwohnungen spielt sie ihre Stärken aus, weil die Strahlungswärme sofort da ist und keine Wartung anfällt. Als Vollheizung eignet sie sich nur in Passiv- und Niedrigenergiehäusern.

Lohnt sich eine Infrarotheizung mit Photovoltaik?

Die Kombination ist der entscheidende Faktor. Eigener Solarstrom kostet nur 5 bis 8 Cent pro Kilowattstunde statt 25 bis 30 Cent aus dem Netz. An sonnigen Tagen und in der Übergangszeit deckt die PV-Anlage einen großen Teil des Heizbedarfs. Im Hochwinter, wenn wenig Solarstrom fließt und viel geheizt wird, bleibt allerdings der Netzbezug - ganz ohne Netzstrom kommt die Infrarotheizung nicht aus.