Bauen und Wohnen in Österreich

info@pieno.at

Elektroinstallation im Neubau - Leerrohre, Planung, Smart Home vorbereiten

Warum die Elektroplanung vor dem Rohbau entscheidet

Die Elektroinstallation ist einer der unsichtbarsten Teile eines Neubaus - und gleichzeitig einer der teuersten, wenn man sie falsch macht. Was im Rohbau in einer Stunde zusätzlich verlegt wird, kostet nach dem Einzug ein Vielfaches. Eine einzelne Steckdose, die später aufgestemmt, verkabelt, verputzt und neu tapeziert werden muss, ist schnell fünf- bis zehnmal teurer als dieselbe Dose während der Rohinstallation.

Hinzu kommt: Wände, in denen bereits Kabel liegen, werden beim Nachrüsten zur Lotterie. Bohren ohne Leitungssucher endet im Kabelschaden, mit Leitungssucher im Kompromiss. Wer einmal im fertigen Wohnzimmer eine zusätzliche Deckenleuchte nachgerüstet hat, schwört sich, das nie wieder zu tun.

Der Neubau ist die einzige Lebensphase eines Hauses, in der Elektroinstallation günstig, sauber und vollständig ist. Jede Entscheidung, die hier getroffen wird, prägt den Wohnkomfort für die nächsten dreissig Jahre. Wer heute Leerrohre für eine Wallbox legt, braucht sie in fünf Jahren nicht mehr durch Garten und Fassade ziehen. Wer heute CAT6 in jedes Zimmer verlegt, nutzt 2040 noch stabile Gigabit-Verbindungen, wenn das WLAN streikt.

Wann planen? So früh wie möglich, spätestens beim Grundriss

Viele Bauherren besprechen die Elektrik erst, wenn der Rohbau steht und der Elektriker zum Schlitzen anrollt. Das ist zu spät. Gute Elektroplanung beginnt parallel zur Grundrissplanung - also Monate bevor der erste Kran aufgestellt wird.

Der Grund ist einfach: Die Position jedes Möbels bestimmt die Position jeder Steckdose. Wer nicht weiss, wo das Bett steht, weiss nicht, wo die Nachttisch-Steckdosen hinkommen. Wer nicht weiss, wo der Esstisch steht, hat später eine Deckenleuchte an der falschen Stelle. Ein Einreich- oder Ausführungsplan mit Möbelstellung ist die Grundlage jeder sinnvollen Elektroplanung. Auf der Hausbau-Checkliste der Wüstenrot findet sich eine gute Orientierung, welche Schritte vor der Rohinstallation erledigt sein sollten.

Ein professioneller Elektroinstallationsplan, meist vom ausführenden Elektriker oder einem spezialisierten Planer erstellt, kostet laut dem Baukostenrechner von daibau.at zwischen 500 und 2.000 Euro und liefert Materiallisten, Lichtpläne mit Wattangaben, Telekommunikationspläne sowie Erdungs- und Stromkreisdiagramme. Bei einem Projekt, das in Summe schnell 25.000 Euro Elektrokosten erreicht, ist das gut investiertes Geld.

Elektroplaner mit Installationsplan auf einer Baustelle im Rohbau

Leerrohre richtig verlegen - das wichtigste Handwerkszeug gegen spätere Kosten

Leerrohre sind Kunststoffrohre, durch die später Kabel gezogen werden können. Sie sind die Versicherungspolice gegen alles, was heute noch nicht absehbar ist: neue Technologien, geänderte Möblierung, zusätzliche Smart-Home-Komponenten. Wer grosszügig Leerrohre legt, kann praktisch jede spätere Nachrüstung ohne Stemmarbeiten durchführen.

Sinnvolle Durchmesser liegen bei DN 25 bis DN 40. DN 25 reicht für einzelne Datenkabel oder KNX-Leitungen, DN 32 ist der Standard für flexiblere Einsätze, und DN 40 bis DN 50 werden dort verwendet, wo dicke Zuleitungen wie Wallbox-Kabel oder PV-Strings durchgezogen werden. Gebogen werden sollten sie möglichst sanft - maximal zwei 90-Grad-Bögen pro Abschnitt, sonst wird das Einziehen späterer Kabel zum Albtraum.

Ein oft unterschätzter Punkt: Beide Enden eines Leerrohrs müssen erreichbar und gekennzeichnet bleiben. Ein blindes Rohrende im Estrich, dessen Verlauf niemand mehr kennt, ist wertlos. Zieht man gleich einen Pilotdraht (Einzugsdraht) mit ein, ist das spätere Einziehen ein Minutenjob statt einer Stunde Frust.

Fotoprotokoll: die vielleicht beste Stunde Ihres Neubaus

Wenn der Elektriker die Rohinstallation abgeschlossen hat und der Verputzer anrückt, haben Sie genau ein Zeitfenster, das sich nie wieder öffnet. Nehmen Sie ein Smartphone, einen Zollstock oder Lasermesser und fotografieren Sie jede Wand. Systematisch, Raum für Raum, mit klaren Referenzpunkten (Ecke, Tür, Fenster) und sichtbarer Längeneinheit.

Diese Fotos werden in fünfzehn Jahren Gold wert sein. Wenn Sie ein Regal aufhängen, eine neue Leuchte setzen oder den Wasserhahn austauschen wollen - die Fotos zeigen, wo Leitungen verlaufen und wo gefahrlos gebohrt werden kann. Eine saubere Dokumentation ist laut DIN 18015-1 und DIN VDE 0100-600 ohnehin verpflichtend, aber das offizielle Übergabeprotokoll reicht selten für eigene Nachrüstarbeiten.

Apps wie ImageMeter oder spezialisierte Dokumentationstools machen den Vorgang effizienter, aber auch der simple Fotoordner mit Raumbezeichnungen funktioniert. Wichtig ist nur: vor dem Verputzen fotografieren. Danach ist es zu spät.

Die Steckdosen-Faustregel: lieber zwanzig zu viel als eine zu wenig

Die österreichische Norm OVE E 8101 und die deutsche DIN 18015-2 definieren nur Mindestausstattungen. Die Praxis hat sich davon längst gelöst. Wer heute baut und auf die Mindestausstattung geht, wird in drei Jahren überall Mehrfachstecker sehen - und Mehrfachstecker sind Brandrisiko Nummer eins in Wohnungen.

Die Richtlinie RAL-RG 678 kennt drei Ausstattungsstufen: ein Stern (Minimum), zwei Sterne (Standard) und drei Sterne (Komfort). Die Drei-Sterne-Ausstattung ist für einen Neubau heute das Mindeste, das man sich selbst schulden sollte. Konkrete Richtwerte:

  • Wohnzimmer (ab 20 m²): mindestens 10-15 Steckdosen, idealerweise in Dreifach-Kombinationen an gegenüberliegenden Wänden. Fernseh-Ecke: zusätzlich vier bis sechs Dosen (TV, Soundbar, Spielkonsole, Router, Streaming-Geräte).
  • Küche: 8-12 Steckdosen entlang der Arbeitsfläche, plus eigene Stromkreise für Backofen, Geschirrspüler und Induktionsfeld. Dunstabzug, Kaffeemaschine und Kühlschrank je mit eigenem Anschluss.
  • Schlafzimmer: mindestens acht Steckdosen, je zwei pro Bett-Nachttisch, dazu Kommoden- und Fernseh-Bereich.
  • Kinderzimmer: Mindestens acht Steckdosen. Kinder werden Teenager, Teenager haben Laptops, Drucker, Ladegeräte, Spielkonsolen.
  • Bad: zwei bis drei Steckdosen in Spiegelnähe, mit Abstand zu Dusche und Wanne. Eigener Stromkreis, FI-Schutzschalter zwingend.
  • Arbeitszimmer / Homeoffice: acht Steckdosen, davon vier direkt am Schreibtisch.
  • Flur / Eingang: pro Etage mindestens eine Steckdose, zusätzlich eine für den Staubsauger-Robotik-Bereich.

Die Faustregel „alle zwei Meter eine Steckdose entlang nutzbarer Wände" ist eine gute Orientierung. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 130 bis 150 Quadratmeter Wohnfläche sollten 60 bis 80 Steckdosen eingeplant sein - das alte Ziel von 34 Dosen stammt aus einer Zeit ohne Laptops, Smartphones und E-Bike-Ladestationen.

Schalter, Taster, Dimmer - wo was hingehört

Lichtschalter gehören neben die Türklinke, auf 105 Zentimeter Höhe, auf der Schliess-Seite der Tür. Klingt banal, wird aber in jedem zweiten Rohbau falsch gemacht, weil die Tür am Ende doch anders herum angeschlagen wird.

In langen Fluren und Treppenhäusern sind Wechsel- oder Kreuzschaltungen Pflicht - niemand will im Dunkeln die Treppe hinunter, um das Licht auszumachen. Ein Taster für die zentrale Lichtsteuerung am Haupteingang („Alle Lichter aus") spart beim Verlassen Zeit und Energie.

Dimmer lohnen sich vor allem im Wohn- und Essbereich. Wer im Neubau plant, auf LED zu gehen (und das sollte jeder), muss dimmbare LED-Leuchtmittel und passende Dimmer einplanen. Normale Phasenanschnitt-Dimmer funktionieren mit vielen LEDs nicht sauber - hier besser direkt auf eine digitale Lichtsteuerung setzen.

Netzwerk verkabeln: CAT6 oder CAT7 in jedes Zimmer

WLAN ist bequem, aber WLAN hat Grenzen. Jede ernsthafte Anwendung - Streaming in 4K, Videokonferenzen, Gaming, Smart-TV-Apps, Homeoffice-VPN - profitiert von kabelgebundener Verbindung. Im Neubau strukturierte Netzwerkverkabelung zu sparen, ist einer der Fehler, die man am längsten bereut.

Empfehlung: mindestens zwei CAT6- oder CAT6A-Dosen pro Raum, idealerweise CAT7-Verlegekabel. CAT6A reicht für 10 Gigabit auf 100 Metern, CAT7 hat Reserven nach oben. Alle Kabel sternförmig zu einem zentralen Punkt, typischerweise einem 19-Zoll-Schrank oder einem Netzwerkverteiler im Technikraum oder Hauswirtschaftsraum.

Dort endet die strukturierte Verkabelung auf einem Patchfeld. Von dort führen kurze Patchkabel auf einen Switch. Der Vorteil: Wer irgendwann eine Dose von „Internet" auf „Telefonanlage" oder „Gebäudemanagement" umfunktionieren will, steckt einfach um. Keine Nacharbeit an den Wanddosen.

Nicht vergessen: auch Access Points fürs WLAN brauchen Kabelanschlüsse. Pro 80 bis 100 Quadratmeter Wohnfläche sollte ein LAN-Anschluss an der Decke oder hoch an der Wand für einen Access Point vorgesehen sein. Moderne Access Points werden per Power-over-Ethernet versorgt, brauchen also keine separate Steckdose.

Smart-Home-Ready: KNX vorbereiten ohne sofort zu bauen

Wer im Neubau entscheidet, ob er ein Bussystem wie KNX einbauen will, steht vor einer klassischen Zwickmühle: KNX ist teurer in der Anschaffung, dafür langlebig und herstellerunabhängig. Funk-Lösungen sind billig und flexibel, aber anfällig und proprietär. Wer auf Nummer sicher gehen will, ohne sofort komplett KNX zu verkabeln, bereitet vor.

Die pragmatische Mittellösung: KNX-Leitungen (grünes BUS-Kabel, Typ J-Y(St)Y 2x2x0,8) zu allen Schalterdosen mitverlegen und zentral im Technikraum zusammenführen. Das kostet im Neubau nur wenige Hundert Euro extra. Wer sich später für KNX entscheidet, schliesst nur noch die Aktoren an. Wer bei konventioneller Schaltung bleibt, ignoriert das Kabel einfach.

Ein einschlägiger Beitrag des KNX-Bloggers zur Verlegung im Leerrohr warnt allerdings vor der Illusion, Leerrohre würden alles lösen. Mehrere Kabel durch ein Rohr mit zwei Bögen zu ziehen, wird in der Praxis schwierig. Besser: direkt das KNX-Kabel mit einziehen, Leerrohre nur dort, wo spätere Ergänzungen realistisch sind. Eine tiefergehende Übersicht zu Systemwahl, Komponenten und Planungsgrundlagen finden Sie auch in unserem Beitrag Smart Home Grundlagen.

Zentrale Smart-Home-Komponenten brauchen Platz: Server, Gateway, Netzwerkspeicher, Audio-Zentrale, Alarmanlage. Der Technikraum sollte mindestens einen 19-Zoll-Schrank mit 12 bis 15 Höheneinheiten aufnehmen können, belüftet und mit eigenem FI-Kreis abgesichert.

Geöffneter Verteilerkasten mit Leitungsschutzschaltern, FI-Schaltern und Netzwerk-Patchfeld

Stromkreise und Absicherung: Was im Verteilerkasten passiert

Jeder Haushalt hat heute Geräte, die früher nicht existierten: Induktionsfeld, Dampfgarer, Wärmepumpen-Boiler, Wallbox, PV-Wechselrichter. Ein Verteilerkasten, der in den neunziger Jahren mit acht Sicherungen auskam, braucht heute dreissig bis fünfzig Leitungsschutzschalter.

Planen Sie grosszügig. Eigene Stromkreise sind Pflicht für: Küche (inkl. je eigenem Kreis für Backofen, Geschirrspüler, Induktion), Waschmaschine, Trockner, Badezimmer, Heizung, Wallbox, PV-Wechselrichter, Aussenbereich, Garage. In Summe sind das zwölf bis zwanzig separate Kreise, bevor man überhaupt einzelne Räume angeschaut hat.

Beim Schutz: Der aktuelle Stand der Technik in Österreich nach der OVE-Norm E 8101 sieht FI-Schutzschalter (RCD) für fast alle Stromkreise vor. Die 2025er-Ausgabe der Norm verbietet sogar den Einsatz reiner AC-RCDs in neuen Installationen - moderne Elektronik mit Frequenzumrichtern oder DC-Anteilen (Wallboxen, PV) braucht Typ A, B oder EV. Ein Sammel-FI für das ganze Haus ist nicht mehr zulässig. Besser: mehrere FIs, damit ein Fehlerstrom nicht gleich das halbe Haus dunkel macht.

Der Verteilerkasten selbst wird grösser als früher. Rechnen Sie mit einer Unterverteilung, die laut daibau.at als Stromverteiler innen 1.000 bis 2.400 Euro kostet - bei Mehrfamilienhäusern oder grossen Einfamilienhäusern auch mehr. Lieber ein Feld zu gross als zu klein: die zehn Prozent Reserve für spätere Erweiterungen sind schnell aufgebraucht.

Aussenbereich: Terrasse, Garten, Hauseingang

Im Garten werden Fehler der Elektroplanung besonders teuer. Wer hier Leitungen vergisst, buddelt später den Rasen auf oder legt Kabel an der Hauswand entlang. Beides macht keinen Spass.

Basispaket Aussenbereich: mindestens eine Steckdose pro Terrassen-Seite, eine beim Hauseingang, eine bei der Garage, eine in der Mitte des Gartens (zum Beispiel an einem Gartenhaus oder einer Pergola). Alle in IP44, bei frei ausgesetzten Plätzen besser IP54 oder IP65. Jede Aussen-Steckdose an einem eigenen oder gemeinsamen FI-Kreis, strikt getrennt von den Innenräumen.

Zusätzlich zu denken: Markisenantrieb (230V-Leitung an die Fassade), Aussenbeleuchtung am Hauseingang mit Bewegungsmelder, Beleuchtung entlang der Gartenwege, Teichtechnik oder Pool-Filter falls geplant, Gartenbewässerung (Magnetventile), Rasenmäher-Roboter (Ladestation mit Leerrohr zur Rasenfläche).

Ein Leerrohr vom Technikraum ins Gartenhaus oder zur Carport-Rückseite kostet wenige Euro im Rohbau und erspart später das Aufgraben der Terrasse. Ein Tipp: alle Leerrohre im Aussenbereich mit Einzugsdraht und Endkappe versehen. Sonst sind sie bei der Gartenbefestigung in zwei Jahren verloren.

Beleuchtung: warmweiss oder neutralweiss?

Die Lichtfarbe entscheidet über den Wohlfühlfaktor eines Raumes. Warmweiss (2.700-3.000 Kelvin) wirkt gemütlich, ist aber im Arbeitsbereich müde machend. Neutralweiss (3.500-4.000 Kelvin) ist klar und produktiv, aber ungemütlich im Wohnzimmer. Tageslichtweiss ab 5.000 Kelvin gehört in Werkstatt und Keller, nicht ins Schlafzimmer.

Die sauberste Lösung: „Tunable White" - Leuchten mit stufenlos einstellbarer Farbtemperatur. Das braucht allerdings DALI-Steuerung oder KNX, also wieder die Bus-Leitung im Leerrohr. Wer klassisch bleibt, sollte sich pro Raum festlegen: Küche und Bad neutralweiss, Wohn- und Schlafzimmer warmweiss.

Indirekte Beleuchtung wird heute oft mit LED-Strips in abgehängten Decken oder in Wandnischen realisiert. Dafür müssen Kabelenden (meist 230V-Anschluss und schmale Dimmer- oder DALI-Leitungen) an den richtigen Positionen aus der Wand kommen. Diese Punkte gehören in den Plan, bevor der Verputzer anrückt - nachträgliches Schlitzen hinter einer Deckenabhängung ist aufwendig.

E-Auto-Wallbox vorbereiten: auch ohne E-Auto heute

Selbst wer aktuell kein Elektroauto fährt, sollte im Neubau vorbereitet sein. 2035 sind in der EU keine neuen Verbrenner mehr zugelassen. Eine Wallbox-Vorbereitung im Rohbau kostet ein paar Hundert Euro, das spätere Nachrüsten im bewohnten Haus schnell das Zehnfache.

Was heisst „vorbereiten"? Ein Leerrohr DN 40 bis DN 50 vom Verteilerkasten zur Garage oder zum Stellplatz, möglichst auf kurzem Weg und mit Einzugsdraht. Im Verteilerkasten Platz für einen 3x16A- oder 3x32A-Abgang reservieren, sprich: Hutschiene frei lassen, Beschriftung anbringen. Ein Drehstromkabel 5x6 mm² reicht für 11 kW, 5x10 mm² für 22 kW - wobei 22 kW in Österreich genehmigungspflichtig sind und meist nicht nötig.

Wenn die Garage weiter als 15 Meter vom Hauptverteiler weg ist, macht eine eigene Unterverteilung in der Garage Sinn. Sie bündelt Wallbox, Garagenlicht, eventuelle weitere Abgänge für Werkstatt oder E-Bike-Ladepunkte. Die Leitung zum Hauptverteiler wird einmal dick genug dimensioniert - dann kann später problemlos erweitert werden. Ausführliche Entscheidungshilfen zur Auswahl der passenden Wallbox-Leistung und zu Förderungen finden Sie im Beitrag Wallbox für das Haus.

PV-Anlage vorbereiten: Leerrohr vom Dach, Platz im Technikraum

Wer 2026 ein Haus baut und keine Photovoltaik plant, plant vermutlich nur heute keine. In fünf Jahren wird sich die Frage neu stellen. Deshalb gilt: PV-Vorbereitung gehört in jeden Neubau.

Konkret: ein Leerrohr DN 40 bis DN 50 vom Dachboden beziehungsweise der Dachhaut zum Technikraum. Oder zwei kleinere Rohre, zum Beispiel zweimal DN 25. Damit lassen sich später die DC-Strings der Module zum Wechselrichter führen, plus eine Datenleitung für das Monitoring. Der Verlauf sollte so gerade wie möglich sein - jeder Bogen macht den späteren Einzug aufwendiger.

Im Technikraum sollten mindestens zwei Quadratmeter freie Wand reserviert sein: für Wechselrichter, Batteriespeicher und Monitoring-System. Ein Batteriespeicher der Mittelklasse misst heute etwa 1,7 Meter Höhe, 60 Zentimeter Breite und 30 Zentimeter Tiefe - und braucht einen eigenen Stromkreis sowie Datenanschluss. Platz für einen zweiten Speicher zur späteren Erweiterung gleich einplanen.

Ziegeldurchführungen oder Dachlüfter an der geplanten Kabelaustrittsposition sollten schon beim Dachdecken mitgedacht werden. Wer das nicht tut, öffnet später das Dach zum Durchbohren - ein vermeidbarer Schritt.

Österreichische Normen: OVE E 8101 und der E-Befund

In Österreich ist die aktuelle Referenznorm für Niederspannungsinstallationen die OVE E 8101, die seit 2019 die ältere ÖVE/ÖNORM E 8001 abgelöst hat. Die Norm entspricht technisch der europäischen Harmonisierungsdokument-Reihe HD 60364 und gilt für Wohngebäude, Gewerbe, Baustellen, Photovoltaik und mehr.

Eine gesetzliche Vorschrift im strengen Sinn ist sie nicht (sie kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht verbindlich erklärt werden), sie gilt aber als anerkannter Stand der Technik. Wer davon abweicht, haftet. Die Ausgabe 2025 bringt Verschärfungen bei Fehlerstromschutz, Erzeugungsanlagen und der Dokumentation des Spannungsabfalls.

Im Neubau wird die Anlage nach Fertigstellung vom ausführenden Elektriker geprüft und ein Abnahmeprotokoll erstellt. Dieses Protokoll - oft als E-Befund bezeichnet - ist für Wohnhäuser nicht verpflichtend, wird aber von Versicherungen zunehmend verlangt. Bei gewerblichen Anlagen gibt es eine gesetzliche Überprüfungspflicht in festgelegten Intervallen.

Bewahren Sie das Übergabeprotokoll sorgfältig auf. Es dokumentiert, dass die Installation zum Zeitpunkt der Fertigstellung normgerecht war. Bei späteren Versicherungsfällen oder Verkäufen ist das ein zentrales Dokument.

Kosten: Was eine Elektroinstallation im Neubau wirklich kostet

Die Bandbreite ist gross, die Rechenlogik aber nachvollziehbar. Laut dem Baukostenrechner von daibau.at liegen die Kosten für Roh- und Feininstallation in einem durchschnittlichen österreichischen Einfamilienhaus bei 90 bis 180 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für ein 150-Quadratmeter-Haus ergibt das 13.500 bis 27.000 Euro allein für die eigentliche Installation.

Hinzu kommen:

  • Elektroinstallationsplan: 1.000-3.000 Euro
  • Messungen und Abnahme: 300-450 Euro
  • Netzanschluss: 1.000-2.400 Euro
  • Stromverteiler innen: 1.000-2.400 Euro
  • Stromverteiler aussen: 1.200-3.600 Euro (wenn nötig)

In Summe landen Bauherren bei 15.800 bis 32.850 Euro für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern - ohne Smart-Home-Premiumausstattung, ohne PV, ohne Wallbox. Das sind grob zehn bis fünfzehn Prozent der Gesamtbaukosten.

Wer KNX, DALI, Alarmanlage und vollständige Smart-Home-Ausstattung plant, landet schnell bei 40.000 bis 60.000 Euro nur für Elektrik und Bustechnik. Umgekehrt kann man mit reduzierter Ausstattung unter 15.000 Euro bleiben - wird diese Entscheidung aber fast immer bereuen.

Häufige Fehler, die später weh tun

Einige Fehler tauchen bei nahezu jedem Neubau auf. Wer sie kennt, vermeidet sie.

Zu wenig Steckdosen. Der Klassiker. Besonders im Schlaf- und Esszimmer. Lieber drei Dosen zu viel als eine zu wenig - der Mehraufwand im Rohbau liegt bei etwa 25 bis 75 Euro pro Dose, das Nachrüsten später ist ein Vielfaches.

Netzwerkkabel vergessen. „Wir haben ja WLAN." Stimmt - bis das WLAN wackelt, bis ein Access Point im Keller benötigt wird, bis der Fernseher ein stabiles Ethernet verlangt. CAT6 oder CAT7 in jedes Zimmer ist heute Pflicht, keine Kür.

Nur Standardausstattung beim Elektriker. Viele Angebote kalkulieren RAL-RG-678-Stufe 1. Das reicht für 1995, nicht für 2026. Fordern Sie explizit Stufe 2 oder 3, und prüfen Sie das im Angebot.

Keine Leerrohre im Aussenbereich. Terrasse, Garten, Gartenhaus werden oft vergessen, weil sie nicht zur „Elektrik" gehören. Doch wer einmal Rasen aufgraben musste, weiss: ein Leerrohr für 30 Euro hätte das erspart.

Verteilerkasten zu klein. Wird im Rohbau oft „passend zum heutigen Bedarf" dimensioniert. Zehn Jahre später platzt er aus allen Nähten. Reserve mit mindestens zwanzig Prozent freien Plätzen einplanen.

Wallbox- und PV-Vorbereitung auslassen. „Brauchen wir nicht." Heute vielleicht nicht. Aber in fünf Jahren ärgert man sich schwarz, dass kein Leerrohr zur Garage oder zum Dach führt. Ein paar Hundert Euro heute gegen mehrere Tausend später.

Keine Dokumentation gemacht. Keine Fotos, keine Pläne, kein Protokoll. Fünfzehn Jahre später ist jede Bohrung ein Glücksspiel. Eine Stunde Aufwand vor dem Verputzen spart Nerven für drei Jahrzehnte.

FAQs: Die häufigsten Fragen zur Elektroinstallation im Neubau

Wie viele Steckdosen sollte ein Neubau heute haben?

Die Mindestausstattung nach Norm reicht in der Praxis nicht. Für ein Einfamilienhaus mit 130 bis 150 Quadratmeter Wohnfläche sind 60 bis 80 Steckdosen realistisch. Faustregel: alle zwei Meter eine Dose entlang nutzbarer Wände, im Wohnzimmer 10 bis 15 Stück, in der Küche 8 bis 12 entlang der Arbeitsfläche, pro Schlafzimmer und Kinderzimmer mindestens 8. Im Homeoffice eher mehr. Jede Dose kostet im Rohbau 25 bis 75 Euro, nachträglich das Vielfache.

Was kostet die Elektroinstallation in einem Einfamilienhaus in Österreich?

Für ein typisches Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche liegen die Gesamtkosten laut daibau.at zwischen 15.800 und 32.850 Euro. Darin enthalten sind Elektroplan (1.000-3.000 Euro), Roh- und Feininstallation (13.500-27.000 Euro), Messungen (300-450 Euro) und Netzanschluss (1.000-2.400 Euro). Das entspricht etwa 10 bis 15 Prozent der gesamten Baukosten. Smart Home, KNX oder DALI erhöhen die Kosten deutlich.

Welche Leerrohr-Durchmesser sind im Neubau üblich?

DN 25 für einzelne Datenkabel oder KNX-Leitungen, DN 32 als Standard für flexible Einsätze, DN 40 bis DN 50 für dickere Zuleitungen wie Wallbox-Kabel oder PV-Strings. Wichtig: möglichst wenige Bögen (maximal zwei 90-Grad-Bögen pro Abschnitt), beide Enden gekennzeichnet und zugänglich, Einzugsdraht bereits mit eingezogen. Beim Dach-zu-Technikraum-Rohr für PV empfehlen sich entweder ein einzelnes DN 50-Rohr oder zwei DN 25-Rohre.

Muss man im Neubau KNX einbauen oder reicht eine Vorbereitung?

Die pragmatische Variante ist die Vorbereitung: das grüne KNX-Buskabel zu allen Schalterdosen mitverlegen und im Technikraum zusammenführen. Das kostet im Rohbau nur wenige Hundert Euro zusätzlich. Wer sich später für KNX entscheidet, schliesst die Aktoren an. Wer konventionell schaltet, ignoriert das Kabel. Nur Leerrohre ohne Kabel einzuziehen, ist riskant - das spätere Einziehen durch mehrere Bögen wird oft zum Problem.

Welches Netzwerkkabel sollte im Neubau verlegt werden?

CAT6A oder CAT7 als Verlegekabel in sternförmiger Topologie zu einem zentralen Patchfeld im Technikraum. CAT6A unterstützt 10 Gigabit auf 100 Metern, CAT7 hat darüber hinaus Reserven. Pro Raum mindestens zwei Dosen, in Arbeits- und Wohnzimmer eher vier bis sechs. Zusätzlich LAN-Anschlüsse für WLAN-Access-Points an der Decke. Ein 19-Zoll-Patchfeld mit 24 Ports ist für ein Einfamilienhaus der Standard.

Was muss ich für eine Wallbox im Neubau vorbereiten?

Ein Leerrohr DN 40 bis DN 50 vom Hauptverteiler zur Garage oder zum Stellplatz, mit Einzugsdraht. Im Verteilerkasten Platz für einen 3x16A-Abgang (11 kW) oder 3x32A (22 kW, genehmigungspflichtig) reservieren. Ein 5x6 mm²-Kabel reicht für 11 kW, für grössere Distanzen ab etwa 15 Metern oder höhere Leistung 5x10 mm². Liegt die Garage weiter als 15 Meter weg, macht eine Unterverteilung in der Garage technisch Sinn. Der Anschluss selbst ist immer dem konzessionierten Elektriker vorbehalten.

Welche Normen gelten für die Elektroinstallation im österreichischen Neubau?

Die zentrale Norm ist die OVE E 8101 (Ausgabe 2025), die seit 2019 die ältere ÖVE/ÖNORM E 8001-Reihe abgelöst hat. Sie entspricht der europäischen Harmonisierungsdokument-Reihe HD 60364 und regelt Schutzmassnahmen, Geräteauswahl, Erdungssysteme und Prüfungen für Niederspannungsanlagen bis 1000 V Wechselspannung. Die aktuelle Ausgabe verbietet reine AC-Fehlerstromschutzschalter in Neuanlagen und fordert eine dokumentierte Spannungsabfallberechnung. Nach Fertigstellung erstellt der ausführende Elektriker ein Abnahmeprotokoll.