Warum der Dachstuhl über Jahrzehnte entscheidet
Der Dachstuhl ist die tragende Holzkonstruktion, die Regen, Schnee und Wind vom Haus fernhält. Er trägt die Dacheindeckung, leitet Schnee- und Windlasten in die Außenwände und bestimmt gleichzeitig, wie nutzbar das oberste Geschoss später wird. Ein Fehler in der Planung lässt sich später kaum noch korrigieren - nicht ohne das Dach wieder abzutragen.
Deshalb lohnt es sich, die zwei großen Konstruktionsprinzipien zu verstehen: Sparrendach und Pfettendach. Beide haben klare Einsatzbereiche. Beide haben Stärken und Schwächen, die über Kosten, Raumgefühl und Umbaufähigkeit entscheiden. Wer die Unterschiede kennt, geht mit dem Zimmermeister auf Augenhöhe in das Planungsgespräch.
Was gehört zum Dachstuhl?
Der Dachstuhl ist das Tragwerk des Daches. Er besteht im Kern aus Sparren, Pfetten, Zangen, Bundtram und - je nach Konstruktion - zusätzlichen Stützen und Kopfbändern. Auf den Sparren liegt eine Schalung oder eine Lattung, darauf folgt die Dacheindeckung.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Konstruktion und Eindeckung. Wie die Ziegel, Bleche oder Schindeln darüber aussehen, ist eine separate Entscheidung - die wir im Ratgeber zu den Dachmaterialien Ziegel, Blech und Schiefer ausführlich behandeln. Der Dachstuhl bildet das Skelett, die Eindeckung ist die Haut.
Sparrendach - schlank, stützenfrei, einfach
Beim Sparrendach werden die Sparren paarweise zu einem Dreieck zusammengesetzt. Der Dachbalken am Fuß - meist der Bundtram oder die Betondecke - wirkt als Zugband und fängt den Horizontalschub auf. Eine Firstpfette gibt es nicht. Das Gespärre bildet gemeinsam mit dem Bundtram ein statisch bestimmtes Dreieck.
Das Sparrendach wird üblicherweise bei Dachneigungen zwischen 30 und 60 Grad eingesetzt. Unter 30 Grad nehmen die Horizontalkräfte stark zu - die Konstruktion wird unwirtschaftlich. Typische Spannweiten liegen bei bis zu etwa 10 Metern. Darüber wird das Kehlbalkendach verwendet - eine Variante, bei der ein waagrechter Kehlbalken die Sparren entlastet.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Dachraum bleibt stützenfrei, es stehen keine Balken oder Pfosten im Weg. Der Holzbedarf ist geringer als beim Pfettendach, weil Pfetten und Stützen eingespart werden. Das macht die Konstruktion auf den ersten Blick schlanker und oft günstiger im Material.
Der Preis dafür: Das Sparrendach ist weniger flexibel. Dachgauben und große Dachfenster sind aufwendig, weil jeder durchtrennte Sparren die Statik verändert. Der Fußpunkt am Dachbalken muss exakt ausgeführt werden, sonst wandert das Dach unter seiner eigenen Last nach außen. Fertigelemente aus der Abbundhalle lassen sich beim reinen Sparrendach kaum vorfertigen - vieles muss auf der Baustelle zusammengefügt werden.
Kehlbalkendach - Sparrendach für große Spannweiten
Das Kehlbalkendach ist die konstruktive Erweiterung des Sparrendachs. Auf halber Höhe werden die Sparrenpaare durch einen waagrechten Kehlbalken verbunden. Dieser Kehlbalken verkürzt die statisch wirksame Sparrenlänge und erlaubt deshalb größere Gebäudebreiten.
Es gibt drei Ausführungen: einfach stehend mit einer Stuhlsäule in der Mitte, doppelt stehend mit zwei Stuhlsäulen und zusätzlichen Pfetten sowie doppelt liegend, bei dem die Stützen schräg in den Kehlbalken münden. Die letzte Variante ist traditionell im alpinen Raum verbreitet, weil sie einen höheren nutzbaren Raum unter dem Kehlbalken schafft.
Für klassische Einfamilienhäuser mit Satteldach und Spannweiten über 10 Metern ist das Kehlbalkendach oft die sinnvollste Wahl, wenn das Dachgeschoss nicht intensiv ausgebaut werden soll.
Pfettendach - das flexible Arbeitstier

Beim Pfettendach liegen die Sparren auf waagrechten Pfetten. Drei Arten werden unterschieden: die Fußpfette am Traufpunkt, die Mittelpfette auf halber Höhe und die Firstpfette ganz oben. Die Pfetten übernehmen die Last der Sparren und leiten sie über Stuhlsäulen, Drempelwände oder Giebelwände nach unten.
Anders als beim Sparrendach üben die Sparren keinen Horizontalschub aus. Sie sind reine Biegeträger. Das hat weitreichende Folgen: Sparren lassen sich problemlos einzeln auswechseln, verlängern oder durchtrennen. Dachgauben, große Dachflächenfenster und Dachterrassen sind konstruktiv einfacher umzusetzen als beim Sparrendach.
Pfettendächer werden bevorzugt bei Dachneigungen bis etwa 35 Grad gebaut. Mit Streben und Kopfbändern sind aber auch steilere Dächer bis 45 Grad möglich. Unterschieden werden einfach stehende, doppelt stehende und dreifach stehende Pfettendachstühle - je nach Anzahl der Stützebenen. Welche Variante passt, hängt von Spannweite, Dachneigung und gewünschter Raumaufteilung ab.
Ein klarer Pluspunkt: Viele Elemente lassen sich in der Abbundhalle vorfertigen. Der Aufbau auf der Baustelle geht dadurch oft schneller als beim Sparrendach. Nachteil: Die Stuhlsäulen stehen im Dachraum und müssen in die Grundrissplanung eingeplant werden - sonst landet mitten im künftigen Schlafzimmer eine Holzstütze.
Wann Sparrendach, wann Pfettendach?
Die Entscheidung zwischen den beiden Systemen hängt an vier Faktoren: Dachneigung, Spannweite, gewünschte Dachöffnungen und Grundriss.
Sparrendach passt, wenn das Dach steil ist (über 30 Grad), die Spannweite unter 10 Metern bleibt, wenige oder keine Gauben geplant sind und der Grundriss rechteckig bleibt. Es ist die klassische Wahl für einfache Satteldächer ohne aufwendigen Dachgeschossausbau.
Pfettendach passt, wenn die Dachneigung flach ist, größere Spannweiten überbrückt werden sollen, Gauben oder große Dachfenster geplant sind, der Grundriss L- oder T-förmig ist oder wenn ein Walmdach, Krüppelwalm oder Pultdach errichtet werden soll. Auch bei geplanter späterer Erweiterung des Dachraumes ist das Pfettendach oft die klügere Wahl.
Bei komplexen Dachformen gibt es de facto kaum eine Alternative zum Pfettendach. Ein reines Sparrendach auf einem Walmdach wäre nur mit erheblichem statischem Aufwand umsetzbar.
Dachformen im Überblick

Die Dachform bestimmt das Gesicht des Hauses - und indirekt die passende Konstruktion. Diese sieben Formen begegnen Bauherren in Österreich am häufigsten:
Satteldach - zwei gegeneinander geneigte Dachflächen, die am First zusammentreffen. Die mit Abstand häufigste Dachform in Österreich. Wirtschaftlich, regendicht, gut für Photovoltaik. Funktioniert mit Sparrendach, Kehlbalkendach oder Pfettendach.
Walmdach - an allen vier Seiten abgeschrägt. Sehr robust gegen Wind, typisch für den alpinen Raum und traditionelle Bauernhäuser. Teurer als das Satteldach, weil die Konstruktion aufwendiger ist und mehr Eindeckung benötigt. Pfettendach ist hier fast immer die Wahl.
Krüppelwalm - ein Satteldach mit kleinen Walmflächen an den Giebeln. Eine Mischform, die Giebelflächen stehen lässt und trotzdem Wind abweist. Im steirischen und kärntnerischen Bauernhaus sehr verbreitet.
Pultdach - eine einzige geneigte Dachfläche. Modern in der Architektur, ideal für Photovoltaik, weil sich die gesamte Fläche nach Süden ausrichten lässt. Geringe Dachneigung erfordert sorgfältige Materialwahl bei der Eindeckung.
Mansarddach - im oberen Bereich flach, im unteren steil. Ursprünglich erfunden, um mehr nutzbare Wohnfläche unter dem Dach zu schaffen, ohne ein Vollgeschoss bauen zu müssen. Aufwendige Konstruktion, entsprechend teurer.
Zeltdach - vier gleich große Dreiecksflächen treffen in einer Spitze zusammen. Typisch für quadratische Grundrisse oder Türme.
Flachdach - Dachneigung unter 10 Grad. Technisch kein Dachstuhl im klassischen Sinn, sondern eine Dachdecke mit Abdichtung. Für begrünte Dächer oder begehbare Dachterrassen interessant, verlangt aber eine andere Konstruktionslogik.
Holzarten und Materialien im Dachstuhl
In Österreich wird der Dachstuhl fast immer aus Fichte gefertigt. Fichtenholz ist heimisch, leicht zu verarbeiten, tragfähig und im Verhältnis günstig. Lärche und Douglasie kommen vor allem bei sichtbaren Dachüberständen zum Einsatz, weil sie deutlich witterungsbeständiger sind. Eiche ist für tragende Dachstuhlteile heute selten, weil sie teuer und schwer zu verarbeiten ist.
Zwei Materialtypen dominieren:
Konstruktionsvollholz (KVH) ist getrocknetes, keilgezinktes Massivholz. Die Holzfeuchte liegt bei 15 Prozent plus/minus 3 Prozent. KVH ist herzgetrennt eingeschnitten, um Schwundrisse zu vermeiden. Typische Querschnitte reichen von 60 x 100 mm für leichte Anwendungen bis 140 x 240 mm. Üblich für Sparren sind 8 x 16 bis 10 x 20 cm. KVH ist die Standardwahl für Sparren, Pfetten und Stuhlsäulen im Einfamilienhausbau.
Brettschichtholz (BSH, umgangssprachlich Leimbinder) besteht aus mindestens drei längsseitig verklebten Brettlagen. BSH ist form- und maßstabiler als Vollholz, trägt bei gleicher Dimension deutlich mehr Last und ist in quasi beliebigen Längen verfügbar. Typisch für Firstpfetten über große Spannweiten, für weitgespannte Pfetten oder wenn Holz sichtbar bleiben und perfekt aussehen soll.
Eine dritte Option sind vorgefertigte Nagelplattenbinder. Das sind fertige, fabrikmäßig produzierte Dachbinder aus Holz, deren Knoten mit Nagelplatten - gelochten Stahlblechen - verpresst sind. Nagelplattenbinder sind extrem effizient: Sie erreichen stützenlose Spannweiten bis etwa 28 Meter und werden in wenigen Tagen montiert. Nachteil: Der so entstandene Dachraum ist durch die engen Streben nicht bewohnbar. Die Bauweise eignet sich deshalb vor allem für Hallen, Carports und Einfamilienhäuser, bei denen der Dachraum nicht ausgebaut werden soll.
Sparrenabstände und Querschnitte
Die gängigen Sparrenabstände liegen zwischen 50 und 100 cm. In modernen Neubauten werden meistens 65 bis 80 cm gewählt. Dieses Maß ist kein Zufall: Es passt gut zu den Standardbreiten von Dämmplatten und Unterdeckbahnen, was Verschnitt reduziert.
Wichtig: Der Sparrenabstand wird von Achse zu Achse gemessen, also von Mitte Sparren zu Mitte Sparren. Das ist relevant, sobald es später an die Zwischensparrendämmung mit Aufbau, Materialien und Kosten geht - die Dämmung muss passgenau zwischen die Sparren eingebaut werden.
Die Sparrenquerschnitte richten sich nach Spannweite, Dachneigung und Schneelast. Bei einer Spannweite von 4 bis 4,5 Metern und üblicher Schneelast für flachere Gebiete in Österreich genügen 8 x 16 cm häufig. Bei größeren Spannweiten und Regionen mit hoher Schneelast werden 10 x 20 cm oder mehr üblich. Für ungestützte Vollholzsparren gilt grob eine Spannweite von rund 4 Metern als wirtschaftliche Obergrenze - darüber rechnet der Statiker meist mit Kehlbalken, Pfetten oder Brettschichtholz.
Dachneigung, Schnee- und Windlast
Die Dachneigung ist nicht frei wählbar - sie wird durch das Eindeckungsmaterial, Statik und Gestaltung mitbestimmt. Jedes Dachmaterial hat eine Regeldachneigung, bei der es ohne zusätzliche Maßnahmen regensicher ist. Wird diese unterschritten, verlangt die ÖNORM B 3419 zusätzliche Maßnahmen wie eine nahtgefügte Unterdeckung.
Grobe Orientierung: Tondachziegel brauchen mindestens 20 Grad Dachneigung. Betondachsteine können unter bestimmten Voraussetzungen bereits ab 13 Grad verwendet werden, optimal sind 20 bis 45 Grad. Blecheindeckungen funktionieren ab etwa 5 Grad. Holzschindeln werden typisch bei 40 bis 60 Grad verlegt. Bitumenbahnen für Flachdächer bereits ab 2 Grad.
Die Schneelast berechnet sich in Österreich nach ÖNORM B 1991-1-3, die seit Mai 2022 in der aktuellen Fassung gilt. Anders als in Deutschland gibt es keine festen Schneelastzonen - die Last wird für jeden Standort individuell aus einem 50 x 50 Meter Raster bis auf 2000 Meter Seehöhe ausgelesen. Für einen Bauplatz in Leibnitz in der Südsteiermark sieht der Wert anders aus als für einen in Obertilliach in Osttirol. Der Statiker holt diese Werte aus der Datenbank und rechnet den Dachstuhl entsprechend durch.
Windlasten spielen vor allem an exponierten Lagen und bei Walm- oder Zeltdächern eine Rolle. Ein Walmdach ist windtechnisch günstiger als ein Satteldach mit hohen Giebeln - deshalb ist es im voralpinen Raum traditionell verbreitet.
Kosten für den Dachstuhl in Österreich
Belastbare Zahlen aus dem österreichischen Markt für 2026: Für einen einfachen Satteldachstuhl mit 35 Grad Neigung liegen die Richtpreise für Zimmereiarbeiten inklusive Aufstellen bei 65 bis 120 Euro pro Quadratmeter Dachfläche. Ein Walmdach ist spürbar teurer und bewegt sich im Bereich von 120 bis 160 Euro pro Quadratmeter. Eine Dachgaube schlägt je nach Ausführung zusätzlich mit 3.000 bis 6.000 Euro pro Stück zu Buche.
Für ein typisches Einfamilienhaus mit 100 Quadratmetern Dachfläche ergibt das eine Größenordnung von 6.000 bis 12.000 Euro für den Rohbau des Dachstuhls inklusive Holz und Aufstellen. Dämmung und Dacheindeckung kommen zusätzlich.
Was die Endabrechnung stark beeinflusst: Holzart, Komplexität der Konstruktion, Region, Auslastung der Zimmerei und Schwierigkeit der Anlieferung. Gut ausgelastete Betriebe setzen oft voraus, dass Bauherren Pläne oder Skizzen mitschicken - ohne konkrete Unterlagen gibt es oft gar kein Angebot.
Wer bei Kosten sparen will, sollte nicht am Querschnitt der Sparren sparen oder die Dachneigung zu flach wählen. Diese Einsparungen rächen sich später.
Bauzeit - wie lange steht der Dachstuhl?
Der reine Dachstuhlaufbau dauert bei einem typischen Einfamilienhaus-Satteldach etwa 3 bis 5 Arbeitstage, wenn das Holz abgebunden vor Ort liegt. Mit Schalung, Unterdeckbahn und Lattung kommen nochmal 3 bis 5 Tage dazu. Die Eindeckung selbst braucht je nach Material weitere 4 bis 10 Tage. Unterm Strich sind zwei bis drei Wochen vom Dachstuhlaufbau bis zum fertigen Dach realistisch - Witterung und Handwerker-Logistik eingerechnet.
Der Zeitpunkt ist relevant: Der Dachstuhl sollte möglichst schnell nach dem Aufstellen gedeckt werden, um das Holz vor Nässe zu schützen. Ein Dachstuhl, der tagelang ungeschützt im Regen steht, zieht Wasser und trocknet danach schlecht - das geht zulasten der Lebensdauer.
Dachgeschossausbau mitdenken - der Kniestock
Ein Fehler, der sich rächt: Der Dachstuhl wird auf die Außenmauern gesetzt, ohne einen Kniestock vorzusehen. Das kostet später massiv Wohnfläche.
Der Kniestock - in Österreich oft Drempel genannt - ist die kurze Außenwand, die über der Geschossdecke aufsteht und auf der die Fußpfette liegt. Ohne Kniestock beginnt der schräge Dachbereich direkt am Boden, Möbel lassen sich nur in der Raummitte aufstellen. Mit einem Kniestock von 80 bis 120 cm gewinnt der Dachraum enorm an Nutzbarkeit: Schränke an der Außenwand werden möglich, Fenster im aufrechten Bereich statt Dachflächenfenster werden sinnvoll, der Raum wirkt offener.
Bebauungsbestimmungen der Gemeinde schreiben oft eine maximale Kniestockhöhe vor - typisch sind 80 bis 120 cm, in manchen Gemeinden bis 140 cm. Diese Grenze sollte vor der Planung geklärt sein, denn sie bestimmt, wie viel Dachraum später tatsächlich Wohnraum werden kann.
Zweite Größenordnung, die mitgedacht gehört: Wenn das Dachgeschoss erst später ausgebaut werden soll, muss der Dachstuhl schon beim Bau dafür vorbereitet sein. Das betrifft Sparrenquerschnitt (für die spätere Dämmung zwischen den Sparren), Belüftungsebene und ausreichende Raumhöhe. Eine nachträgliche Verstärkung ist technisch möglich, aber teuer.
Häufige Fehler bei Planung und Bau
Aus der Sicht vieler Zimmermeister sind es immer wieder die gleichen Fehler, die später zu Problemen führen:
Zu flache Dachneigung gewählt. Unter der Regeldachneigung des gewählten Eindeckungsmaterials wird das Dach nur mit erhöhtem Aufwand dicht - zusätzliche Unterdeckung, mehr Überdeckung der Ziegel, regelmäßigere Wartung. Oft ist es klüger, zwei oder drei Grad mehr Neigung zu planen.
Dachgeschossausbau nicht vorgesehen. Sparren zu schwach dimensioniert für spätere Dämmung, Kniestock zu niedrig, keine Belüftungsebene eingeplant. Der spätere Umbau wird zur Großbaustelle.
Luftdichte Ebene vergessen. Feuchtwarme Raumluft wandert durch die Dachkonstruktion, Wasserdampf kondensiert in der Dämmung, das Holz beginnt zu faulen. Schäden werden oft erst nach Jahren sichtbar. Eine saubere Dampfbremse ist nicht optional.
Nasses Holz eingebaut. Holzfeuchte über 18 Prozent beim Einbau führt zu Schwund, Rissen und im schlimmsten Fall zu Schimmelbildung unter der Dämmung. KVH wird trocken geliefert - bei einfachem Vollholz auf gemessene Feuchte bestehen.
Keine Statik, nur Gefühl. Bei kleineren Bauten ist die Versuchung groß, auf Erfahrungswerte zu setzen. Die ÖNORMEN verlangen aber eine Berechnung durch einen qualifizierten Statiker. Ohne Statiknachweis gibt es keine Baubewilligung, und die Verantwortung für Schäden bleibt am Bauherren hängen.
Kein Überstand geplant. Ein Dachüberstand von 40 bis 80 cm schützt die Fassade vor Regen und Sonne. Gebäude ohne Dachüberstand brauchen massivere Fassadenpflege und oft häufigere Anstriche.
Zimmermeister und Statiker - wer macht was?
Im klassischen Bauablauf in Österreich gibt es drei Akteure rund um den Dachstuhl. Der Architekt oder Bauplaner entwirft Haus und Dachform. Der Statiker - meist ein Ziviltechniker für Bauwesen oder Holzbau - rechnet die Konstruktion durch und liefert die Tragwerksplanung mit Dimensionierung. Der Zimmermeister fertigt das Holz auf Basis der Statik in der Abbundhalle und stellt den Dachstuhl auf der Baustelle auf.
Der Zimmermeister ist in Österreich ein geschützter Berufstitel mit Meisterprüfung, organisiert in der Bundesinnung Holzbau der WKO. Wer den Dachstuhl errichtet, ist damit auch verantwortlich für die normgerechte Ausführung.
Für Bauherren heißt das: Die Dachplanung sollte früh mit dem Statiker und dem Zimmermeister abgestimmt werden - nicht erst, wenn die Außenmauern bereits stehen. Wer die Schneelast für den konkreten Standort vorab prüfen will, findet die Daten in der Schneelastdatenbank nach ÖNORM B 1991-1-3. Die technischen Grundlagen zum Holztragwerk sind über die Informationsplattform proHolz Austria zum Thema Dach frei zugänglich, inklusive Fachpublikationen zu Steildach und Flachdach. Spezifische Deckregeln samt Mindestdachneigungen veröffentlicht die Dachdecker-Innung auf der WKO-Seite zu Tondachziegel-Deckregeln.
Pfettendach oder Sparrendach - kurze Entscheidungshilfe
Wer mit einem einfachen Satteldach plant, das Dachgeschoss nur als Stauraum nutzen will und ohne Gauben auskommt, wird mit einem Sparrendach oder Kehlbalkendach meistens günstiger fahren. Die Konstruktion ist schlank und braucht weniger Holz.
Wer eine komplexere Dachform baut, das Dachgeschoss als Wohnraum vorsieht, Gauben oder große Dachflächenfenster will oder eine flachere Dachneigung bevorzugt, landet praktisch zwangsläufig beim Pfettendach. Das höhere Materialaufkommen wird durch die Flexibilität mehr als wettgemacht.
Die Kostenfrage allein ist selten entscheidend - der Unterschied zwischen den Systemen bewegt sich beim Einfamilienhaus oft im Bereich von ein paar tausend Euro, während Fehler in der Systemwahl später fünfstellige Folgekosten verursachen können.
Häufige Fragen zum Dachstuhl
Was ist der Unterschied zwischen Sparrendach und Pfettendach?
Beim Sparrendach bilden Sparrenpaare mit dem Bundtram ein tragendes Dreieck - die Sparren übernehmen die Last gemeinsam. Beim Pfettendach liegen die Sparren auf waagrechten Pfetten, die von Stuhlsäulen oder Außenmauern getragen werden. Der große praktische Unterschied: Sparrendächer sind stützenfrei, aber wenig flexibel bei Gauben oder Dachfenstern. Pfettendächer brauchen Stützen im Dachraum, erlauben dafür aber große Dachöffnungen und komplexe Dachformen.
Welche Dachneigung ist für welches Dachmaterial vorgeschrieben?
Die Regeldachneigung hängt vom Material ab. Tondachziegel brauchen in der Regel mindestens 20 Grad, Betondachsteine können ab 13 Grad mit Zusatzmaßnahmen verlegt werden, mit 20 bis 45 Grad als optimalem Bereich. Blecheindeckungen funktionieren bereits ab etwa 5 Grad, Bitumenbahnen für Flachdächer ab 2 Grad. Holzschindeln werden typisch bei 40 bis 60 Grad verlegt. Maßgeblich ist die ÖNORM B 3419 - bei Unterschreitung der Regeldachneigung sind zusätzliche Maßnahmen wie eine nahtgefügte Unterdeckung vorgeschrieben.
Wie teuer ist ein Dachstuhl für ein Einfamilienhaus in Österreich?
Für ein Satteldach mit 35 Grad Neigung liegen die Richtpreise der Zimmereiarbeiten bei 65 bis 120 Euro pro Quadratmeter Dachfläche. Ein Walmdach kostet spürbar mehr, etwa 120 bis 160 Euro pro Quadratmeter. Für ein typisches Einfamilienhaus mit 100 Quadratmetern Dachfläche ergibt das rund 6.000 bis 12.000 Euro nur für den Rohbau des Dachstuhls. Dämmung und Dacheindeckung kommen zusätzlich. Eine einzelne Dachgaube schlägt mit 3.000 bis 6.000 Euro zu Buche.
Welche Holzart eignet sich für den Dachstuhl?
In Österreich wird der Dachstuhl zum weit überwiegenden Teil aus Fichtenholz gefertigt. Es ist heimisch, tragfähig, leicht zu verarbeiten und preisgünstig. Lärche kommt vor allem bei sichtbaren Dachüberständen zum Einsatz, weil sie witterungsbeständiger ist. Die marktüblichen Produkte sind Konstruktionsvollholz (KVH) mit 15 Prozent Restfeuchte und Brettschichtholz (BSH) für hohe Lasten oder große Spannweiten. Eiche und Douglasie sind möglich, im normalen Einfamilienhausbau aber selten.
Wie groß müssen die Sparren dimensioniert sein?
Statisch notwendige Sparrenabmessungen liegen üblicherweise zwischen 6 x 12 cm und 10 x 20 cm Querschnitt. Bei Spannweiten bis etwa 4,5 Meter und moderater Schneelast genügen oft 8 x 16 cm. Bei größeren Spannweiten oder hoher Schneelast werden 10 x 20 cm oder mehr fällig. Die Sparrenabstände liegen meist bei 65 bis 80 cm von Achse zu Achse. Die genaue Dimensionierung gehört immer in die Hand eines Statikers, der Standort, Schneelast nach ÖNORM B 1991-1-3, Dachneigung und Eindeckungsgewicht berücksichtigt.
Kann ich den Dachstuhl später für Wohnraum ausbauen?
Grundsätzlich ja, aber die Weichen werden beim Bau gestellt. Wichtig sind ausreichend dimensionierte Sparren (mindestens 20 cm Höhe, damit die Dämmung hineinpasst), ein Kniestock von 80 bis 120 cm, eine geplante Raumhöhe über 2,30 m im Kehlbalkenbereich und eine fachgerechte luftdichte Ebene. Wer diese Punkte beim Erstbau nicht berücksichtigt, zahlt beim nachträglichen Ausbau deutlich mehr - inklusive möglicher Verstärkung der Konstruktion. Pfettendächer sind für den späteren Ausbau meist flexibler als Sparrendächer.
Sind Nagelplattenbinder eine Alternative zum klassischen Dachstuhl?
Nagelplattenbinder sind fertige, werksmäßig produzierte Dachbinder, deren Knoten mit gezackten Stahlplatten verpresst werden. Sie erreichen stützenlose Spannweiten bis etwa 28 Meter und werden auf der Baustelle in wenigen Tagen montiert. Sie sind deutlich günstiger als ein gezimmerter Dachstuhl und statisch exakt nachgerechnet. Der Nachteil: Die engen Verstrebungen im Inneren machen den Dachraum unbewohnbar. Für Hallen, Carports, Garagen und Einfamilienhäuser ohne Dachausbau sind sie wirtschaftlich. Wer den Dachboden später zum Wohnraum ausbauen möchte, sollte bei einem klassischen Sparren- oder Pfettendach bleiben.
