Wenn der Heizkörper gluckert, oben kalt bleibt, obwohl er unten warm ist, oder ewig braucht, bis er die eingestellte Temperatur erreicht, steckt fast immer dasselbe dahinter: Luft im Heizkörper. Sie verdrängt das warme Wasser, blockiert die Wärmeabgabe und treibt den Energieverbrauch nach oben - denn die Heizung muss länger laufen, um denselben Raum warm zu bekommen.
Das Gute daran: Entlüften ist eine der wenigen Wartungsarbeiten, die jeder selbst erledigen kann. Man braucht dafür nur einen günstigen Schlüssel, ein Gefäß und wenige Minuten pro Heizkörper - und spart damit spürbar Heizkosten.
Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Heizung richtig entlüften, in welcher Reihenfolge Sie vorgehen und worauf Sie beim Anlagendruck achten müssen.
Warum Luft im Heizkörper zum Problem wird
In jedem Heizkreis sammelt sich mit der Zeit Luft. Sie gelangt beim Nachfüllen von Wasser ins System, entsteht durch kleine chemische Prozesse oder wird beim Betrieb aus dem Wasser ausgeschieden. Da Luft leichter ist als Wasser, steigt sie nach oben und sammelt sich in den höchsten Punkten der Anlage und im oberen Teil der Heizkörper.
Genau dort, wo eigentlich warmes Wasser stehen sollte, blockiert dann ein Luftpolster die Wärmeabgabe. Die Folgen sind typisch und leicht zu erkennen:
- der Heizkörper gluckert oder blubbert hörbar
- er wird unten warm, bleibt oben aber kalt
- der Raum braucht ungewöhnlich lange, bis er warm wird
- die Heizung läuft länger und verbraucht mehr Energie
Wann und wie oft entlüften
Einmal im Jahr sollte die Heizung entlüftet werden, am besten im Herbst vor Beginn der Heizsaison. Zusätzlich immer dann, wenn eines der genannten Anzeichen auftritt oder nachdem Wasser in die Anlage nachgefüllt wurde. Wer regelmäßig entlüftet, hält die Heizkörper auf voller Leistung und vermeidet unnötig hohe Heizkosten.
Das brauchen Sie
Die Ausrüstung ist minimal und kostet nur wenige Euro:
- Entlüftungsschlüssel: ein standardisierter Vierkantschlüssel für das Entlüftungsventil, im Baumarkt für wenige Euro erhältlich. Bei manchen modernen Heizkörpern genügt ein Schlitzschraubendreher.
- Auffanggefäß: eine kleine Tasse oder ein Becher, denn am Ende tritt Wasser aus.
- Lappen oder Tuch: zum Abfangen von Tropfen und für die Griffe.
Heizung entlüften: Schritt für Schritt
Mit dieser Reihenfolge gelingt das Entlüften zuverlässig:
- Umwälzpumpe abschalten: Stellen Sie die Heizungspumpe ab und warten Sie 30 bis 60 Minuten. So kommt das Wasser zur Ruhe und die Luft kann sich oben sammeln.
- Thermostate aufdrehen: Drehen Sie die Thermostatventile aller Heizkörper voll auf.
- Reihenfolge festlegen: Beginnen Sie im untersten Stockwerk und arbeiten Sie sich nach oben vor. Der höchstgelegene Heizkörper im Haus kommt zuletzt, weil sich dort die meiste Luft sammelt.
- Ventil ansetzen: Halten Sie das Gefäß unter das Entlüftungsventil - es sitzt oben an der dem Thermostat gegenüberliegenden Seite des Heizkörpers - und setzen Sie den Entlüftungsschlüssel auf.
- Langsam öffnen: Drehen Sie das Ventil eine viertel bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn auf. Es beginnt hörbar zu zischen, die Luft entweicht.
- Bis Wasser kommt: Sobald ein gleichmäßiger, blasenfreier Wasserstrahl austritt, ist die Luft draußen. Schließen Sie das Ventil wieder fest.
- Nächster Heizkörper: Wiederholen Sie den Vorgang an allen Heizkörpern in der festgelegten Reihenfolge.
- Pumpe einschalten: Schalten Sie zum Schluss die Umwälzpumpe wieder ein und prüfen Sie den Anlagendruck.
Anlagendruck prüfen und Wasser nachfüllen
Nach dem Entlüften ist Wasser aus dem System entwichen, deshalb sinkt der Druck. Ein Blick auf das Manometer am Heizkessel zeigt, ob nachgefüllt werden muss. Die Richtwerte:
| Gebäude | Optimaler Anlagendruck |
|---|---|
| Einfamilienhaus | 1,0 bis 2,0 bar |
| Mehrgeschossiges Gebäude | 2,0 bis 3,0 bar |
Fällt der Druck unter 1,0 bar, füllen Sie über den Füllhahn am Kessel vorsichtig Wasser nach, bis der Zielwert erreicht ist. Danach lohnt oft ein zweiter Entlüftungsdurchgang, weil mit dem Nachfüllen wieder etwas Luft ins System gelangt sein kann. Ein dauerhaft zu niedriger Druck deutet auf ein Leck oder ein defektes Ausdehnungsgefäß hin - dann sollte ein Fachbetrieb nachsehen.
Wenn das Entlüften nicht hilft
Bleiben einzelne Heizkörper oder ganze Räume trotz Entlüften und aufgedrehtem Ventil kalt, liegt das Problem meist woanders: an einer ungleichmäßigen Verteilung des Heizwassers. Dann fehlt der hydraulische Abgleich, der dafür sorgt, dass jeder Heizkörper genau die richtige Wassermenge bekommt. Das ist ein häufiger und gut behebbarer Grund für hohe Heizkosten und einzelne kalte Räume.
Eine Fußbodenheizung lässt sich nicht am Heizkörper, sondern nur am Heizkreisverteiler entlüften. Das ist aufwendiger und wird meist im Zuge einer Wartung durch einen Fachbetrieb erledigt. Eine neutrale Schritt-für-Schritt-Hilfe zum Entlüften bietet auch die Initiative Intelligent heizen.
Häufig gestellte Fragen zum Heizung entlüften
Wie oft sollte man die Heizung entlüften?
Mindestens einmal im Jahr, am besten im Herbst vor Beginn der Heizsaison. Zusätzlich immer dann, wenn der Heizkörper gluckert, oben kalt bleibt oder der Raum ungewöhnlich lange zum Aufheizen braucht, sowie nach jedem Nachfüllen von Wasser in die Anlage.
Welches Werkzeug braucht man zum Entlüften?
Sie brauchen einen Entlüftungsschlüssel - einen standardisierten Vierkantschlüssel, den es im Baumarkt für wenige Euro gibt -, ein kleines Auffanggefäß und einen Lappen. Bei manchen modernen Heizkörpern lässt sich das Ventil auch mit einem Schlitzschraubendreher öffnen.
In welcher Reihenfolge entlüftet man die Heizkörper?
Beginnen Sie im untersten Stockwerk und arbeiten Sie sich nach oben vor. Der höchstgelegene Heizkörper im Haus wird zuletzt entlüftet, weil sich dort die meiste Luft sammelt. So entweicht die Luft vollständig aus dem gesamten System.
Muss die Umwälzpumpe zum Entlüften ausgeschaltet werden?
Ja. Schalten Sie die Umwälzpumpe vor dem Entlüften ab und warten Sie 30 bis 60 Minuten. Steht das Wasser still, kann sich die Luft ungestört in den oberen Bereichen sammeln und lässt sich dann vollständig ablassen. Nach dem Entlüften schalten Sie die Pumpe wieder ein.
Welcher Anlagendruck ist richtig?
In einem Einfamilienhaus liegt der optimale Anlagendruck bei 1,0 bis 2,0 bar, in mehrgeschossigen Gebäuden bei 2,0 bis 3,0 bar. Fällt der Druck unter 1,0 bar, muss über den Füllhahn Wasser nachgefüllt werden. Ein dauerhaft zu niedriger Druck weist auf ein Leck oder ein defektes Ausdehnungsgefäß hin.
Was tun, wenn der Heizkörper nach dem Entlüften noch kalt ist?
Bleibt ein Heizkörper trotz Entlüften und voll aufgedrehtem Ventil kalt, fehlt meist der hydraulische Abgleich, der das Heizwasser gleichmäßig auf alle Heizkörper verteilt. Auch ein festsitzendes Thermostatventil oder ein zu niedriger Anlagendruck kommen infrage. Hilft nichts davon, sollte ein Fachbetrieb die Ursache prüfen.
Kann man eine Fußbodenheizung selbst entlüften?
Eine Fußbodenheizung wird nicht am Boden, sondern am Heizkreisverteiler entlüftet. Das ist deutlich aufwendiger als bei Heizkörpern, weil jeder Heizkreis einzeln gespült werden muss. In der Regel übernimmt das ein Fachbetrieb im Rahmen der Wartung.
